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Halbjahresbilanz Stahl: Produktion steigt – Nachfrage bleibt auf Krisenniveau

21. Juli 2026

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl (WV Stahl), Stimme der Stahlindustrie in Deutschland, hat neue Zahlen vorgelegt. Abseits von ein paar positiven Entwicklungen bleibt die Sorge um die schwächelnde Inlandsnachfrage. Konjunkturimpulse seien dringend angeraten.
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Die Rohstahlproduktion in Deutschland hat sich im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum spürbar erholt. Mit insgesamt 18,6 Mio. t lag sie laut WV Stahl rund 9 % über dem Niveau des Vorjahres. Von einer nachhaltigen Trendwende könne jedoch noch keine Rede sein: Auf das Gesamtjahr hochgerechnet läge die Rohstahlproduktion mit rund 37 Mio. t weiterhin unter der Marke von 40 Mio. t, die für eine wirtschaftlich tragfähige Auslastung erforderlich sei. Schwerwiegender ist laut WV Stahl das weiterhin außergewöhnlich niedrige Niveau der Stahlnachfrage in Deutschland: Die Hauptkundenbranchen Bauwirtschaft, Maschinen- und Anlagenbau sowie Automobilindustrie entwickelten sich im bisherigen Jahresverlauf nur schwach.

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„Die Produktionszahlen gehen aufwärts, echte Erholung beginnt aber erst, wenn auch die reale Stahlnachfrage zurückkehrt“, erklärt Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl. „Die steigende Produktion darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Stahlindustrie weiterhin in einer schwierigen Lage befindet. Die Zuwächse sind vor allem Ausdruck einer technischen Gegenbewegung, etwa durch wieder aufzufüllende Lagerbestände. Beunruhigender Fakt ist: Die Nachfrage aus unseren wichtigsten Kundenbranchen bleibt weiterhin viel zu schwach.“

„Handelsschutzinstrument ist für den Stahlstandort unverzichtbar“

Neben der schwachen Nachfrage im ersten Halbjahr 2026 war laut WV Stahl auch der Importdruck auf den EU-Stahlmarkt massiv. Umso wichtiger sei das zum 1. Juli in Kraft getretene EU-Handelsschutzinstrument für Stahl. Es sieht länder- und produktspezifische Zollkontingente vor, bei deren Überschreiten ein Zusatzzoll von 50 %  greift. „Das Handelsschutzinstrument ist für den Stahlstandort Deutschland und Europa unverzichtbar“, betont Rippel. „Es sorgt dafür, dass sich eine künftige Erholung der Nachfrage auch tatsächlich in einer höheren Kapazitätsauslastung der Stahlunternehmen in Deutschland und anderen EU-Mitgliedstaaten niederschlagen kann“, so die Verbandschefin.

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Um eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung einzuleiten, seien allerdings zusätzliche Nachfrageimpulse notwendig: „Jetzt müssen die angekündigten Investitionen – etwa im Rahmen des Gesetzes zur Errichtung eines Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIKG) – möglichst schnell in der Wirtschaft ankommen. Daraus kann ein entscheidender Konjunkturimpuls erwachsen. Voraussetzung ist, dass die Mittel zügig in konkrete Projekte fließen, die so ausgestaltet werden, dass industrielle Wertschöpfung, Resilienz und Klimaneutralität in Deutschland und der EU gestärkt werden.“

Ein zentraler Hebel sei dabei die öffentliche Beschaffung. „Wer Steuermittel in Milliardenhöhe investiert, darf nicht allein den günstigsten Anbieter aus Fernost im Blick haben“, so Rippel. Das Vergaberecht müsse von Brüssel und Berlin so ausgestaltet werden, dass neben dem Preis auch Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und lokale industrielle Wertschöpfung berücksichtigt werden. Öffentliche Infrastrukturinvestitionen könnten zudem entscheidend sein, um Leitmärkte für emissionsarme Grundstoffe zu schaffen. „Ein verbindliches Made-in-EU-Kriterium ist dafür von zentraler Bedeutung“, erläutert Rippel.

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Geforderter Strompreis für die Industrie: 50 €/Mwh – „all in“

Neben der Stärkung der Nachfrage bleibt die Schaffung wettbewerbsfähiger Standortbedingungen entscheidend. „Konjunkturimpulse sind wesentlich, reichen aber allein nicht aus, um industrielle Produktion am Standort Deutschland zu halten“, betont Rippel. „Gerade die anhaltend hohen Energiekosten belasten die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Stahlindustrie erheblich. Deshalb brauchen wir einen verlässlichen Strompreis für die Industrie von 50 Euro pro Megawattstunde ‚all in‘ – also inklusive Netzentgelten, Steuern und Umlagen. Klar ist, dass Netzentgeltzuschuss, Strompreiskompensation und Industriestrompreis vollständig erhalten, verstetigt und miteinander kombinierbar weiterentwickelt werden müssen.“



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