Dega digital: 20.11.2020, 10:00 Uhr

„Wie klingt die Stadt der Zukunft?“

Mit 110 Teilnehmern fand am 18. November 2020 die Veranstaltung der Dega erfolgreich digital statt. Thema war die Stadt der Zukunft, Verdichtung von Innenstädten und E-Mobilität als Beiträge zur Veränderung von akustischen Strukturen in der Stadt. Im Hinblick auf die notwendigen Erhöhungen der Lebensqualität des akustischen Alltags wurden u. a. auch die Auswirkungen der Pandemie auf diesen diskutiert. Die Veranstaltung fand im Rahmen des 23. Tag gegen Lärm und des International Year of Sound 2020+ statt.

Kann neue Mobilität die Stadt der Zukunft leiser machen?  Bild: PantherMedia  / Georgemans

Kann neue Mobilität die Stadt der Zukunft leiser machen? Bild: PantherMedia / Georgemans

Neue Konzepte für die Stadt der Zukunft setzen auf die Veränderung der Umsetzung der Mobilität durch die Nutzung neuer öffentlicher Verkehrsmittel, aber auch die Umwandlung von Innenstädten geprägt durch autofreie Zonen. Auch die Frage des Klimawandels darf aus dieser Diskussion nicht ausgeblendet werden. Die Organisation und die Durchführung der Veranstaltung wurde durch den Fachausschuss „Lärm: Wirkungen und Schutz“ der DEGA und den Arbeitsring Lärm der DEGA unterstützt. Die Moderation hatten Frau Schulze-Fortkamp, Herr Fiebig und Frau Baumer (an der Technik). Frau Schulze-Fortkamp führte in das Thema „Stadt im Wandel“ ein und leitete dann zum ersten Vortrag über.

Year of Sound und WHO-Richtlinie

Herr Schreckenberg von der ZEUS GmbH und stellv. Vorsitzender des Arbeitsrings Lärm der DEGA Hagen gab einen Rundumschlag der geplanten Themen des International Year of Sound und der WHO-Richtlinien. Im Rahmen der Untersuchung eines Reviews auf Grundlage der WHO-Richtlinien werden Unterschiedliche Arbeitsgebiete zum Thema Lärm eingeteilt. Dabei geht es um die vier Bereiche: die Infrastruktur, dann um Gebäudearten, Umgebung und internationale Kommunikation.

Auch auf die Auswirkungen der Pandemie ging er ein, dass es nach dem Lockdown leiser geworden ist. Er gab zu Bedenken, dass andere Geräusche in den Vordergrund treten, z.B. die der Nachbarn. Nach einer Umfrage des ZLF jedoch sehnten sich die Menschen nach dem reisen.

E-Autos machen die Zukunft leiser?

Mit der Frage nach dem Beitrag der verstärkte Nutzung von Elektrofahrzeugen beschäftigte sich Herr Weinandy vom UBA in seinem Beitrag. Wesentlich für eine erfolgreiche Verkehrswende – so das UBA – ist die Veränderung des Mobilitätsverhaltens. Interessant ist, dass Elektroautos nur im unteren Geschwindigkeitsbereich bis 20 kmh tatsächlich leiser sind. Ansonsten sind es vor allem die Rollgeräusche, die ins Gewicht fallen. Allerdings könne der Straßenverkehrslärm bei Einsatz von 100 Prozent E-Autos um 5 dB reduziert werden. Anfahrgeräusche sind sogar so leise, dass ein so genanntes Acoustic Vehicle Alert System (AVAS) notwendig ist. Hierzu gibt es ein EU-Projekt, dass die Wirksamkeit in einem Workshop mit sehbehinderten Personen testet.

Die „Stille des Lockdowns“

Den letzten Vortrag hielt Frau Möbus vom Universitätsklinikum Essen zum Thema Akustische Qualität und Stadt Gesundheit. Auch Sie ging auf positive Umweltfolgen des Lockdowns (Sehr blauer Himmel über dem Ruhrgebiet, Stille des Lockdows) ein. Sie stellte Untersuchungen zu Kohortenmessungen vor, die auch deutliche Anzeichen des Corona-Lockdowns zeigten. Die NDSI-Werte sind im März deutlich in Industriegebiet, Wohngebiet und sogar zivilisationsnahen Laubwäldern gesunken. Wie es in Zukunft weitergehen könnte, damit beschäftigte sich die anschließende Diskussion, die viele Aspekte einer Lärmschutzwende zeigte. Auch im positiven Sinne, nämlich, dass Lärm nach der „Stille des Lockdowns“ vielleicht eher wahrgenommen wird und Lärmschutz wichtiger wird. Die zwischen den Vorträgen eingestreute Publikumsumfrage lockerte die Veranstaltung angenehm auf und gab Impuls für die anschließende und anregende Diskussion, die die spannende und gelungene Veranstaltung abrundete.

Von Annika Hilse

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