ADHS, Autismus und Co. 23.06.2026, 14:00 Uhr

Neurodivergenz am Arbeitsplatz: Wie Unternehmen Ingenieure besser unterstützen können

ADHS, Autismus und andere Formen der Neurodivergenz bleiben im Berufsalltag oft unerkannt. Dabei können gerade Ingenieurinnen und Ingenieure von passenden Arbeitsbedingungen profitieren.

Ein dunkelhaariger Mann hat die Augen geschlossen und hält sich den Kopf. Über ihm sieht man eine Zeichnung von einem wirren Knäuel voller Ideen und Gedanken.

Klare Strukturen, Rückzugsorte und flexible Arbeitsmodelle können neurodivergente Fachkräfte im Arbeitsalltag unterstützen.

Foto: Smarterpix/billiondigital

Im Ingenieurwesen gilt Anderssein oft als Vorteil, solange es produktiv ist. Wer komplexe Systeme schneller durchdringt, stundenlang fokussiert an technischen Lösungen tüftelt oder Muster in Daten und Prozessen erkennt, die anderen entgehen, passt perfekt ins Bild der Innovationskraft.

Doch die Eigenschaften, die Ingenieurinnen und Ingenieure besonders wertvoll machen können, führen unter ungünstigen Bedingungen auch zu Überlastung: Besonders neurodivergente Beschäftigte berichten häufiger von Herausforderungen durch Reizüberflutung, permanente Unterbrechungen oder unklare Kommunikationssituationen.

Niedrigschwellige Selbstscreenings – etwa der WHO-ASRS für ADHS oder Online-Fragebögen wie auf der Plattform IDA Health – ermöglichen eine anonyme und wissenschaftlich basierte Erstorientierung zu Themen wie ADHS, Autismus, Stress oder Burnout.

Stellenangebote im Bereich Bildung, Schulung, Training

Bildung, Schulung, Training Jobs
DMT-Gesellschaft für Lehre und Bildung mbH-Firmenlogo
W2-Professur (m/w/d) für Angewandte Materialwissenschaften DMT-Gesellschaft für Lehre und Bildung mbH
Hochschule für angewandte Wissenschaften München-Firmenlogo
Professur für Thermo-Fluid-Mechanik und naturwissenschaftliche Grundlagen (W2) Hochschule für angewandte Wissenschaften München
München Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
W2-Professur Kommunikation und Moderation (50%) (m/w/d) Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
W2-Professur Technische Mechanik und Systemsimulation (m/w/d) Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
W2-Professur Zellulare Energiesysteme (m/w/d) Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
W2-Professur Integrierte Sensorsysteme (m/w/d) Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
Professur Automatisierungstechnik Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Universität Bayreuth-Firmenlogo
W3-Professur für Chemische Verfahrenstechnik Universität Bayreuth
Bayreuth Zum Job 
Hochschule Angewandte Wissenschaften München-Firmenlogo
Professur für Regelungstechnik sowie Modellbildung und Simulation (W2) Hochschule Angewandte Wissenschaften München
München Zum Job 
Hochschule für angewandte Wissenschaften München-Firmenlogo
Professur für Fertigungstechnik (W2) Hochschule für angewandte Wissenschaften München
München Zum Job 
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences-Firmenlogo
Vertretungsprofessur "Technische Mechanik" Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences
Düsseldorf Zum Job 
Technische Hochschule Bingen-Firmenlogo
W2-Professur (m/w/d) Moderne Antriebstechnik und Maschinenelemente Technische Hochschule Bingen
Hochschule Schmalkalden-Firmenlogo
W2-Professur "Fertigungstechnik" Hochschule Schmalkalden
Schmalkalden Zum Job 
Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten-Firmenlogo
Professur (w/m/d) Analog- und Digitalelektronik Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten
Kempten (Allgäu) Zum Job 
Technische Hochschule Bingen-Firmenlogo
W2-Professur (m/w/d) Digitale Produktentwicklung und Konstruktion Technische Hochschule Bingen
Hochschule Bremen-Firmenlogo
Professur (w/m/d), Bes. Gr. W2 für das Fachgebiet "Simulation und Regelung technischer Systeme" Hochschule Bremen
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences-Firmenlogo
Professur "Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)" Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences
Düsseldorf Zum Job 
Technische Universität Graz-Firmenlogo
Universitätsprofessur für Process Systems Engineering (m/w/d) Technische Universität Graz
Graz (Östereich) Zum Job 
Fachhochschule Münster-Firmenlogo
Professur für "Organische Chemie und Katalyse" (w/m/d) Fachhochschule Münster
Steinfurt Zum Job 
Hochschule Esslingen - University of Applied Sciences-Firmenlogo
Professor:in (W2) für das Lehrgebiet "Klimatechnik" Hochschule Esslingen - University of Applied Sciences
Esslingen Zum Job 

Ingenieurinnen und Ingenieure können besonders betroffen sein

Für neurodivergente Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können solche Belastungen zusätzlich verstärkt werden, wenn Arbeitsumgebungen nicht zu ihrer Art der Informationsverarbeitung passen. Ingenieurinnen und Ingenieure lernen in der Ausbildung früh, Probleme systematisch zu analysieren und fundierte Lösungen zu finden – und neigen dazu, diesen Ansatz auch auf das eigene Befinden anzuwenden.

Sätze wie „Ich bin nur müde“ oder „Wenn ich das nächste Projekt abgeschlossen habe, wird es besser“ klingen dann nach rationaler Einordnung, verzögern aber die Bereitschaft, das Problem als solches anzuerkennen und sich Hilfe zu holen.

Lesen Sie auch: Stressbewältigung im Arbeitsalltag: Was wirklich gegen Überlastung hilft

Im Neurodiversitäts-Ansatz wird Neurodivergenz nicht als Erkrankung verstanden, sondern als neurologische Variante, wenngleich ADHS und Autismus klinisch weiterhin als Störungen klassifiziert sind. Dennoch können ungeeignete Arbeitsbedingungen das Risiko für Stress, Erschöpfung und psychische Belastungen erhöhen.

Besonders bei nicht-diagnostizierten Erwachsenen ist die Hemmschwelle größer, die neurodivergenten Verhaltensweisen als solche anzuerkennen und mit dem Arbeitgeber zu kommunizieren, weil die Sichtbarkeit in vielen Bereichen noch fehlt.

ADHS bei Ingenieuren

Bei ADHS denken viele sofort an hyperaktive, herumrennende Kinder. Bei Erwachsenen äußert sich diese allerdings mit anderen Symptomen und die Hyperaktivität tritt oftmals in den Hintergrund.

In wissensintensiven Berufen können einzelne ADHS-Merkmale wie Hyperfokus oder kreatives Problemlösen dazu beitragen, dass Schwierigkeiten lange kompensiert werden und eine Diagnose erst spät erfolgt. Die Folge: Viele Betroffene entwickeln individuelle Strategien, um Schwierigkeiten im Arbeitsalltag zu kompensieren – etwa durch hohe Selbstdisziplin oder zusätzlichen Arbeitsaufwand.

ADHS äußert sich bei Erwachsenen oftmals mit folgenden Symptomen:

  • Konzentrationsschwierigkeiten bei sich wiederholenden Aufgaben
  • Schwierigkeiten mit langen Dokumentationsprozessen
  • Impulsivität in Entscheidungssituationen
  • Ausgeprägter Hyperfokus bei interessanten Problemen

Viele Betroffene berichten von Phasen intensiver Konzentration auf besonders interessante Aufgaben. Diese können bei technischen Problemstellungen hilfreich sein, gehen jedoch oft zulasten von Pausen, Zeitmanagement oder anderen Verpflichtungen.

Autismus – Moderne Arbeitsumgebungen als Herausforderung

Autismus bringt oftmals außergewöhnliche Stärken mit: tiefes Spezialwissen, systematisches Denken, Detailgenauigkeit, hohe Verlässlichkeit und die Fähigkeit, komplexe Muster in technischen Systemen zu erkennen.

Genauso viele Herausforderungen gibt es aber auch für Betroffene:

  • Soziale Komplexität moderner Arbeitsumgebungen
  • Offene Großraumbüros
  • Ununterbrochene Kommunikation
  • Ständig wechselnde Projektteams
  • Unklare soziale Erwartungen in Meetings und Präsentationen

Viele autistische Fachkräfte berichten, dass soziale Interaktionen und unklare Kommunikationssituationen einen erhöhten Energieaufwand verursachen. Die Ausprägungen unterscheiden sich jedoch stark von Person zu Person. Betroffene betreiben daher oft das tägliche „Masking“: Sie imitieren neurotypische Verhaltensweisen, um soziale Erwartungen zu erfüllen.

Was tun als Arbeitgeber?

Um neurodivergente Fachkräfte zu unterstützen, können Arbeitgeber einige Vorkehrungen treffen, die einen maximalen Unterschied im Arbeitsalltag bewirken können:

  • Flexible Arbeitsorte wie Homeoffice ermöglichen
  • Abgegrenzte Ruhezonen in Großraumbüros einrichten
  • Möglichkeit zum Tragen von Noise-Cancelling-Kopfhörern
  • Asynchrone Kommunikation statt ständiger Meetings
  • Klare Priorisierung von Aufgaben
  • Transparente Erwartungshaltungen
  • Feste Ansprechpartner

Lesen Sie auch: Resilienz-Faktoren für Ingenieure

Hier geht es zur Originalpublikation: Präzision, Verantwortung und Leistungsdruck: Die unterschätzte psychische Belastung von Ingenieurinnen und Ingenieuren

Ein Beitrag von:

  • Anastasia Pukhovich

    Anastasia Pukhovich ist Volontärin beim VDI Verlag. Ihre Tätigkeit beim Max-Planck-Institut für Nachhaltige Materialien weckte ihr Interesse an allen Themen rund um Wissenschaft und Technik. Besonders gerne verfolgt sie journalistisch die Themen Medizintechnik und Karriere.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.