Viele investieren in eigene vier Wände 15.01.2022, 10:42 Uhr

Bauwirtschaft verzeichnet historisches Rekordhoch

Massive Preisanstiege sorgen dafür, dass das nominale Bauvolumen nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in 2021 einen historischen Höchstwert erreicht hat. Und die Kurve zeigt weiter nach oben.

Vor allem im privaten Bereich haben die Bauvolumina deutlich zugelegt. Foto: panthermedia.net/ perig76

Vor allem im privaten Bereich haben die Bauvolumina deutlich zugelegt.

Foto: panthermedia.net/ perig76

„Die Bauindustrie ist und bleibt ein Stützpfeiler der coronageplagten deutschen Wirtschaft“, so Martin Gornig, Studienautor und Forschungsdirektor Industriepolitik am DIW Berlin. Den Berechnungen seines Instituts zufolge wuchs das Bauvolumen in Deutschland im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf 488 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Anteil von rund 15 % am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Damit sei das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht: Für 2022 prognostiziert das DIW eine weitere Steigerung der Bauleistung um voraussichtlich weitere 13 %, im Jahr 2023 soll sie nochmals um gut sechs Prozent zulegen. Preisbereinigt bleibe für 2022 und 2023 jeweils ein Zuwachs von rund drei Prozent. „Die besonderen Kapazitätsengpässe und der hohe Nachfragedruck machen die Bauwirtschaft aber auch zu einem Treiber der Inflation“, attestiert Gornig.

Deutsche investieren in der Pandemie in die eigenen vier Wände

Trotz steigender Produzentenpreise ist der Wunsch nach den eigenen vier Wänden ungebrochen, so das DIW. Dank geringer Zinsen für Baufinanzierungen und der in der konsumarmen Corona-Zeit gestiegenen Ersparnisse dürften viele Haushalte ins Eigenheim investieren. Auch in diesem Jahr werde wohl wieder mehr gebaut und verstärkt die Modernisierung bestehender Immobilien in Angriff genommen, so die Analysten. „Dabei liefert insbesondere der im vergangenen Jahr eingeführte CO2-Preis einen Anreiz für energetische Sanierungen“, erläutert Studienautorin Laura Pagenhardt, Mitarbeiterin der Abteilung Konjunkturpolitik. „Die nach Jahren äußerst günstiger Brennstoffe und zuletzt wieder gestiegenen Energiepreise werden die Haushalte wohl ebenfalls veranlassen, in die Energieeffizienz ihrer Häuser zu investieren.“ Auch die von der neuen Bundesregierung geplante Anhebung der Abschreibungsraten dürfte derartige Bestandsinvestitionen attraktiver machen.

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Auch der Wohnungsneubau werde mit Blick auf die Umsätze im laufenden wie im kommenden Jahr florieren. Nach einem Plus von gut zehn Prozent in 2021 erwartet das DIW für das laufende Jahr einen Zuwachs in etwa gleicher Höhe. Da allerdings die Preissteigerungen in ähnlicher Größenordnung liegen, dürfte die reale Neubauleistung kaum steigen. Erst für das Jahr 2023 prognostizieren die Experten, dass das Neubauvolumen stärker steigen wird als die Baupreise.

Öffentliche Hand: Investitionsbudgets nicht ausreichend

Im öffentlichen Sektor seien ebenfalls Zuwächse zu erwarten, so das DIW: Wo sich zuletzt knappe Kassen und Investitionsstau bemerkbar machten, werde eine neue Dynamik entstehen. Die Nachfrage der öffentlichen Hand dürfte steigen, wenn die im Koalitionsvertrag vereinbarten Schritte zu langfristigen Investitionen in Aufbau und Erhaltung der Infrastruktur umgesetzt werden und Mittel aus dem Zukunftspaket vermehrt abfließen. Nach einem Rückgang im vergangenen Jahr prognostizieren die Studienautoren im Jahr 2022 ein reales Plus von 1,3 %, nominal sind es rund zehn Prozent. Die Ökonomen geben aber zu bedenken, dass die Ausweitung von Investitionsbudgets der öffentlichen Hand angesichts der hohen Baupreise nicht vollends die gewünschte Wirkung entfaltet, so dass die reale Bautätigkeit wohl geringer ausfalle als ursprünglich geplant. „So könnten ambitionierte politische Ziele zur Wohnungsversorgung und zum Infrastrukturausbau verfehlt werden“, befürchtet Gornig.

 

 

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Von DIW/ Marc Daniel Schmelzer