Das Prinzip der Gläsernen Klippe 30.09.2025, 13:30 Uhr

Warum Frauen in Krisenzeiten die Top-Jobs bekommen

Frauen an der Spitze in Krisenzeiten: Chancen, Risiken und die Theorie der Gläsernen Klippe im Überblick.

Frau als Chef n der Krise

Die "Gläserne Klippe": Frauen übernehmen in Krisenzeiten häufiger riskante Führungspositionen – ein Muster in Wirtschaft und Politik.

Foto: PantherMedia / Andriy Popov

Nach Daimler Truck und der Commerzbank setzte auch die Deutsche Bahn in Krisenzeiten erstmals auf eine Frau als Chefin. Wissenschaftler sahen darin ein Muster – und nannten einen klaren Grund.

Hartmut Mehdorn, Rüdiger Grube, Richard Lutz – und jetzt erstmals Evelyn Palla: Die neue Bahn-Chefin bricht die lange Männerreihe an der DB-Spitze. Fachleute sehen darin ein typisches Beispiel für die „Gläserne Klippe“. Die Idee dahinter: Frauen bekommen öfter dann Top-Jobs, wenn Firmen in der Krise stecken – sei es wegen Geldproblemen oder Skandalen. Laut dem Mannheimer BWL-Professor Max Reinwald ist die Chance in solchen Zeiten etwa 50 Prozent höher. Klingt viel, bleibt aber insgesamt gering: Normal sind es nur 5 Prozent, in Krisen immerhin 7,6.

„Die Bahn ist seit Jahren in der Krise. Es ist auch nicht absehbar, dass eine spürbare Besserung sehr schnell eintritt“, zitiert die dpa Reinwald. „Und das Verkehrsministerium war natürlich auch unter Druck und möchte zeigen: ,Okay, wir sind dran, wir ändern da was.’“

Die „Gläserne Klippe“

Die „Gläserne Klippe“ (englisch: Glass Cliff) ist ein Begriff aus der Sozialpsychologie und Organisationsforschung. Er bezeichnet ein Phänomen, bei dem Frauen (und teilweise auch andere Minderheiten) häufiger in Führungspositionen befördert werden, wenn die Organisation oder das Unternehmen sich bereits in einer Krise oder schwierigen Lage befindet.

Das bedeutet:

Stellenangebote im Bereich Bildung, Schulung, Training

Bildung, Schulung, Training Jobs
Technische Hochschule Augsburg-Firmenlogo
Professur (W2) für Nachhaltigkeit und Digitalisierung in Produktionsprozessen Technische Hochschule Augsburg
Augsburg Zum Job 
Hochschule Reutlingen-Firmenlogo
W2-Professur (m/w/x) Energiewirtschaft und Energienetze Hochschule Reutlingen
Reutlingen Zum Job 
OST  Ostschweizer Fachhochschule-Firmenlogo
Professor/in für Integrierte Digitale Systeme OST Ostschweizer Fachhochschule
Rapperswil Zum Job 
DMT-Gesellschaft für Lehre und Bildung mbH-Firmenlogo
Professur (m/w/d) für Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik DMT-Gesellschaft für Lehre und Bildung mbH
DMT-Gesellschaft für Lehre und Bildung mbH-Firmenlogo
W2-Professur (m/w/d) für Angewandte Materialwissenschaften DMT-Gesellschaft für Lehre und Bildung mbH
DMT-Gesellschaft für Lehre und Bildung mbH-Firmenlogo
W2-Professur (m/w/d) für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Finanzwirtschaft und Rechnungswesen DMT-Gesellschaft für Lehre und Bildung mbH
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
W2-Professur Kommunikation und Moderation (50%) (m/w/d) Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
W2-Professur Technische Mechanik und Systemsimulation (m/w/d) Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
W2-Professur Zellulare Energiesysteme (m/w/d) Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
W2-Professur Integrierte Sensorsysteme (m/w/d) Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
Professur Automatisierungstechnik Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Universität Bayreuth-Firmenlogo
W3-Professur für Chemische Verfahrenstechnik Universität Bayreuth
Bayreuth Zum Job 
Hochschule Reutlingen-Firmenlogo
W2-Professur (m/w/x) Energiewirtschaft und Energienetze Hochschule Reutlingen
Reutlingen Zum Job 
Hochschule für angewandte Wissenschaften München-Firmenlogo
Professur für Thermo-Fluid-Mechanik und naturwissenschaftliche Grundlagen (W2) Hochschule für angewandte Wissenschaften München
München Zum Job 
Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden (OTH)-Firmenlogo
Professur (m/w/d) der BesGr. W 2 für das Lehrgebiet Mechatronik Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden (OTH)
Hochschule Angewandte Wissenschaften München-Firmenlogo
Professur für Regelungstechnik sowie Modellbildung und Simulation (W2) Hochschule Angewandte Wissenschaften München
München Zum Job 
Hochschule Osnabrück-Firmenlogo
Professur für Hard- und Software Digitaler Systeme Hochschule Osnabrück
Osnabrück Zum Job 
Hochschule für angewandte Wissenschaften München-Firmenlogo
Professur für Fertigungstechnik (W2) Hochschule für angewandte Wissenschaften München
München Zum Job 
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences-Firmenlogo
Vertretungsprofessur "Technische Mechanik" Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences
Düsseldorf Zum Job 
Technische Hochschule Bingen-Firmenlogo
W2-Professur (m/w/d) Moderne Antriebstechnik und Maschinenelemente Technische Hochschule Bingen
  • Frauen (oder andere unterrepräsentierte Gruppen) werden eher in riskanten Führungsrollen eingesetzt, in denen das Scheitern wahrscheinlicher ist.
  • Dadurch steigt die Gefahr, dass ihre Amtszeit kürzer ist oder sie für das Scheitern verantwortlich gemacht werden.
  • Im Gegensatz dazu übernehmen Männer Führungsrollen statistisch gesehen häufiger in stabilen oder erfolgreichen Phasen.

Der Begriff wurde 2004 von den britischen Psychologinnen Michelle K. Ryan und Alexander Haslam geprägt. Sie stellten fest, dass Frauen nach Unternehmenskrisen eher in den Vorstand berufen wurden – also genau dann, wenn die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns hoch war.

Verwandt ist das mit dem „Gläsernen Deckel“ (Glass Ceiling), der die unsichtbaren Barrieren beschreibt, die Frauen am Aufstieg in Führungspositionen hindern.

Die „Gläserne Klippe“ geht einen Schritt weiter: Selbst wenn Frauen den Aufstieg schaffen, sind sie oft größerem Risiko und mehr Kritik ausgesetzt.

Ein Signal nach außen

Laut Reinwald setzen Unternehmen in der Krise oft auf eine Veränderung, um ein Signal nach außen zu senden. Besonders gut funktioniere das, wenn das Unternehmen zuvor fast nur männliche Chefs hatte – wie bei der Deutschen Bahn.

Der Effekt der „Gläsernen Klippe“ wird zudem stärker, je sichtbarer ein Unternehmen in den Medien ist: Je mehr Aufmerksamkeit ein Unternehmen bekommt, desto deutlicher zeigt sich dieser Effekt.

Gläserne Klippe: Studie zu Führungswechseln

Reinwald und zwei Kollegen von der Universität Konstanz haben 26.156 Führungswechsel in börsennotierten US-Unternehmen zwischen 2000 und 2016 untersucht. Nur 7,4 Prozent dieser Wechsel betrafen Frauen. Trotz des geringen Anteils sei das Ergebnis aufgrund der großen Datenmenge aussagekräftig, sagt Reinwald. Er geht davon aus, dass die Ergebnisse grundsätzlich auch auf Deutschland übertragbar sind.

Die Vermutung, dass Unternehmen Frauen nur deshalb ernennen, weil Männer in Krisen nicht übernehmen wollen, hält Reinwald für unwahrscheinlich. „Ich würde mal vermuten, dass es bei der Bahn einige Männer gegeben hat, die bereitgestanden wären.“

Wirkung hängt vom gesellschaftlichen Kontext ab

Jürgen Wegge, Arbeits- und Organisationspsychologe an der Technischen Universität Dresden, sieht das Phänomen der Gläsernen Klippe auch in Deutschland. Allerdings sei der Effekt abhängig vom gesellschaftlichen Umfeld. In den Jahren 2011 bis 2015, als in den Medien viel über Frauenquoten und Frauen in Führungspositionen berichtet wurde, sei der Effekt schwächer gewesen. Wegge erklärt, dass die Ernennung einer Frau in dieser Zeit nicht mehr dieselbe Signalwirkung gehabt habe, um zu zeigen, dass ein Unternehmen aus der Krise Veränderungen vorantreibt.

Weitere Erklärung für die Gläserne Klippe

Die Organisation „Frauen in die Aufsichtsräte“ (Fidar) sieht einen weiteren möglichen Grund für die Gläserne Klippe: „In Krisensituationen müssen oft harte Entscheidungen getroffen werden, die sich auch gegen die etablierten Strukturen im Unternehmen richten“, kommentierte Präsidentin Anja Seng. „Vielleicht traut man Frauen eine Sanierung eher zu, weil sie weniger in diese bestehenden und gegebenenfalls hemmenden Netzwerke eingebunden sind.“

Die Theorie der Gläsernen Klippe gibt es schon seit 20 Jahren. Laut Reinwald ist unklar, wie Frauen in Krisensituationen langfristig abschneiden. Studien zeigen jedoch, dass Frauen in solchen Positionen oft deutlich kürzer im Amt bleiben als ihre männlichen Kollegen. „Wenn dann eine Frau sozusagen von der Gläsernen Klippe stürzt, dann folgte meistens wieder ein Mann nach“, sagte der Experte. (mit dpa)

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.