Serie: 09.12.2020, 15:46 Uhr

Städte im Klimawandel – Neue Richtlinie VDI 3787 Blatt 8

Die Sommer der letzten Jahre mit ihren ausgeprägten Hitzewellen und Trockenperioden, aber auch lokalen Starkregenereignissen, haben noch einmal eindringlich bewusst gemacht, was seit Jahrzehnten von der Wissenschaft prognostiziert wurde, mit nicht unerheblichen Konsequenzen für Mensch und Umwelt: Der primär durch anthropogene Treibhausgase ausgelöste Klimawandel ist Fakt! Einem Teilaspekt dieser Entwicklung, der die Lebensgrundlagen des Menschen bedroht, widmet sich die im September 2020 veröffentlichte Richtlinie VDI 3787 Blatt 8 „Umweltmeteorologie – Stadtentwicklung im Klimawandel“.

Begrünte Hochhäuser in Mailand, Italien. Quelle: PantherMedia, Sergio Monti

Begrünte Hochhäuser in Mailand, Italien.

Foto: PantherMedia, Sergio Monti

Der Klimawandel stellt urbane Strukturen und deren Bewohner vor große Herausforderungen – sprich: Probleme – in Bezug auf die in der Folge sinkende Lebensqualität in den Städten (Überschreiten der 40 °C-Grenze am Tag, tropische Temperaturen in der Nacht, ausgedörrte Parkanlagen, Überflutungen bei heftigen Regenfällen, abgedeckte Häuser nach Tornados etc.).

Beachtung des Klimawandels bei zukünftigen kommunalen Planungen

Zukünftige kommunale Planungen müssen deshalb vorrangig die beiden folgenden Aspekte berücksichtigen: zum einen die Entwicklung von Strategien und Maßnahmen zur Vermeidung und Verminderung der Produktion von klimarelevanten Treibhausgasen, beispielsweise durch den konsequenten Einsatz erneuerbarer Energien bei der Strom- und Wärmeerzeugung sowie die größtmögliche Energieeinsparung und den Umbau der innerstädtischen Mobilitätssysteme; zum anderen die Etablierung von Maßnahmen zur Klimaanpassung, um die zwangsläufigen, zum Teil schon eingetretenen Folgen des Klimawandels abzumildern und weitere Schäden abzuwenden. Zweckmäßigerweise erfolgt die Steuerung so, dass die Maßnahmen zum Klimaschutz (Mitigation) und zur Klimaanpassung (Adaption) im Sinne der Nachhaltigkeit und des optimalen Nutzens aufeinander abgestimmt werden.

Klimaschutz und -anpassung im Konflikt

Während Konzepte und Maßnahmen zum Klimaschutz in vielen Städten, Gemeinden und Landkreisen bereits Berücksichtigung finden, stehen finanzielle Engpässe und die Unsicherheit der Klimaprojektionen einer konsequenten Anpassungsstrategie jedoch häufig entgegen. Die Folge ist, dass die beiden Ansätze Klimaschutz und Klimaanpassung oftmals weitgehend unabhängig voneinander betrachtet werden, obwohl sie in einer engen Wechselbeziehung stehen. Diese kann zwar Konflikte generieren, die dann zu lösen sind, aber auch ein Synergiepotenzial bergen, das es zu nutzen gilt.

VDI-Richtlinie als Instrument für Städte und Kommunen

Mit der Richtlinie VDI 3787 Blatt 8 steht jetzt ein wirkungsvolles Instrument für Städte und Kommunen zur Verfügung, um in diesem Spannungsfeld bestehen und substanzielle Ideen zum Klimaschutz, zur Klimaanpassung und damit zur nachhaltigen Stadtentwicklung unter Einpassung in die rechtlichen Rahmenbedingungen entwerfen und umsetzen zu können. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Anpassung der urbanen Strukturen an das sich verändernde Stadtklima und die lufthygienischen Verhältnisse. Die Richtlinie erläutert die komplexen Zusammenhänge und gibt Hinweise für eine klimagerechte Stadtplanung, die Grundlage für die Erhaltung eines attraktiven und lebenswerten Wohn- und Arbeitsumfelds vor dem Hintergrund des Klimawandels ist. Gerade Städte mit wachsender Einwohnerzahl und einer damit verbundenen fortschreitenden Nachverdichtung bzw. Expansion ins Umland sowie den steigenden Anforderungen an Logistik und Infrastruktur müssen sich diesen Aufgaben stellen und nach intelligenten Lösungen suchen.

Wer sind die Anwender?

Die Richtlinie ist nicht nur an staatliche und kommunale Planungsträger, sondern auch an private Stadt- und Umweltplaner sowie Architekten adressiert. Die Feststellung der Auswirkungen des Klimawandels auf urbane Siedlungsräume in der Richtlinie bildet die Basis für die Definition von Anforderungen an die Stadtentwicklung der Zukunft. Der Anwender wird in die Lage versetzt, zunächst die Auswirkungen des Klimawandels – also die durch Hitze, Wasser und Wind gefährdeten Räume – zu identifizieren, um dann Maßnahmen für eine klimagerechte Stadtentwicklung zu planen und umzusetzen, z. B. Begrünung, Belüftung, Wassermanagement oder technische Maßnahmen. Die Einbindung der Maßnahmen in das geltende rechtliche Rahmenwerk wird erläutert.

In den folgenden Ausgaben werden potenzielle Anwendungen der Richtlinie VDI 3787 Blatt 8 anhand ausgewählter Praxisbeispiele aus verschiedenen Städten Deutschlands vorgestellt. Begrünte Hochhäuser, wie sie z. B. in Italien zu finden sind (Bild), werden wir zukünftig auch häufiger in Deutschland antreffen.

Von Catharina Fröhling, Dr.rer. nat. Norbert Höfert

Catharina Fröhling,
Dr.rer. nat. Norbert Höfert,
Kommission Reinhaltung der Luft, VDI e.V., Düsseldorf.

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