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Gropiusstadt: Glasfasern bis in die Wohnungen

16. November 2012

Gropiusstadt: Glasfasern bis in die Wohnungen
Glasfaser in der Berliner Gropiusstadt.
Letzte Woche sind in der Berliner Gropiusstadt 4500 Wohnungen mit Luxus-Breitbandanschlüssen ausgestattet worden. Dabei sollen nicht nur Mieter von 100 Mbit/s im Download profitieren. Auch die beteiligten Unternehmen sind gespannt, wie die Glasfasertechniken angenommen werden.
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Seit den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts wird über die Glasfaser als Mittel für die mediale Versorgung diskutiert – jetzt gewinnt sie praktisch immer mehr an Bedeutung und wird auch über 4500 Mietern in der Berliner Gropiusstadt den Anschluss an die Zukunft ermöglichen.

Am 5. November wurde im Einkaufszentrum „Wutzky“ in der Berliner Gropiusstadt ein roter Knopf gedrückt – und damit symbolisch ein ambitioniertes Glasfaserpilotprojekt gestartet, genau 50 Jahre nach der Grundsteinlegung durch Willy Brandt und Walter Gropius.

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Dabei hat die Großsiedlung in Berlin-Neukölln als sozialer Brennpunkt nicht gerade den besten Ruf. Doch das dürfte sich jetzt massiv ändern. Die Wohnungsbaugesellschaft Degewo hat ein gewaltiges Sanierungsprogramm aufgelegt und inzwischen einen Großteil der Wohnungen wieder auf Vordermann gebracht.

Mehr noch: 2700 Mieter haben seit dem 5. November die Glasfaser in der Wohnung und für weitere 1700 liegt der Anschluss an die Zukunft zumindest schon im Keller.

„In unserem Quartier wollen wir nun eine neue Seite im Buch der technologischen Entwicklung aufschlagen, nämlich die Versorgung der Wohnungen mit Glasfaserkabeln“, erklärte Frank Bielka, Vorstandsmitglied der Degewo.

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Und er will noch mehr: „Durch die unterschiedlichen Versorgungsarten können wir beide Formen vergleichen, nämlich ‚Fiber to the Home‘ (FTTH) und ‚Fiber to the Building‘ (FTTB), denn auch für die beteiligten Unternehmen ist das hier ein Test.“

Mit von der Partie sind die Telekommunikationstochter Netcom des Energieversorgers Vattenfall als Initiator und Hauptinvestor des rund 4 Mio. € teuren Pilotprojektes. Der Netzausrüster Ericsson fungiert als Generalunternehmer und Systemlieferant. QSC hat dagegen die Rolle des neutralen Netz- und Diensteintegrators übernommen, der als Mittler den Zugriff unterschiedlicher Diensteanbieter auf die bereitgestellten unterschiedlichen Bitstream-Zugänge bietet. Zudem stellt das Unternehmen mit dem Portal „Gropiusstadt.net“ erste wichtige Basisinformationen zur Verfügung.

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Vor allem aber können die Mieter das Angebot testen, stehen ihnen nun „ungesharte“ und ungedeckelte 100 Mbit/s im Down- und 10 Mbit/s im Uplink sowie die Angebote verschiedener Serviceprovider zur Verfügung. Während bei den Wohnungsanschlüssen das optische Signal vor Ort im ONT, dem Optical Network Terminator, elektrisch gewandelt wird, geschieht das bei den Hausanschlüssen im Keller und wird dann als VDSL über die Telefonleitung zu den Mietern gebracht.

„Das Glasfasernetz ist als Open-Access-Projekt konzipiert, der Zugang steht einer Vielzahl von Anbietern offen“, freute sich Iris Henseler-Unger, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur bei der Roten-Knopf-Drück-Aktion. „Normalerweise verpflichten wir per Regulierungsverfügung die Deutsche Telekom, ihre Netze zu öffnen.“ Wenn das die Wettbewerber nun freiwillig tun, sei das ein gutes Modell. Erst wenn viele ihre Dienste auf dem Netz anbieten, werde das Angebot auch attraktiver für verschiedene Kundengruppen, die verschiedene Services und Leistungen wollen.

Und Henseler-Unger freut sich über noch mehr Effekte: So werde auch das Netz besser ausgelastet. „Ich finde es auch gut, dass die Wettbewerber das Netz bauen und nicht nur auf den Ex-Monopolisten vertrauen und selbst eigene Risiken eingehen.“ Und so hofft sie auf „viele solcher Projekte, mit vielen Investoren und vielen begeisterten Endkunden“.

Die zentrale Vermittlungsstelle, der Regional Point of Presence (RPoP) ist über eine 10-Gbit/s-Leitung über zwei Telehäuser an das Backbone, das Kernnetz, angeschlossen. Zum Betrieb des Datennetzes im Serverraum sind nahezu 200 kWh Strom pro Tag, also 73 000 kWh pro Jahr, erforderlich, was dem Energiebedarf von rund 20 Durchschnittswohnungen entspricht. Die verglasfaserten Gropiusstädter können zwischen den Diensteangeboten von DNS:NET, Mygate und AVE-TEL wählen. Das umfasst neben Internet bis 100 Mbit/s auch Telefonie (Voice over IP) sowie IPTV, ähnlich dem Entertain-Angebot der Telekom.

Wer mag, kann sich den Zugang zum schnellen Internet auch tage- oder wochenweise kaufen. Technisch möglich wären sogar vier parallel zu nutzende Dienste, jeder mit bis zu 100 Mbit/s. Die Technik ist vorhanden und für weitere Anwendungen offen, einschließlich Telemedizin.

„Mit dem Glasfasernetz betreiben wir auch ein Stück Energiewende“, so Helmar Rendez, Vorsitzender der Geschäftsführung der Vattenfall Europe Distribution Berlin. „Wir wollen immer mehr dezentrale Energie ans Netz anschließen und mit immer mehr Elektroautos unterwegs sein. Und dafür brauchen wir neben dem klassischen Stromnetz auch immer mehr intelligente Datennetze, die in einigen Jahren auch für Smart Metering wichtig werden dürften.“

Noch bleibt den Gropiusstädtern auch das konventionelle Fernsehkabelnetz erhalten, betrieben durch Kabel Deutschland – die exklusiven Gestattungsverträge bieten noch kein Umstiegsszenario, wenngleich die Glasfasern genügend Kapazität hätten.

Doch das Investment – öffentliche Gelder sollen nicht in das Projekt geflossen sein – hat auch eine strategische Komponente. „Die Gropiusstadt gerät durch den künftigen Flughafen BER von einer Rand- in eine attraktive Mittellage, zu der auch der Technologiestandort Adlershof beiträgt. Dann dürften auch neue Mieter in die Gropiusstadt einziehen, die eine gewisse technische Affinität haben“, erklärte Bielka. Degewos Slogan „Zukunft: wohnt bei Degewo“ könnte durch Glasfasern in Gropiusstadt eine ganz neue Bedeutung bekommen.



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