Weg zum Erfolg 25.03.2026, 10:30 Uhr

100.000 Lebensläufe ausgewertet: Diese Muster führen zu Karriereerfolg

Elite-Uni, Beratung, lückenlose Vita? Laut neuer Studie überschätzt. Was wirklich zählt, passiert in den ersten Berufsjahren.

Lebenslauf-Unterlagen

Der Karriereerfolg beginnt oft früher als gedacht: Nicht der perfekte Lebenslauf, sondern der richtige Einstieg prägt langfristig den Weg nach oben.

Foto: PantherMedia / Ai825

Der perfekte Lebenslauf ist ein Mythos

Was macht einen erfolgreichen Lebenslauf wirklich aus – und braucht es dafür überhaupt den „perfekten“ Werdegang? Eine aktuelle Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf in Zusammenarbeit mit der Masterpiece Executive Search GmbH stellt klassische Karriereannahmen grundlegend infrage.

Der „perfekte Lebenslauf“ gilt seit Jahren als inoffizieller Maßstab für Karriereerfolg: Eliteuniversität, renommierte Strategieberatung, internationale Stationen und eine lückenlose Biografie. Doch dieses Idealbild wird zunehmend hinterfragt – nicht nur in der Praxis, sondern auch durch datenbasierte Analysen.

Die gemeinsame Untersuchung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Masterpiece Executive Search GmbH zeigt, dass Karriereverläufe deutlich komplexer sind, als klassische Ratgeber vermuten lassen. Statt eines einheitlichen Erfolgsmodells existieren wiederkehrende Muster, aber keine universelle Blaupause.

Personalexperte Hagen Schönfeld betont im Gespräch mit ingenieur.de, dass er nicht an den perfekten Lebenslauf glaube. Zwar verfolge man in der Personalberatung natürlich Idealbilder, doch gehe es am Ende des Tages immer darum, die Passung der besonders erfolgreichen Führungskräfte für die Spitze der Unternehmensleitung zu prüfen. Er resümiert: „Es gibt also nicht den einen Karriereweg.“

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Karriere ist kein Zufallsprodukt – aber auch kein Standardmodell

Die Analyse von rund 100.000 Lebensläufen zeigt, dass sich bestimmte strukturelle Faktoren wiederholen, die mit Karriereerfolg korrelieren. Dennoch bedeutet das nicht, dass Karrieren einem starren Schema folgen. Vielmehr handelt es sich um typische Entwicklungspfade, die sich in der Rückschau erkennen lassen – aber nicht zwingend im Voraus planbar sind.

Hagen Schönfeld erklärt dazu, dass ihn die Frage nach festen Messpunkten und KPIs, die eine erfolgreiche Karriere bestimmen, schon lange beschäftigt habe. Er wollte wissen, ob die Menschen an der Spitze ähnliche Steps unternehmen oder einem bestimmten Plan folgen. „Darauf gibt es ein Ja. Es gibt bestimmte Regelmäßigkeiten, wiederkehrende Regelmäßigkeiten, die zu Erfolg führen“, stellt er fest.

Der Lebenslauf wird damit weniger zu einem Dokument der reinen Selbstoptimierung, sondern zu einer Abbildung individueller Entwicklung innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen. Es gehe nicht darum, eine Schablone auszufüllen, sondern innerhalb der vorhandenen Muster die richtigen Impulse zu setzen.

Das Fundament: Warum der erste Job die Karriere-Weichen stellt

Der Einstieg in das Berufsleben ist weit mehr als nur die erste Station im Lebenslauf – er fungiert als struktureller Startpunkt, der den gesamten weiteren Weg prägt. Die Analyse zeigt, dass der organisatorische Rahmen zu Beginn eine kumulative Wirkung entfaltet: Wer in einem weltweit renommierten Umfeld startet, profitiert von einer Art „Sichtbarkeits-Turbo“, der Netzwerke und Lernkurven langfristig prägt.

Dass dieser Vorteil so massiv ausfällt, war selbst für die Experten überraschend. Laut Schönfeld hätten Menschen, die ihre Karriere in einem international bekannten Großkonzern beginnen, einen viereinhalb Mal höheren Erfolgsfaktor. Zwar könne man argumentieren, dass es dort mehr Führungspositionen gebe, doch der Wettbewerb sei ungleich härter als im Mittelstand.

Er führt dazu aus: „Wenn jemand in ein Unternehmen mit einer halben Million Arbeitnehmer eintritt, muss man sich gegen viele Wettbewerber durchsetzen, die den gleichen Posten haben wollen. Das ist ungleich aufwendiger, als wenn man bei einem Mittelständler mit vielleicht 1.000 Mitarbeitern beginnt.“ Dennoch überwiege am Ende der strategische Vorteil der Konzernprägung und der exklusive Zugang zu globalen Entwicklungspfaden.

Personalexperte Hagen Schönfeld sieht im Berufseinstieg einen entscheidenden Hebel für langfristigen Karriereerfolg. Foto: Frank Bauer für Masterpiece

Elite-Unis und Strategieberatungen: Weniger ausschlaggebend als gedacht

Entgegen verbreiteter Annahmen spielen Eliteuniversitäten oder Strategieberatungen keine dominierende Rolle für den langfristigen Karriereerfolg. Stationen bei Unternehmen wie McKinsey & Company sind zwar prestigeträchtig, aber nicht zwingend erforderlich. Ein signifikanter Anteil der Top-Führungskräfte hat keinen Hintergrund in der Strategieberatung.

Schönfeld ordnet die Verteilung ein: „Rund 71 % der Vorstandsvorsitzenden haben eben nicht in einer Strategieberatung begonnen.“ Es gebe das Bild, dass Beratungen der ultimative Gamechanger seien, doch die Studie zeige, dass Karrierewege deutlich heterogener seien. Man könne ebenso gut auf der Unternehmensseite beginnen und durch verschiedene Funktionsbereiche aufsteigen.

Damit wird deutlich, dass es multiple Einstiegspunkte gibt, die in erfolgreiche Laufbahnen münden können.

Karriere entsteht im Verhalten – nicht nur im Lebenslauf

Ein zentraler Gedanke der Analyse ist, dass Karriere nicht allein durch Stationen entsteht, sondern durch das Verhalten innerhalb dieser Stationen. „Erfolgreiche Menschen nutzen die Chancen, die ihnen geboten werden“, so Schönfeld. Dazu gehören zusätzliche Aufgaben, Projektverantwortung, Standortwechsel oder internationale Einsätze.

Diese Schritte sind häufig mit Unsicherheit verbunden, bieten jedoch entscheidende Entwicklungsmöglichkeiten. Wer Verantwortung übernimmt und sich neuen Herausforderungen stellt, erweitert kontinuierlich seine Kompetenzen. Schönfeld erläutert, dass Vorgesetzte ambitionierte Mitarbeiter sähen und ihnen Optionen anböten, die oft Mut erforderten: „Es ist in einem anderen Land, es wäre inhaltlich etwas Neues – wer dann Ja sagt und aus seiner Komfortzone herausgeht, wird überdurchschnittlich erfolgreich sein.“

Karriere wird so zu einem aktiven Prozess. Es gehe darum, Ambition zu zeigen und eine „Lust auf Leistung“ zu entwickeln, die in den letzten Jahren oft negativ kommentiert wurde, aber nach wie vor der Motor für den Aufstieg an die Spitze bleibe.

Re-skilling und die „18-Monate-Regel“

In einer zunehmend dynamischen Arbeitswelt wird die Fähigkeit zur Anpassung zu einem zentralen Erfolgsfaktor. Re-skilling beschreibt dabei die kontinuierliche Erweiterung oder Neuausrichtung von Fähigkeiten. Führungskräfte müssten laut Schönfeld eine unglaubliche Flexibilität mitbringen, da jede Veränderung auch das Risiko des Scheiterns berge.

Besonders erfolgreich seien jene, die sich etwa alle 18 Monate im Jobtitel oder Aufgabenbereich verändern, ohne dabei den Arbeitgeber zu wechseln. Schönfeld warnt ausdrücklich vor zu häufigem Job-Hopping: „Wer alle zwei oder drei Jahre den Arbeitgeber wechselt, zerstört seine Karriere. Man wird als unstet wahrgenommen und es wird unterstellt, dass man gar nicht lange genug da war, um Prozesse nachhaltig zu prägen.“

Erfolgreiche Lebensläufe zeichnen sich durch Beständigkeit aus; im Schnitt wurden nur 2,3 bis 2,6 Arbeitgeberwechsel innerhalb von 15 Jahren gemessen. Es gehe also um Profilerweiterungen innerhalb stabiler Strukturen, um sich fachlich und sozial kontinuierlich weiterzuentwickeln.

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Der „verschlafene Einstieg“ – Aufsteiger aus dem Mittelstand

Nicht jede Karriere beginnt optimal im Großkonzern. Die Studie zeigt jedoch, dass auch spätere Aufholbewegungen möglich sind. Ein kleiner, aber relevanter Anteil von etwa 10 % der Top-Führungskräfte startet in kleineren oder weniger bekannten Unternehmen und arbeitet sich schrittweise nach oben.

Diese „Aufsteigertypen“ müssen laut Schönfeld oft noch offener für neue Kulturen sein und mehr Zeit in Netzwerke investieren. „Interessanterweise haben diese Personen, wenn sie im Vorstand ankommen, eine höhere Wahrscheinlichkeit, Vorstandsvorsitzender zu werden, als ihre Kollegen aus dem Konzern“, erklärt er. Sie hätten auf ihrem Weg nach oben eine enorme Anpassungsfähigkeit unter Beweis stellt.

Allerdings gelte auch hier ein zeitlicher Rahmen. Die Wahrscheinlichkeit für den Sprung ins Executive Level sinke mit der Zeit deutlich; typischerweise erreiche man diese Ebene zwischen Ende 30 und Anfang 40. Wer bis dahin keine entsprechenden Entwicklungsschritte gemacht habe, habe statistisch geringere Chancen.

Ingenieurkarrieren: Sichtbarkeit als Karrierefaktor

Für Ingenieurinnen und Ingenieure zeigt sich ein differenziertes Bild. Während fachliche Exzellenz die Basis bildet, fehle es oft an der notwendigen Kommunikation der eigenen Erfolge. Schönfeld beschreibt die Bescheidenheit vieler Ingenieure als potenziellen Nachteil für den Aufstieg.

Er rät dazu, die eigenen Ergebnisse strategisch mitzuteilen: „Man muss akzeptieren, dass man seine Erfolge kommunizieren muss. Wer Richtung Vorstand will, sollte auch Rollen mit Schnittstellenfunktionen suchen, etwa im Vertrieb oder Projektmanagement, um im Unternehmen bekannt zu werden.“

Sichtbarkeit werde so zu einem zusätzlichen Karrierefaktor, der die fachliche Leistung ergänzt, aber nicht ersetzt. Wichtig bleibe dabei die Authentizität; man dürfe nie die Ergebnisse anderer als Eigenleistung verkaufen, da dies langfristig immer ans Licht komme.

Klare Erfolgsprinzipien statt perfekter Fassade

Die Ergebnisse der Studie belegen: Einen perfekten Lebenslauf gibt es nicht, wohl aber klare Erfolgsprinzipien. Karriere entsteht aus einer Kombination von strukturellem Einstieg, individueller Flexibilität und der Bereitschaft, überdurchschnittliche Anforderungen zu erfüllen.

Hagen Schönfeld fasst zusammen, dass man keine Angst vor der KI haben müsse, wenn man bereit sei, sich einzubringen. „Konzentrieren Sie sich auf Ihre Arbeit, bleiben Sie offen für neue Themen und haben Sie Lust auf Leistung“, lautet seine Botschaft. Der Lebenslauf sei am Ende nur das Abbild eines Prozesses, der von Lernmomenten und mutigen Entscheidungen geprägt ist.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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