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Bau

In diesen Abwasserrohren aus Beton sollen Menschen wohnen

26. Januar 2018

Baulücke
Baulücken lassen sich mit den Betonröhren als Wohnraum nutzen. Foto: James Law Cybertecture
Tausende von Menschen in Hongkong könnten in Zukunft in Betonröhren wohnen. Bezahlbarer Wohnraum ist in der 7-Millionen-Metropole Hongkong so knapp, dass der Architekt James Law vorgeschlagen hat, große Betonröhren in Kleinstwohnungen umzubauen. Die Röhren werden normalerweise für die Abwasserkanäle der Stadt genutzt und sind 2,5 m hoch. Clever ausgebaut bieten sie 9,29 m² Wohnraum.
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Die Vorstellung ist zunächst irritierend: Wohnen in einer Betonröhre, die normalerweise für Abwasserkanäle hergestellt wird? Man könnte sich an die rundlichen Hobbit-Höhlen erinnert fühlen, aber der Vorschlag von Architekt James Law hat einen ernsten Hintergrund. Hongkong hat sieben Millionen Einwohner, eine massive gesellschaftliche Ungleichheit und ein riesiges Wohnungsproblem. Jedenfalls, was preiswerten Wohnraum betrifft.

Lange Wartezeiten auf preiswerten Wohnraum

Das zentral gelegene Viertel Mongkok zum Beispiel, in dem über 130.000 Einwohner pro km² leben, gehört zu den am dichtest besiedelten Flecken der Erde. Insgesamt warten etwa 220.000 Menschen auf eine subventionierte Sozialwohnung. Darunter sind viele der sogenannten „Cage People“, über deren unmenschliche Wohn- und Lebenssituation in den letzten Jahren häufig berichtet worden ist. Sie leben in sogenannten Käfigwohnungen, die in normale Appartements eingebaut wurden. Die hölzernen oder vergitterten Verschläge sind jeweils zwei Quadratmeter groß und kosten umgerechnet etwa 200 Euro.

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James Law, dessen Architekturbüro Cybertexture ebenfalls in Hongkong ansässig ist, hat für seine Röhrenwohnung in Anlehnung an die runde Form die Bezeichnung OPod gefunden. Es sei eine preiswerte und experimentelle Mikro-Wohneinheit, mit der er Hongkongs Mangel an bezahlbarem Wohnraum etwas lindern könne, sagt Law. Den ersten Prototyp stellte der Architekt im Dezember 2017 auf einer Designmesse in Hongkong vor.

Zwei Betonröhren ergeben Wohn- und Schlafzimmer, Küche und Bad

Die Hülle des Hauses besteht also aus einem stabilen, preiswerten und massenhaft hergestellten Betonrohr mit einem Durchmesser von 2,5 m. Normalerweise werden diese Rohre metertief unter der Stadt im Abwassersystem verbaut. Um daraus ein Mikro-Appartement zu machen, wird eine Bodenplatte verlegt und eine Tür eingesetzt.

Das Innere muss natürlich besonders effektiv und platzsparend ausgebaut werden. Deshalb ist das Sofa zugleich ein Bett mit Stauraum, Regale können verschoben werden, die Leselampe ist beweglich und flexibel einsetzbar. Zusätzlich gibt es an mehreren Stellen eine fluoreszierende Beleuchtung, die die Röhre illuminiert und größer wirken lässt.

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In einer zweiten Röhre, die mit dem Wohnraum verbunden ist, befinden sich äußerst platzsparend eine Miniküche mit einem kleinen Kühlschrank und der kleinsten Mikrowelle, die am Markt erhältlich ist. Ein Bad gibt es auch, Dusche und Toilette sind in einer gefliesten Kabine untergebracht. Die Wohnung misst genau 9,29 m².

Temporäre Aufstellung zwischen Gebäuden oder in Durchgängen

James Law könnte sich vorstellen, dass die OPods an Orten in der Stadt aufgestellt werden, die für herkömmliche bauliche Konstruktionen problematisch sind, etwa zwischen anderen Gebäuden oder in schmalen Durchgängen. Die Röhren können, wenn die unterste Reihe fest verankert ist, einfach aufeinander gestapelt werden, ohne eine zusätzliche stabilisierende Konstruktion. Den Zugang könnte man über einfache Metalltreppen herstellen.

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Der Architekt sieht seine Wohnröhren als temporäre Lösung, zum Beispiel für Menschen, die auf den Umzug in eine Sozialwohnung warten. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt etwa drei Jahre. Theoretisch könnten die OPods auch dauerhaft bewohnt werden, meint Law. Aber das sei nicht ideal, denn die Röhren seien „sehr, sehr klein“.

OPod als gemeinnütziges Projekt

Sie sind sogar noch kleiner als zum Beispiel Schiffscontainer, die ebenfalls für temporäre Wohnprojekte umgerüstet werden und das Architekturbüro CRG sogar zu Hochhäusern stapeln will.

Allerdings koste die Umrüstung von Containern etwa doppelt so viel wie für eine Betonröhre, für die Law mitsamt Umbau etwa 15.000 US-Dollar veranschlagt. Der Entwurf des OPod ist für den Architekten ein gemeinnütziges Projekt. „Falls eine andere Organisation diese Idee weiterführen will, unterstütze ich sie gerne.“



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