Bosch Rexroth: KI-Agent soll SPS-Code schreiben und Maschinenachsen konfigurieren
Bosch Rexroth verankert Agentic AI auf Plattformebene. Die Architektur ist offen für Drittanbieter. Zusammen mit AMD bringt das Unternehmen Industrial AI direkt an die Maschine.
Der zentrale KI-Agent von Bosch Rexroth nutzt unterschiedliche Skills über den Automatisierungs-Lifecycle (Symbolbild). Bild: smarterpix/NongEngEng
Foto: smarterpix/NongEngEng
Bosch Rexroth verankert Agentic AI auf Plattformebene. Wie das Unternehmen mitteilt, kann KI auf Engineering-Werkzeuge, Apps, Dokumentationen sowie Daten und Funktionen von Ctrl-X-Automation zugreifen und diese im jeweiligen Kontext nutzen. So entstehe eine Architektur, in der KI nicht als Assistenz neben der Automatisierung arbeitet, sondern mit ihr.
Inhaltsverzeichnis
- Vom Assistenten zum handelnden KI-Agenten
- KI-Agent wird Bindeglied zwischen Anwender und Automatisierungsebene
- MCP öffnet Agenten den sicheren Zugang zur Automatisierung
- Skills liefern den Automatisierungskontext und das spezifische Wissen
- Jede App kann eigene Skills mitbringen
- Offen für Agenten, Modelle und Inferenz - keine Festlegung auf vorgegebene KI-Welt
- Vom Engineering zu weiteren Phasen des Maschinenlebenszyklus
- Bosch Rexroth und AMD bringen Industrial AI direkt an die Maschine
- AI-Embedded-Plattform stellt passende Rechenleistung bereit
- KI-Agenten arbeiten lokal mit der Maschine
- KI ohne zusätzliche Beschleunigerkarten und Cloud-Abhängigkeit
„Unser Anspruch ist es nicht nur, den nächsten Copiloten für die SPS-Programmierung zu entwickeln, sondern KI soll Automatisierung verstehen und aktiv mit ihr arbeiten können. Wir haben damit einen entscheidenden Schritt vollzogen: den Übergang von assistierender zu agentischer KI“, sagt Steffen Winkler, Vertriebsleitung der Business Unit Automation & Electrification Solutions bei Bosch Rexroth.
Vom Assistenten zum handelnden KI-Agenten
Ein klassischer KI-Assistent wie der Chatbot Ask iXi von Bosch Rexroth beantwortet Fragen, erklärt Dokumentationen oder generiert Code, so das Unternehmen weiter. Die Fähigkeiten des neuen KI-Agenten iXi gehen weit darüber hinaus: Der KI-Agent kann Aufgaben in einzelne Schritte übersetzen und die dafür erforderlichen Funktionen der Automatisierungsumgebung nutzen.

Gerade beim Coding werde dieser Unterschied deutlich: Ctrl-X-Automation bietet mit Hochsprachen, offenen APIs und dem Ctrl-X-Automation SDK (Software Development Kit) bereits die Grundlage für KI-gestützte App- und Programmentwicklung mit Coding-Assistenten wie GitHub Copilot. Mit den neuen Model Context Protocol-Schnittstellen zu den Software-Tools Ctrl-X-PLC-Engineering und Ctrl-X-I/O-Engineering ermöglicht Agent iXi weit mehr: Der KI-Agent erzeugt IEC-61131-3-Code direkt im Engineering-Kontext und konfiguriert I/Os automatisch. Aus assistierter Codeerzeugung wird damit agentisches Engineering, führt Bosch Rexroth aus.
KI-Agent wird Bindeglied zwischen Anwender und Automatisierungsebene
Der KI-Agent werde so zum Bindeglied zwischen dem Anwender und der Automatisierungsumgebung. Er kann unterschiedliche Aufgaben übernehmen und dafür jeweils auf das benötigte Wissen und die erforderlichen Funktionen zugreifen. Das Spektrum reicht von der assistierten Komponenten- und Topologieauswahl über Motion- und Drive-Setup sowie I/O- und HMI-Design bis hin zu Programmierung, System-Monitoring und Dokumentation.
Die neuen Möglichkeiten erläutert das Unternehmen am Beispiel eines dreiachsigen Handling-Systems. Im klassischen Engineering müssen Achsen angelegt, eine Kinematik konfiguriert und das SPS-Programm erstellt werden. Das erfordert zahlreiche einzelne Arbeitsschritte wie das Konfigurieren von Koordinatensystem, Bewegungsgrenzwerten und Achswichtungen. Beim neuen Ansatz erhält Agent iXi eine einfache Spezifikation in Form einer Skizze des Aufbaus mit den wesentlichen Angaben und eine Aufgabe in natürlicher Sprache. Daraufhin legt er Achsen und Kinematik an und erstellt das SPS-Programm für die gewünschte Bewegung.
„Die Arbeit des Anwenders verändert sich grundlegend: Statt jeden einzelnen technischen Schritt selbst auszuführen, beschreibt er zunehmend das gewünschte Ergebnis. Der Agent übernimmt die dafür erforderlichen Engineering-Schritte und setzt sie in eine funktionierende Automatisierungslösung um, jederzeit nachvollziehbar für den Anwender “, erklärt Steffen Winkler.
MCP öffnet Agenten den sicheren Zugang zur Automatisierung
Damit der Agent mit der Automatisierungsumgebung interagieren kann, setzt Bosch Rexroth auf das Model Context Protocol (MCP). Der offene Standard verbindet Large Language Models bzw. KI-Agenten mit Software und Systemen. Bosch Rexroth integriert diesen Ansatz in Ctrl-X Automation und schafft damit einen standardisierten Zugang für KI zu unterschiedlichen Bereichen der Automatisierung.
Agent iXi kann dadurch beispielsweise auf Engineering-Werkzeuge, das Betriebssystem Ctrl-X OS und die darauf laufenden Apps zugreifen. Der Ctrl-X Data Layer schafft dabei den durchgängigen und sicheren Zugang zu Daten und Funktionen innerhalb der Plattform. Die Kommunikation über MCP ist verschlüsselt und authentifiziert; zugleich berücksichtigt der Agent die Berechtigungen des jeweils angemeldeten Nutzers. So lässt sich gezielt steuern, auf welche Daten und Funktionen der Agent beziehungsweise das angebundene KI-Modell zugreifen kann. Damit entsteht die technische Verbindung, über die der Agent nicht nur Informationen erhält, sondern mit der Automatisierungsumgebung arbeiten kann.
Skills liefern den Automatisierungskontext und das spezifische Wissen
Den entscheidenden Automatisierungskontext liefern den Angaben zufolge Skills. Sie geben dem Agenten das spezifische Wissen und die Regeln an die Hand, die er für eine bestimmte Aufgabe benötigt. Soll beispielsweise eine Motion-Anwendung erstellt werden, greift der Agent auf den entsprechenden kuratierten Skill zurück und weiß dadurch, wie Achsen und Kinematiken innerhalb von Ctrl-X-Automation angelegt werden.
Bosch Rexroth verfolgt dabei das Prinzip „ein Agent – viele Skills“. Statt für jede Aufgabe einen separaten Agenten einzusetzen, greift der zentrale Agent abhängig von der jeweiligen Aufgabe genau auf die Fähigkeiten zu, die er benötigt. Er muss dadurch nicht für jede Aufgabe wieder mit umfangreichem Kontext versorgt werden.
Jede App kann eigene Skills mitbringen
Der entscheidende Skalierungseffekt: Die Architektur ist darauf ausgelegt, dass jede App ihre eigenen Skills mitbringen kann. Neue oder erweiterte Funktionen einer App können damit zugleich die Fähigkeiten des Agenten erweitern. Auch Apps von Drittanbietern können ihr spezifisches Know-how auf diese Weise für KI nutzbar machen. Damit wächst das Spektrum der verfügbaren und validierten KI-Fähigkeiten mit dem offenen Ökosystem von Ctrl-X-Automation.
Offen für Agenten, Modelle und Inferenz – keine Festlegung auf vorgegebene KI-Welt
AI-ready by Design bedeutet für Bosch Rexroth auch, Anwender nicht auf eine vorgegebene KI-Welt festzulegen. Neben dem eigenen Agenten lassen sich auch Third-Party-Agenten anbinden. Dasselbe Prinzip gilt für die zugrunde liegenden Large Language Models. Ctrl-X-Automation ist nicht an ein bestimmtes Modell gebunden. Unternehmen können gemäß ihren Anforderungen und der vorhandenen KI-Infrastruktur unterschiedliche Modelle anbinden.

Auch beim Ort der Inferenz setzt Bosch Rexroth auf Wahlfreiheit. Neben cloudbasierten Modellen ist perspektivisch die lokale Ausführung leistungsfähiger KI-Modelle vorgesehen.
„Agentic AI darf für uns nicht in einem neuen technologischen Lock-in enden. Anwender sollen entscheiden können, ob und wie sie KI einsetzen, welchen Agenten und welches KI-Modell sie nutzen und wo die Inferenz stattfindet. Wir verbinden diese Wahlfreiheit mit dem Automatisierungskontext von Ctrl-X-Automation. Dank des modularen App-Konzepts lassen sich Funktionen jederzeit flexibel erweitern. Und wer auf Künstliche Intelligenz verzichten möchte, entscheidet sich einfach gegen die Installation des Features“, sagt Steffen Winkler.
Vom Engineering zu weiteren Phasen des Maschinenlebenszyklus
Das Engineering zeigt bereits heute, wie grundlegend Agenten die Interaktion mit Automatisierung verändern können. Der Ansatz von Bosch Rexroth reicht jedoch weiter. Ctrl-X Automation ist darauf ausgerichtet, KI über unterschiedliche Aufgaben und Phasen des Automatisierungs-Lifecycles hinweg nutzbar zu machen.

Apps, Daten und Automatisierungsfunktionen sind dafür in einer AI-ready Architektur miteinander verbunden. Damit führt Bosch Rexroth KI vom Assistenten zum Akteur in der Automatisierung – und schafft die Basis für Agentic Automation über den gesamten Lebenszyklus.
Agent iXi ist im Rahmen eines Beta-Tests bereits bei Ctrl-X Automation-Kunden im Einsatz. Der Test soll in den nächsten Monaten auf weitere Kunden ausgeweitet werden. Der KI-Agent soll ab Anfang 2027 verfügbar sein.
Bosch Rexroth und AMD bringen Industrial AI direkt an die Maschine
Bosch Rexroth und AMD arbeiten gemeinsam daran, Software Defined Automation und Industrial AI auf Basis des Ctrl-X-OS Ecosystems voranzutreiben. Dabei unterstützt das Betriebssystem Ctrl-X-OS eine breite Palette von AMD Embedded Prozessoren. Die Kombination aus dem offenen, Linux-basierten Betriebssystem und moderner AMD-Hardware schafft die Voraussetzung, auch anspruchsvolle KI-Anwendungen direkt auf Maschinen und Anlagen auszuführen. Mehrere KI-Agenten können dabei vollständig lokal arbeiten und auf Maschinenwissen sowie Engineering- und Prozessdaten zugreifen.
Während Ctrl-X-Automation Agentic AI auf Ebene der Automatisierungsplattform tief verankert, ermöglicht Ctrl-X-OS als offenes industrielles Betriebssystem, KI-Anwendungen auf unterschiedlichen Hardware-Plattformen direkt an der Maschine auszuführen.
AI-Embedded-Plattform stellt passende Rechenleistung bereit
Die AI-Embedded-Plattform AMD Ryzen vereint den Angaben zufolge CPU-, GPU- und NPU-Ressourcen in einem System und stellt damit Rechenleistung für klassische Automatisierungsaufgaben, Grafikverarbeitung und KI-Inferenz bereit. In Verbindung mit Ctrl-X-OS können Anwender die jeweils geeigneten Rechenressourcen gezielt für unterschiedliche Automatisierungs- und KI-Anwendungen nutzen, heißt es.

„Mit Industrial AI steigen die Anforderungen an die Rechenleistung direkt an der Maschine erheblich. Gleichzeitig wollen Anwender offen bleiben und selbst entscheiden können, welche Hardware, Software und KI-Modelle sie einsetzen. Gemeinsam mit AMD schaffen wir dafür eine leistungsfähige Grundlage: Ctrl-X-OS verbindet die Automatisierungswelt mit modernen Computing- und KI-Ressourcen“, so Steffen Winkler.
KI-Agenten arbeiten lokal mit der Maschine
Dass sich dieser Ansatz bereits praktisch umsetzen lässt, demonstrierten Bosch Rexroth und AMD im Juli auf der AMD Advancing AI 2026: Mehrere KI-Agenten sowie das Large Language Model (LLM) liefen vollständig lokal auf AMD-Edge-Hardware mit Ctrl-X-OS und nutzten CPU-, GPU- und NPU-Ressourcen für die lokale Inferenz.
Die KI-Agenten greifen über den Ctrl-X-Data-Layer sowie einen zentralen Model Context Protokoll (MCP) Server auf Maschinenwissen, Engineering-Daten und aktuelle Prozessdaten zu. Der MCP-Server läuft auf Ctrl-X-OS und verbindet alle relevanten Schnittstellen bei Bosch Rexroth und Endkunden. Damit erhält die Künstliche Intelligenz den erforderlichen industriellen Kontext direkt aus der Automatisierungsumgebung. KI-Agenten können so direkt dort eingesetzt werden, wo die relevanten Daten entstehen.
KI ohne zusätzliche Beschleunigerkarten und Cloud-Abhängigkeit
Für Maschinenbauer und -betreiber bringt die lokale Inferenz konkrete Vorteile: Produktions- und Maschinendaten können innerhalb der eigenen Infrastruktur verbleiben, laufende Cloud-Inferenzkosten entfallen und kurze Reaktionszeiten werden möglich. Zusätzliche Beschleunigerkarten oder Cloud-Infrastruktur sind dafür nicht erforderlich.
Die Partnerschaft mit AMD als Chiphersteller folgt dem Grundgedanken von Ctrl-X-OS: Software und Hardware werden konsequent voneinander entkoppelt. Maschinenbauer und OEMs erhalten damit zusätzliche Möglichkeiten, Hardware und Rechenleistung passend zur jeweiligen Anwendung auszuwählen und gleichzeitig auf eine einheitliche Software-Basis zu setzen.
„Die AMD-Embedded-Prozessoren der nächsten Generation sind für anspruchsvolle Edge-Anwendungen optimiert. Für Maschinenbauer ist entscheidend, wie schnell sie diese Leistung für spezifische Anwendungen nutzen können.“ Amey Deosthali, Leiterin der Bereiche Robotik, Industrie und Gesundheitswesen bei AMD.
Mit Ctrl-X-OS würden sie, so Deosthali weiter, direkten Zugriff auf ein wachsendes Ökosystem aus industriellen Anwendungen und Funktionen auf Plattformen erhalten, die auf AMD-Embedded-Prozessoren basieren. So könnten sie neue Anwendungen implementieren, ohne für jede Hardwareplattform einen separaten Software-Stack entwickeln zu müssen.
Von der Zusammenarbeit profitieren beide Seiten der Automatisierungskette: Gerätehersteller können Ctrl-X-OS einfacher auf leistungsfähiger AMD-Hardware einsetzen und eigene Lösungen entwickeln. Anwender erhalten wiederum Zugang zu hoher, flexibel nutzbarer Rechenleistung für anspruchsvolle Automatisierungs-, Vision- und KI-Anwendungen, führt Bosch Rexroth aus.
(Quelle: Bosch Rexroth)




