Kolumne: Maschinendesign 08.04.2026, 15:30 Uhr

Die Maschine entscheidet nicht mehr über den Markt

Im Vorfeld der Hannover Messe redet Maschinendesigner Jürgen Schmid den Maschinenbauern ins Gewissen: Es zählt nicht die einzelne Maschine, es zählt das Produktionssystem.

industriearbeiter durch eine große zahnradachse gesehen

Produktionssysteme machen den Unterschied. Einzelne Maschinen garantieren keinen Erfolg.

Foto: PantherMedia / christian lagerek

Industrielle Unternehmen gehören zu den großen Erfolgsgeschichten Europas. Über Jahrzehnte galt ein klarer Maßstab: Wer die bessere Maschine baut, gewinnt.

Doch dieser Maßstab verschiebt sich.

Nicht weil Maschinen schlechter werden. Im Gegenteil: Präzision, Automatisierung und Software entwickeln sich rasant. Aber in vielen Industrien entsteht eine neue Ebene des Wettbewerbs.

Nicht die Maschine entscheidet über den Erfolg, sondern das Produktionssystem

Die entscheidende Frage lautet immer seltener: Wer baut die bessere Maschine? Sondern sie lautet immer häufiger: Wer definiert das Produktionssystem?

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Man kann diese Entwicklung bereits in mehreren Industrien beobachten. In der Halbleiterfertigung etwa entscheidet längst nicht mehr die einzelne Maschine über den Wettbewerb, sondern die Architektur kompletter Produktionslinien. Ähnliches gilt für Batteriefabriken, automatisierte Logistikzentren oder moderne Verpackungs- und Produktionssysteme.

Wer die Architektur bestimmt, bestimmt die Spielregeln

Der Wettbewerb verschiebt sich von einzelnen Maschinen hin zu integrierten Produktionsarchitekturen. Maschinen, Software, Daten, Automatisierung und Service verschmelzen zu industriellen Systemen. Wer diese Architektur bestimmt, bestimmt auch Schnittstellen, Integrationslogik und oft die wirtschaftlichen Spielregeln.

Welche Rolle nimmt das Unternehmen ein?

Das hat Folgen für industrielle Unternehmen. Wer Teil eines Systems wird, das andere definieren, bleibt technologisch relevant – verliert aber einen Teil seiner strategischen Gestaltungsmacht. Das muss kein Problem sein. Viele Unternehmen werden weiterhin erfolgreich Produkte verkaufen. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Welche Rolle nehmen sie im System ein?

Wie ein Unternehmen seine Rolle finden kann

Nicht jedes Unternehmen kann ein komplettes Produktionssystem entwickeln. Gerade mittelständische Unternehmen haben dafür oft weder die Größe noch die Ressourcen. Doch auch für sie gibt es strategische Optionen.

Ein Unternehmen kann:

  • Systemarchitekt sein und die Struktur eines Produktionssystems prägen.
  • Schlüsseltechnologien liefern, ohne die ein System nicht funktioniert.
  • Integrationskompetenz besitzen und verschiedene Technologien zu funktionierenden Lösungen verbinden.

Maschinenbau steht vor strategischer Frage

Was langfristig schwierig wird, ist eine andere Rolle: austauschbare Lieferanten innerhalb fremder Systeme. Diese Position entsteht häufig nicht durch falsche Technologie, sondern durch fehlende Klarheit über die eigene Rolle im industriellen System.

Der Maschinenbau steht deshalb vor einer strategischen Frage: Bleibt er Anbieter einzelner Lösungen – oder gestaltet er die Architektur industrieller Systeme? Nicht jedes Unternehmen muss Systemarchitekt werden. Aber jedes Unternehmen muss entscheiden, welche Rolle es im System einnehmen will. Denn der Wettbewerb der Zukunft entscheidet sich immer seltener am einzelnen Produkt, sondern an der Architektur des Systems, in dem das Unternehmen arbeitet.

Ein Beitrag von:

  • Jürgen Schmid

    Jürgen Schmid ist Inhaber von Jürgen Schmid Maschinendesign. Seine Kunden kommen aus der ganzen Welt. Sein Unternehmen ist mit 200 internationalen Awards ausgezeichnet worden. Zu Schmids Innovationen gehören die Erfindung des Mini-Akkuschraubers und d…

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