Analyse der Fehlerkosten 19.01.2022, 10:05 Uhr

Baustellen: Mangelnde Kommunikation verursacht Millionenschaden

Bauprojekte laufen nur selten reibungslos ab, Fehler und Verzögerungen gehören zum Alltag. Eine aktuelle Analyse offenbart den monetären Schaden.

Foto: panthermedia.net/ ArturVerkhovetskiy

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Die Fehlerkosten auf deutschen Baustellen sind immens. Seit mehr als zehn Jahren führen die Marktforscher von Bauinfoconsult im Rahmen ihrer Branchenbefragung zur Jahresanalyse auch eine umsatzanteilige Erhebung der Fehlerkosten durch. Das Ergebnis: Die Schadenssumme der verbauten Fehler sank im Jahr 2020 leicht, liegt mit einer Summe von 18,3 Milliarden Euro aber noch immer in astronomischen Höhen. Neben den Klassikern „mangelnde Planung“ und „Bauleitung“ zählen „Kommunikationsmängel“ auf der Baustelle zu den Hauptfehlerquellen.

Pfusch am Bau: Fehlerkosten seit Jahren aus hohem Niveau

Fehler passieren überall und auch am Bau können Mängel und Schäden an vielen Stellen auftreten. Auffällig ist allerdings, dass sich die Fehlerkostensummen seit Jahren auf einem schwindelerregend hohen Niveau eingependelt haben. Da über die Höhe der gesamten Fehlerkosten in der deutschen Baubranche keine offizielle Statistik geführt wird, muss man sich eines Umweges bedienen. Um sich der Höhe der Fehlerkosten, die jährlich in der gesamten Baubranche auftreten, wenigstens anzunähern, führt Bauinfoconsult eine umsatzanteilige Analyse durch. Dabei scheint das Ergebnis für 2020 auf den ersten Blick eine leichte Verbesserung zu zeigen: So schätzen die von den Düsseldorfer Analysten befragten Bauakteure, dass die gesamten Fehlerkosten am deutschen Bau im Jahr 2020 etwa 12,8 % des gesamten Branchenumsatzes ausgemacht haben. Das ist zwar immer noch sehr hoch, liegt aber unter den Werten der Vorjahre (2019: 15,4 %, 2018: 14 %).

Dennoch sei auch das Ergebnis für 2020 noch immer weit von einer wirtschaftlich tolerierbaren Fehlerrate entfernt, so Bauinfoconsult. Setzt man den von den Profis am Bau geschätzten Fehlerkostenanteil mit dem vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie auf etwa 143 Milliarden Euro taxierten baugewerblichen Gesamtumsatz ins Verhältnis, entspräche das einer Fehlersumme von 18,3 Milliarden Euro. Das ist vom Fehlerkostenwert von 2019 nicht allzu weit entfernt (20,79 Milliarden Euro) und liegt noch über dem Ergebnis von 2018 (17,78 Milliarden Euro).

Was läuft falsch auf der Baustelle? Kein Plan und keine Kommunikation

Dass im Jahr 2020 Fehlerkosten immer noch so massiv auftraten wie in den Jahren zuvor, könnte zum Teil auch mit den erschwerten Rahmenbedingungen der Baustellenorganisation unter Pandemie- und Lockdown-Bedingungen zu tun gehabt haben, konstatiert Bauinfoconsult. Doch nimmt man diesen Faktor einmal aus dem Reigen der „klassischen“ Fehlerkostenquellen heraus, gehören mangelhafte Kommunikation und dadurch entstandene Missverständnisse bei den Absprachen zu denjenigen Problemen, die seit Jahren (neben Fehlern bei Planung oder Bauleitung) als eine der häufigsten Fehlerursachen genannt werden. Dabei sind die Kardinalfehler, die zu den häufigen Kommunikationsmängeln auf der Baustelle führen, grundsätzlich pandemieunabhängig. Das gilt für das Problem Nummer eins, den Zeitmangel, ähnlich wie für den zweitplatzierten Kommunikationskiller der unklaren Verantwortlichkeiten. Mangelnde Koordinationsfähigkeit des Bauleiters und Desinteresse der beteiligten Gewerke wird von den interviewten Branchenakteuren ebenfalls als Ursachenbündel für mangelhafte Baustellenkommunikation angesehen – wenn auch nicht so häufig wie die beiden erstgenannten Ursachen Zeitmangel und unklare Verantwortlichkeiten.

Die Fehlerkostenanalyse ist Bestandteil der von Bauinfoconsult durchgeführten „Jahresanalyse Deutschland 2021/2022“. Die Studie beruht auf über 660 Interviews mit Architekten, Bauunternehmern, Handwerkern und Herstellern aus der Bau- und Installationsbranche.

 

 

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