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Wie Bewerbende auf Gendersprache reagieren

15. Januar 2026

Beispiel Gendersprache
Jobanzeigen richtig formulieren: Gendersprache polarisiert – doch was denken die Bewerbenden wirklich? Foto: Smarterpix/keport
Gendergerechte Formulierungen in Jobangeboten sorgen für Aufmerksamkeit – aber wie reagieren Bewerbende darauf? Die Antwort ist komplexer, als es auf den ersten Blick scheint.
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Gendern in Stellenanzeigen bleibt umstritten. Immer mehr Jobsuchende reagieren ablehnend auf gendergerechte Formulierungen wie das Gendersternchen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Königsteiner Gruppe, für die das Marktforschungsinstitut bilendi bundesweit 1028 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer befragt hat.

Ob in der Schreibweise „Ingenieur (m/w/d)“, „Ingenieur*in“ oder ganz ohne Zusatz – mit Gendersprache wird in Stellenanzeigen bewusst gespielt, um möglichst alle Bewerbenden anzusprechen. Ziel ist es, Offenheit und Vielfalt zu signalisieren.

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Jung offener, alt skeptischer: Wie Generationen auf Gendern reagieren

Laut der Untersuchung lehnen inzwischen 53 % der Bewerbenden gegenderte Sprache in Stellenanzeigen ab. Das sind 8 Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren. Nur noch 18 % sprechen sich aktuell für eine geschlechterneutrale Sprache aus – ein Rückgang um 7 Prozentpunkte.

Besonders kritisch sieht die Generation 50plus das Gendern in Jobanzeigen. Lediglich 10 % befürworten es, während 59 % nach eigenen Angaben maskuline Formulierungen bevorzugen. Etwas aufgeschlossener zeigen sich jüngere Menschen zwischen 18 und 29 Jahren: In dieser Altersgruppe liegt die Zustimmung bei 35 %. Dennoch lehnt auch hier fast die Hälfte (46 %) gendergerechte Sprache bei der Jobsuche ab.

Wenn Stellenanzeigen vor Gericht landen

Dass das Weglassen gendergerechter Zusätze in Stellenanzeigen rechtliche Konsequenzen haben kann, zeigte ein viel beachteter Fall, der 2025 durch die Medien ging. Eine Transperson aus Dortmund klagte wiederholt gegen Unternehmen, deren Jobanzeigen aus ihrer Sicht nicht diskriminierungsfrei formuliert waren – etwa weil der Zusatz (m/w/d) fehlte.

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Nach Absagen reichte sie Klage ein und bekam von Arbeitsgerichten regelmäßig Entschädigungen zugesprochen. Die Begründung: Bereits die Ausschreibung könne gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verstoßen, unabhängig von Qualifikation oder Auswahlentscheidung.

Besonders bekannt wurde der Fall einer Hattinger Unternehmensgruppe, die eine Disponentenstelle ausgeschrieben hatte und dabei den Zusatz (m/w/d) vergaß. Obwohl das Unternehmen angab, Vielfalt ausdrücklich zu leben und die Absage allein aus fachlichen Gründen erfolgt sei, kam es zur Klage. Recherchen ergaben später, dass die klagende Person bereits mehrere Hundert ähnliche Verfahren angestrengt hatte – mit mutmaßlichen Entschädigungszahlungen von insgesamt über 250.000 €. Die Arbeitsgerichte sehen darin bislang keinen Rechtsmissbrauch. Für Unternehmen ist der Fall ein Warnsignal: Auch formale Fehler in Stellenanzeigen können teuer werden.

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Wie kommt Gendersprache bei Bewerbenden an?

Die Studie zeigt: Die Meinungen zur Gendersprache in Stellenanzeigen gehen quer durch alle Gruppen – und sind alles andere als eindeutig. Neben dem Alter spielt auch der Bildungsgrad eine Rolle. Unter Akademikerinnen und Akademikern befürworten 23 % gendergerechte Formulierungen, bei Nichtakademikerinnen und Nichtakademikern sind es nur 16 %. Deutlich größer ist in beiden Gruppen allerdings die Skepsis: Rund die Hälfte lehnt Gendersprache grundsätzlich ab (52 % bei Akademikerinnen und Akademikern, 54 % bei Nichtakademikerinnen und Nichtakademikern).

Überraschend sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männer stehen dem Gendern nicht nur offener gegenüber, sie reagieren auch ablehnender als Frauen. Während 21 % der Männer Gendersprache in Stellenanzeigen befürworten, sind es bei den Frauen lediglich 15 %. Gleichzeitig lehnen 56 % der Männer gegenderte Formulierungen ab – bei den weiblichen Befragten sind es 51 %. Gendersprache polarisiert also vor allem eines: die Bewerbenden selbst.

Warum viele Bewerbende Gendern ablehnen

Die Studie zeigt auch, warum gendergerechte Sprache in Stellenanzeigen für viele ein Reizthema ist. Wer das Gendern ablehnt, fühlt sich vor allem von der anhaltenden Debatte ermüdet: 74 % empfinden die Diskussion rund um Gendersprache als schlicht „nervig“. Zudem bemängeln 43 % den schlechteren Lesefluss in gegenderten Texten.

Die Minderheit der Befürworterinnen und Befürworter sieht das Thema dagegen deutlich positiver. Für 18 % steht Gendersprache für eine offene und moderne Unternehmenskultur. 82 % von ihnen verbinden gegenderte Stellenanzeigen mit Vielfalt und Diversität. Knapp die Hälfte (48 %) hält diese Formulierungen für zeitgemäß, 29 % betonen, dass sich dadurch niemand ausgeschlossen fühlen müsse.

Für die Studie ließ die Königsteiner Gruppe das Kölner Marktforschungsinstitut bilendi bundesweit 1028 berufstätige Personen befragen. Alle Teilnehmenden hatten sich in den vergangenen zwölf Monaten auf einen Job beworben. Die Erhebung fand im August 2025 statt.

Unter den Befragten waren 48 % Männer und 52 % Frauen, das Durchschnittsalter lag bei 43,5 Jahren. Rund zwei Drittel (68 %) arbeiteten in Vollzeit, etwa ein Drittel (32 %) in Teilzeit.

Wie kann man in Jobanzeigen gendern

Unternehmen haben verschiedene Möglichkeiten, Stellenanzeigen gendergerecht zu formulieren. Klassisch ist der Zusatz (m/w/d) für „männlich/weiblich/divers“, alternativ können Rollenbezeichnungen mit dem Gendersternchen (z. B. „Ingenieur*in“) oder dem Unterstrich („Mitarbeiter_in“) geschrieben werden. Eine weitere Möglichkeit ist die geschlechtsneutrale Formulierung, etwa „Teamleitung“ statt „Teamleiter“ oder „Mitarbeitende“ statt „Mitarbeiter“. Wichtig ist, dass die Sprache verständlich bleibt und Bewerbende sich angesprochen fühlen – so signalisiert die Anzeige Offenheit und Vielfalt, ohne den Lesefluss zu erschweren.



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