89 % der Arbeitgeber werben mit Innovation – Beschäftigte sehen das anders
Arbeitskultur im Realitätscheck: kununu zeigt, warum Innovation, Karriere und Flexibilität bei Beschäftigten oft hinter Arbeitgeberversprechen zurückbleiben.
Innovation, Karriere und Flexibilität gehören zu den häufigsten Versprechen von Arbeitgebern – doch Beschäftigte erleben diese Werte im Arbeitsalltag längst nicht immer.
Foto: Smarterpix/DragosCondreaW
Innovativ wollen fast alle sein. 89 % der von kununu untersuchten Arbeitgeber stellen Innovation und Transformation in ihrer Kommunikation heraus. Doch in den Kulturbewertungen der Beschäftigten taucht davon deutlich weniger auf: Nur 28 % nennen Werte wie „Neue Dinge ausprobieren“ oder „Visionär sein“.
Die Lücke ist mehr als ein Problem des Employer Brandings. Unternehmen investieren derzeit massiv in Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz. Doch technische Transformation funktioniert nur dann dauerhaft, wenn Beschäftigte neue Werkzeuge ausprobieren, Prozesse hinterfragen und Veränderungen mittragen können.
Genau hier setzt das kununu Kulturecho an. Die Auswertung vergleicht, welche Kulturwerte 1093 Arbeitgeber nach außen betonen und welche Merkmale Beschäftigte ihrem Arbeitsalltag tatsächlich zuordnen. Grundlage sind rund 355.000 Kulturbewertungen aus dem Zeitraum vom 1. Januar 2020 bis zum 31. März 2026.
Inhaltsverzeichnis
- Innovation wird häufig beworben – in den Bewertungen deutlich seltener genannt
- Auch Karriere gehört fast überall zum Arbeitgeberversprechen
- Auch bei Work-Life-Balance klafft eine Lücke
- Teamgeist wird wesentlich häufiger bestätigt
- Bei Transparenz liegen die Beschäftigten sogar vorn
- Was die Zahlen für die technologische Transformation bedeuten

Innovation wird häufig beworben – in den Bewertungen deutlich seltener genannt
Besonders groß ist der Abstand bei Innovation und Transformation. 89 % der untersuchten Arbeitgeberprofile greifen diese Themen auf. Unter den Kulturbewertungen nennen dagegen 28 % Werte wie „Neue Dinge ausprobieren“ oder „Visionär sein“.
Damit entsteht eine deutliche Lücke zwischen dem Bild, das Unternehmen nach außen vermitteln, und den Kulturmerkmalen, die Beschäftigte hervorheben.
Für Unternehmen ist das gerade angesichts der digitalen Transformation relevant. Künstliche Intelligenz und Automatisierung verändern Prozesse, Tätigkeiten und teilweise ganze Berufsbilder. Ob Beschäftigte neue Technologien tatsächlich ausprobieren, bestehende Abläufe hinterfragen und eigene Erfahrungen einbringen können, hängt dabei auch von der Unternehmenskultur ab.
Vertrauen und Freiräume können dafür wichtige Voraussetzungen sein. In der Arbeitgeberkommunikation werden sie allerdings deutlich seltener hervorgehoben als Innovation selbst: 52 % der untersuchten Unternehmen nennen Vertrauen und Freiraum.
Dario Wilding, Head of External Communications bei kununu, sieht darin eine Verbindung zur Wettbewerbsfähigkeit:
„Wie gut Deutschland wirtschaftlich für die Zukunft aufgestellt ist, entscheidet sich auch an der Kultur in den Unternehmen. Eine tragfähige Innovationskultur ist ein wichtiger Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Doch Innovation beginnt nicht mit der Einführung einer neuen Technologie, sondern mit der Kultur, in der sie eingesetzt wird.“
Die kununu-Auswertung kann allerdings nicht zeigen, ob Unternehmen mit einer größeren Differenz tatsächlich weniger innovativ sind oder Transformationsprojekte schlechter umsetzen. Sie misst weder Innovationsleistung noch den Erfolg von KI-Projekten. Sichtbar wird zunächst nur, dass Innovationsversprechen in den Arbeitgeberprofilen deutlich häufiger vorkommen als entsprechende Kulturwerte in den Bewertungen.
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Auch Karriere gehört fast überall zum Arbeitgeberversprechen
Noch häufiger als Innovation wird berufliche Entwicklung kommuniziert. Mehr als 95 % der untersuchten Arbeitgeberprofile werben mit Karriere, Entwicklungsmöglichkeiten oder beruflichen Perspektiven.
Passende Kulturwerte wie „Mitarbeiter fördern“ oder „Neue Herausforderungen haben“ finden sich dagegen in 34 % der Kulturbewertungen.
Auch hier gilt: Daraus lässt sich nicht ableiten, dass lediglich ein Drittel der Beschäftigten Entwicklungsmöglichkeiten besitzt. Die Zahlen zeigen vielmehr, dass entsprechende Kulturmerkmale deutlich seltener genannt werden, als Unternehmen diese Themen in ihrer Außendarstellung hervorheben.
Für Fachkräfte in technischen Berufen ist dieser Punkt besonders relevant. Neue Technologien, veränderte Produktionsprozesse und KI-Anwendungen sorgen dafür, dass sich Tätigkeitsprofile schneller verändern. Weiterbildung und die Möglichkeit, neue Aufgaben zu übernehmen, werden damit wichtiger.
Bei der Arbeitgeberwahl lohnt deshalb ein Blick hinter Begriffe wie „Entwicklungsmöglichkeiten“. Aussagekräftiger ist, ob Weiterbildungen tatsächlich während der Arbeitszeit möglich sind, Beschäftigte neue Verantwortungsbereiche übernehmen können oder interne Karrierewege existieren.
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Auch bei Work-Life-Balance klafft eine Lücke
Ein ähnliches Muster zeigt sich bei Work-Life-Balance und Flexibilität. Mehr als 73 % der Arbeitgeberprofile betonen entsprechende Angebote. In rund 39 % der Kulturbewertungen werden dazu passende Werte genannt.
Auch diese Differenz ist nicht automatisch Beleg dafür, dass Unternehmen ihre Versprechen nicht einhalten. Ein flexibles Arbeitsmodell kann beispielsweise offiziell bestehen, ohne dass Beschäftigte es als prägendes Merkmal der Unternehmenskultur wahrnehmen.
Die Auswertung zeigt deshalb vor allem einen Unterschied zwischen Arbeitgeberkommunikation und wahrgenommener Kultur.
Teamgeist wird wesentlich häufiger bestätigt
Nicht bei allen Themen fällt die Lücke ähnlich groß aus. Besonders nah liegen Arbeitgeberkommunikation und Bewertungen bei der Teamkultur.
93 % der Arbeitgeberprofile werben mit Teamgeist, Zusammenhalt oder Zusammenarbeit. 53 % der Nutzerinnen und Nutzer nennen dazu passende Kulturwerte wie „Kollegen helfen“, „Sich kollegial verhalten“, „Für sein Team arbeiten“ oder „Kooperieren“.
Damit ist die Teamkultur der am häufigsten genannten der untersuchten Kulturwerte.
Der Vergleich zeigt, dass die Unterschiede zwischen Außendarstellung und Mitarbeiterwahrnehmung stark vom jeweiligen Thema abhängen. Bei Karriere und Innovation fällt der Abstand wesentlich größer aus als bei Zusammenarbeit und Teamgeist.
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Bei Transparenz liegen die Beschäftigten sogar vorn
Eine Ausnahme bildet die Transparenz. Sie ist der einzige untersuchte Wert, den Beschäftigte häufiger nennen, als Unternehmen ihn in ihren Profilen hervorheben.
28 % der Nutzerinnen und Nutzer verbinden ihren Arbeitgeber mit „offen und transparent informieren“. Nur 23 % der Arbeitgeberprofile werben ausdrücklich mit diesem Wert.
Die Differenz funktioniert damit auch in die andere Richtung: Unternehmen können Kulturmerkmale offenbar stärker leben, als sie sie in ihrer Arbeitgeberkommunikation betonen.
Was die Zahlen für die technologische Transformation bedeuten
Für die Einführung neuer Technologien liefern die Zahlen vor allem einen Hinweis: Zwischen dem Anspruch, innovativ zu sein, und einer Kultur, in der Beschäftigte Innovation wahrnehmen, kann ein deutlicher Abstand bestehen.
Gerade bei KI-Projekten dürfte die technische Einführung deshalb nur ein Teil der Aufgabe sein. Beschäftigte müssen neue Systeme kennenlernen, Arbeitsabläufe verändern und teilweise neue Kompetenzen entwickeln. Dafür benötigen Unternehmen nicht nur geeignete Software und Infrastruktur, sondern auch organisatorische Rahmenbedingungen.
Die kununu-Auswertung beantwortet allerdings nicht, welche Unternehmenskultur tatsächlich den größten Einfluss auf erfolgreiche Transformation hat. Sie zeigt lediglich, wo Kommunikation und wahrgenommene Kultur auseinanderliegen.
Hinzu kommt eine weitere Einschränkung: Untersucht wurden nur Arbeitgeberprofile mit mindestens 100 Kulturangaben auf kununu. Die Ergebnisse sind deshalb nicht repräsentativ für sämtliche Unternehmen in Deutschland. Kleinere Betriebe oder Unternehmen mit wenigen Bewertungen sind in dieser Auswahl nicht enthalten.
Trotzdem liefert der Vergleich einen interessanten Realitätscheck für Arbeitgeber. Gerade bei Begriffen wie Innovation, Karriere oder Flexibilität reicht es nicht, sie prominent auf einer Karriereseite zu platzieren. Entscheidend für Beschäftigte ist, ob sie entsprechende Bedingungen im Arbeitsalltag tatsächlich wahrnehmen.
Für Fachkräfte gilt deshalb umgekehrt: Arbeitgeberversprechen sind ein erster Anhaltspunkt. Aussagekräftiger sind konkrete Hinweise darauf, wie Weiterbildung organisiert ist, wie viel Freiraum Beschäftigte bei neuen Projekten haben und wie Unternehmen Veränderungen tatsächlich umsetzen.
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