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Hochbrücke Horb erreicht kritische Phase: Jetzt tragen die Seile die Last

27. März 2026

Seilmontage Hochbrücke Horb
Einbau der Schrägseile an der Hochbrücke Horb: Präzisionsarbeit im Schrägseilbrückenbau mit hochfesten Materialien und komplexer Vorspanntechnik. Foto: PORR
Mit dem Beginn der Schrägseilmontage erreicht die Hochbrücke Horb eine zentrale Bauphase. Hochfeste Stahllitzen, präzise Vorspanntechnik und komplexe Bauzustände prägen den modernen Schrägseilbrückenbau über dem Neckartal.
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Die Hochbrücke Horb zählt zu den anspruchsvollsten laufenden Infrastrukturprojekten in Süddeutschland. Im Auftrag des Regierungspräsidiums Karlsruhe realisiert, schreitet der Bau dieses Großbauwerks kontinuierlich voran. Einen entscheidenden Meilenstein stellt dabei der Beginn des Einbaus der Schrägseile Ende Februar 2026 dar – eine Bauphase mit zentraler Bedeutung für Tragverhalten, Bauzustände und Dauerhaftigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Zentrale Verkehrsverbindung mit großer regionaler Bedeutung

Die neue Brücke überspannt das tief eingeschnittene Neckartal und wird künftig den Verkehr der Bundesstraße 32 leistungsfähig an der Stadt Horb am Neckar vorbeiführen. Mit einer Gesamtlänge von rund 667 m, einer maximalen Höhe von bis zu 90 m sowie drei V-förmigen Stahlbetonpylonen zählt das Bauwerk zu den größten Schrägseilbrücken in Baden-Württemberg.

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Bauchronik – vom Spezialtiefbau zum Überbau

Der Bau begann im südlichen Abschnitt mit umfangreichen Spezialtiefbauarbeiten. Großbohrpfähle mit Durchmessern bis zu 1,50 m und Tiefen von rund 44 m gewährleisten die sichere Lastabtragung in den Baugrund. Parallel erfolgte die Erschließung des nördlichen Bereichs, sodass die Überbauarbeiten frühzeitig vorbereitet werden konnten.

Ein früher Meilenstein war der Aufbau des bodengestützten Traggerüsts, das die abschnittsweise Herstellung des Überbaus ermöglichte. Ab Frühjahr 2024 wurden sukzessive Überbauabschnitte mit Stahlquerträgern, Grobblechen und Bewehrung hergestellt. Diese Bauweise erlaubte eine kontrollierte Lastentwicklung und minimierte bauzeitliche Verformungen.

Im Jahr 2025 folgte die Fertigstellung der ersten Pylone. Parallel wurden in den künftigen Seilzonen massive Stahlbauteile montiert. Unter Einsatz eines rund 700-Tonnen-Raupenkrans wurden bis zu 60 m lange Grobbleche mit hoher Maßgenauigkeit eingebaut – eine zwingende Voraussetzung für die spätere Seilmontage.

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Technischer Fokus: Schrägseile – Konstruktion, Materialien und Montageverfahren

Mit dem Einbau der Schrägseile beginnt die statisch prägendste Phase des Projekts. Die Hochbrücke Horb wird als klassische Schrägseilbrücke mit harfenförmiger Seilanordnung ausgeführt. Die Schrägseile übernehmen die vertikalen Eigen- und Verkehrslasten des Überbaus und leiten diese direkt in die Pylone ein, wodurch große Spannweiten mit vergleichsweise schlanken Querschnitten realisiert werden können.

Aufbau und Materialien

Die eingesetzten Schrägseile bestehen aus hochfesten, einzeln korrosionsgeschützten Stahllitzen (typischerweise 7-drähtige Spannstähle). Jede Litze ist einzeln mit einer PE-Ummantelung versehen und zusätzlich mit Korrosionsschutzwachs oder -fett gefüllt. Die Bündelung mehrerer Litzen erlaubt eine feine Abstufung der Tragfähigkeit je Seil und erleichtert spätere Inspektionen oder den Austausch einzelner Litzen.

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Die äußere HDPE-Hülle dient nicht nur dem Korrosionsschutz, sondern auch der Reduktion von Schwingungsanfälligkeiten durch Regen-Wind-Induktion. Ergänzend kommen Schwingungsdämpfer (zum Beispiel hydraulische oder viskose Systeme) im Bereich der Seilanschlüsse zum Einsatz.

Montageablauf und Vorspanntechnik

Die Montage erfolgt abschnittsweise im Freivorbau. Zunächst werden die Seile mit Hilfskonstruktionen vom Überbau zum Pylon geführt und in den vorgesehenen Ankerkästen fixiert. Die Verankerung erfolgt über kraftschlüssige Keilankersysteme, die eine exakte Kraftübertragung ermöglichen.

Anschließend werden die Schrägseile schrittweise vorgespannt. Die Vorspannkräfte werden dabei exakt nach Bauzustandsberechnungen aufgebracht, um:

  • Überbauverformungen zu kontrollieren,
  • Zwängungen zu minimieren,
  • die geplante Endgeometrie sicherzustellen.

Die Spannarbeiten erfolgen mit hydraulischen Pressen, wobei Dehnwege und Kräfte kontinuierlich überwacht und dokumentiert werden. Temperatur, Kriech- und Schwindeffekte des Betons sowie die schrittweise Aktivierung weiterer Seile werden bereits während der Montage berücksichtigt.

Bedeutung für Statik und Dauerhaftigkeit

Die Schrägseile definieren maßgeblich das Tragverhalten der gesamten Brücke. Ihre präzise Abstimmung beeinflusst:

  • Eigenfrequenzen und Schwingungsverhalten,
  • Langzeitverformungen,
  • Ermüdungssicherheit unter Verkehrslasten.

Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Planung, Materialqualität, Montagegenauigkeit und Überwachung.

Ausblick und ingenieurtechnische Bedeutung

Mit dem fortschreitenden Einbau der Schrägseile nähert sich die Hochbrücke Horb ihrer endgültigen Tragwirkung. Für Bauingenieurinnen und Bauingenieure ist das Projekt ein eindrucksvolles Beispiel für modernen Schrägseilbrückenbau, bei dem Spezialtiefbau, Stahlbau, Spanntechnik und Bauzustandsplanung präzise ineinandergreifen. Das Bauwerk wird künftig nicht nur den Verkehr entlasten, sondern auch als Referenzprojekt für komplexe Brückenbauvorhaben dienen.

(Porr/Heike van Ooyen)

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