Hochschule 29.09.2000, 17:26 Uhr

Die alten Wunden sind inzwischen vernarbt

Angesichts des hohen Niveaus in den Ingenieurwissenschaften der DDR bedeutete „Erneuerung“ vor allem eine Frage des personellen, nicht des inhaltlichen Wechsels.

Wegen ihrer Distanz zum „sozialistischen Menschenbild“ musste sich die habilitierte Ingenieurin Dagmar Schipanski vor der deutschen Vereinigung mit einer Dozentur an der Technischen Hochschule Ilmenau bescheiden. Nach der Wende wurde sie Professorin und Rektorin der Universität. 1996 übernahm die Thüringerin für zwei Jahre den Vorsitz des Wissenschaftsrats, des maßgeblichen Gremiums zur Politikberatung in Deutschland, und machte sich damit auch in den alten Bundesländern bekannt. Jetzt ist Schipanski Wissenschaftsministerin in Erfurt.

Vor zehn Jahren wurden mit dem Untergang der DDR und der „demokratischen Erneuerung“ ihrer Hochschulen in allen Fächern Karrieren beendet und begründet. Auf wirtschafts- und rechtswissenschaftlichen Lehrgebieten, die die soziale Marktwirtschaft und den Rechtsstaat fördern sollen, war eine inhaltliche und personelle Totalerneuerung unvermeidlich. Das ging praktisch nur über einen hundertprozentigen Import westelbischer Hochschullehrer.

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Anders in den Ingenieurdisziplinen. In klassischen Fächern wie dem Maschinenbau war die theoretische Ausbildung in Ost und West vielfach gleichartig und ebenbürtig, betont Heinrich Kern, Rektor der TU Ilmenau. Eine ganze Reihe von DDR-Lehrbüchern wurde auch im Westen rezipiert. Während in vielen Wissenschaften Forschungsvorhaben vorwiegend an Akademien angesiedelt waren und die Hochschulen hauptsächlich ausbildeten, dienten die Ingenieurfächer der Universitäten und Technischen Hochschulen der Lehre und Forschung (ähnlich wie im Westen) gleichermaßen. Eine Ausnahme bildete die Bauforschung, die zu Lasten der Hochschulen in der „Bauakademie“ konzentriert war.

Freilich gab es in der DDR nicht dieselbe Fächerbreite wie in der Bundesrepublik. Beispielsweise wurde die Luftfahrtindustrie im Osten Mitte der 50er Jahre eingestellt. Mit der deutschen Einheit kam die Möglichkeit und Notwendigkeit, das Fächerspektrum zu erweitern.

Angesichts des vielfach hohen Niveaus in den Ingenieurwissenschaften der DDR war „Erneuerung“ vor allem eine Frage „personeller Erneuerung“, schreibt Peer Pasternack in seiner universitätsgeschichtlichen Doktorarbeit. Ob ein Hochschulangehöriger wegen seiner Vergangenheit für den öffentlichen Dienst untragbar war, erwies sich durch die Überprüfung bei der Gauck-Behörde, in der Regel auf Antrag hochschulinterner Personalkommissionen.

Von einer Dominanz westdeutscher Ingenieure an den ostdeutschen Hochschulen kann heute keine Rede sein. Rektor Kern schätzt, dass vier von fünf Kollegen und wissenschaftlichen Mitarbeitern in Ilmenau aus der DDR stammen. Die TU/Bergakademie Freiberg nennt auf Nachfrage genaue Zahlen. Vor der Wende gab es 144 Professoren, heute sind es 109. Davon sind 39 aus der Bergakademie selbst hervorgegangen, 19 von ihnen standen in der zweiten Reihe und wurden nachher Professoren. 20 waren schon Professoren alten Rechts, 18 von diesen ließen sich formell neu berufen. 70 Freiberger Professoren stammen von außerhalb, drei aus dem Ausland, 43 aus den alten und 24 aus den neuen Bundesländern. Das aktuelle Verhältnis Ost-/Westherkunft in der Professorenschaft lautet mithin 63:43. Die „Erneuerung“ war also nicht gleich bedeutend mit „Kolonialisierung“.

Zu DDR-Zeiten erfolgte die Ingenieurausbildung auf verschiedenen offiziellen Niveaus an Fachschulen und Ingenieurhochschulen, Technischen Hochschulen und Universitäten. Heute findet das Studium allein an Fachhochschulen und Unis statt. Das westliche Modell und seine Abschlüsse haben Geltung in der Europäischen Gemeinschaft (Europäische Union), erläutert Piet Hein von der Kultusministerkonferenz. Es wäre aber aussichtslos gewesen, bei den Partnerstaaten für die östlichen Sonderwege Anerkennung zu suchen.

Die vier TUs (Dresden, Chemnitz, Magdeburg, Freiberg) behielten ihren Universitätsstatus und verbreiterten ihr Angebot bis in geisteswissenschaftliche Fächer hinein. Auch die Berliner Humboldt-Universität und die Universitäten in Jena und Rostock bieten nach wie vor Ingenieurwissenschaften an. Unter den sonstigen Hochschulen gab es ein „up- and downgrading“, wie sich Reiner Gatzsch, Professor an der Fachhochschule Erfurt, ausdrückt. Die Technischen Hochschulen in Ilmenau und Cottbus sowie die Hochschule für Architektur und Bauwesen in Weimar wurden titular zu Universitäten erhoben. Andere THs und Ingenieurhochschulen sind heute FHs. Deren Errichtung hielt der Wissenschaftsrat 1991 aus „bildungs- und beschäftigungspolitischen“ Gründen für vordringlicher als einen weiteren Ausbau universitärer Kapazitäten. Betroffene argwöhnen, dass bei den Umwandlungen gelegentlich auch ganz sachfremde Motive mitspielten. So habe wegen der alten Städterivalität zwischen Leipzig (mit seiner Universität) und Dresden (mit seiner TU) aus der TH Leipzig keine weitere Uni, sondern nur eine FH werden können. Immerhin empfahl der Wissenschaftsrat dem Land Sachsen, den hochrenommierten Leipziger Hochschullehrern für das Bauingenieurwesen „die Möglichkeit einer Versetzung an die TU Dresden einzuräumen.“ Offenbar wurde aber niemand versetzt. Alte Wunden aus dem Anfang der 90er Jahre sind inzwischen weitgehend vernarbt, erklären alle Hochschullehrer, denen der Wechsel ins neue System gelungen ist.

 

Ein Beitrag von:

  • Hermann Horstkotte

    Hermann Horstkotte ist freier Journalist und  lehrte als Privatdozent an der RWTH Aachen. In Bonn arbeitet er als Bildungs- und Wissenschaftsjournalist.

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