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Gestaffeltes Internet und megaschnelle Angebote in den USA

18. Juli 2013

Gestaffeltes Internet und megaschnelle Angebote in den USA
Während in Deutschland die Kosten für den Netzausbau von den Netzbetreibern getragen werden, beteiligen sich Diensteanbieter wie Microsoft und Google in den USA an den Netzkosten. Auch Datendrosselung ist in den USA üblich. Wer schnelles Internet will, muss mehr zahlen.
Während es in Deutschland eine leidenschaftliche Diskussion um die Netzdrosselung der Telekom gibt, haben andere Länder diese längst eingeführt. In den USA gibt es nur preislich gestaffelte Bandbreiten, und die Inhalteanbieter zahlen bereits an die Netzbetreiber.
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Das Thema „Netzneutralität“, also die Gleichbehandlung aller Content-Provider beim Transport ihrer Daten im Internet, ist nicht nur in Deutschland ein Reizthema. In den USA streiten die großen Internet-Provider, wie Comcast und Time Warner, schon lange mit Google, Facebook, Microsoft und vor allem mit dem Video-Streaming-Service Netflix, über eine Kostenbeteiligung beim Netzausbau.

Content-Lieferanten beteiligen sich an Kosten für Netzausbau

Während es bislang immer hieß, dass sich Content-Lieferanten nicht an den Infrastrukturkosten beteiligen, wurde jetzt bekannt, dass zumindest Google, Facebook und Microsoft bei einigen Betreibern sehr wohl einen Anteil an den Netzkosten tragen. So soll Comcast jährlich 25 Mio. $ erhalten und Time Warner ebenfalls einen „zweistelligen“ Millionenbetrag. Die Summe macht allerdings bei Comcast gerade mal 0,1 % des Umsatzes aus.

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Trotzdem sind die Zahlungen überraschend. Die für Telekommunikation zuständige US-Behörde FCC hat bereits mehrfach erklärt, dass sie für eine strikte Netzneutralität eintritt und jede andere Abmachung ungesetzlich sei. Doch: „Die Zahlungen sind rechtens“, verkündete jetzt ein Behördensprecher.

Hintergrund sind die komplexen Zusammenhänge des Internets, dessen Topologie und die mageren rechtlichen Vorgaben. So bezieht sich die gesetzliche Vorgabe der Netzneutralität in den USA ausschließlich auf „die letzte Meile“ des Internets – also nur auf die Bandbreite und Infrastruktur, die dem Endkunden bereitgestellt wird. Alles, was zwischen den Rechenzentren von Google, Facebook oder einem anderen Internetanbieter und dem letzten Verteiler stattfindet, ist ungeregelt. Da aber die Zahlungen an Comcast und Time Warner nur von dem Datenvolumen abhängen, das der jeweilige Anbieter ins Netz einspeist und damit keine Priorisierung bestimmter Inhalte beim Endkunden verbunden ist, ist das alles völlig legal.

Eine weitere Zahlungsabmachung besteht in den USA zwischen den großen Internet-Providern. Diese praktizieren untereinander eine Art Load-Balancing. Das heißt, jeder registriert, wie viel Verkehr er von der Konkurrenz durchgeschleust hat. Wer dabei deutlich mehr als der Durchschnitt transportiert hat, muss zahlen.

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In beiden Fällen geht es vor allem um eine finanzielle Unterstützung derjenigen Provider, die in den USA die Endkunden-Netze betreiben, zu denen außer Comcast und Time Warner noch AT&T und Verizon gehören. Diese stellen aber nicht die gesamte Infrastruktur, sondern nutzen ihrerseits verschiedene Backbone-Provider wie Cogent, Level 3 oder Equinix. Und diese haben bereits angekündigt, dass sie mehr Geld für ihre Netzwerkdienste verlangen wollen.

Alle Provider in den USA bieten gestaffelte Zugänge an

Doch am heißesten ist die Diskussion weiterhin bei der Versorgung der Endanwender. Derzeit bieten alle Provider nur gestaffelte Zugänge an, die zwischen 3 Mbit/s und 50 Mbit/s schnell sind und zwischen 20 $ und 60 $ im Monat kosten. Die Provider würden zwar gerne diese Preise erhöhen, doch das verhindern neue Konkurrenten, die mit superschnellen Angeboten in den Markt drängen.

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So installieren immer mehr Städte eigene Höchstgeschwindigkeitsnetze, um junge Technologiefirmen anzulocken. Am bekanntesten sind die Angebote von Tacoma in der Nähe von Seattle, Fayette (Louisiana) und Chattanooga (Tennessee). Hier haben die Städte Netze mit Übertragungsraten von 1 Gbit/s installiert – das kostet pro Kunde 350 $ im Monat.

Neuerdings droht eine ganz andere Konkurrenz: Google-Fiber. Dem Suchgiganten war die Diskussion um die Gebühren für das Durchleiten seiner Werbebotschaften zu lästig und so baute er sein eigenes Netz für die letzte Meile auf. Als erstes wurde dieses Angebot in Kansas City eingerichtet in Kürze folgen Austin (Texas) und Provo (Utah). Carlos Kirjner, Analyst bei Bernstein Research, geht davon aus, dass Google-Fiber in den nächsten fünf Jahre 20 Mio. US-Haushalte erreichen wird, was einem Marktanteil von 15 % gleichkommt.

Google-Fiber sorgt für sinkende Preise

Google-Fiber bietet ebenfalls 1 Gbit/s – der Anschluss kostet jedoch nur 70 $. Noch ist der Marktanteil gering, doch die Aktivitäten haben bereits zwei wesentliche Änderungen bewirkt. Erstens: Fast alle großen Provider haben ihre Preise gesenkt. Zweitens: Google kann die Diskussion mit den Netzbetreibern wesentlich sachkundiger führen. „Wir haben kein Geld zu verschenken, wir sehen unser Fiber-Netz als ein sehr profitables Business“, konterte Milo Medin, Googles Präsident für den Netzwerk-Geschäftsbereich, die Forderungen der Provider nach mehr Geld.



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