Feldversuch wird fortgesetzt 17.10.2022, 13:59 Uhr

BDH und en2x testen Einsatz von „grünem“ Heizöl

Seit 2020 erproben die beiden Branchenverbände in deutschlandweit 21 Wohnhäusern den Einsatz von „grünem“ Heizöl. Jetzt wurde der Feldversuch verlängert: unter verschärften Bedingungen.

"Grünes" Heizöl: In einem Feldversuch wird die Beimischung von Fettsäuremethylester und hydrierten Pflanzenölen sowie deren Verträglichkeit für die Heizungsanlage erprobt. Foto: imago images/U. J. Alexander

"Grünes" Heizöl: In einem Feldversuch wird die Beimischung von Fettsäuremethylester und hydrierten Pflanzenölen sowie deren Verträglichkeit für die Heizungsanlage erprobt.

Foto: imago images/U. J. Alexander

Die 21 bundesweiten Testobjekte haben bereits die zweite Heizperiode mit „grünem“ Heizöl hinter sich: Im Rahmen des vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie e.V. (BDH) und des en2x – Wirtschaftsverband Fuels und Energie e.V. im Jahr 2020 gestarteten Feldversuchs wurden dem Brennstoff Biokomponenten beigemischt. Die zur Erprobung ausgewählten Heizungsanlagen wurden dafür mit einer Mischung aus normalem schwefelarmem Heizöl, sieben Prozent Fettsäuremethylester (FAME) und 26 % hydrierten Pflanzenölen (HVO) betankt. Demnach liegt der Anteil erneuerbarer Komponenten an der Befüllung bei insgesamt 33 %. Während des Untersuchungszeitraumes wurden die Heizungsanlagen weder gewartet noch technische Anpassungen vorgenommen.

Feldversuch mit positiven Ergebnissen – grüner Anteil am Heizöl wird erhöht

Jeweils am Ende der Heizperiode wurden die Anlagen überprüft: Nach Angaben von BDH und en2x gab es keine brennstoffbedingten Mängel oder gar Ausfälle zu verzeichnen. Es wurden lediglich geringe Sedimentrückstände in den Heizölfiltern ermittelt, die die Prüfer auf die bekannte Reinigungswirkung der veresterten erneuerbaren Brennstoffbestandteile zurückführen. Somit stellen sie keinen Mangel dar.

Nach den erneut guten Ergebnissen in diesem Jahr entschieden sich en2x und BDH, den Feldversuch um eine weitere Heizperiode zu verlängern – allerdings unter angepassten Bedingungen. Der Hintergrund dafür ist die vorgesehene Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG). Entsprechend entschieden die Verantwortlichen die Quote des „grünen“ Anteils der Beimischung hochzusetzen. Das GEG fordert, dass mit der Inbetriebnahme einer neuen Heizung ab 2024 möglichst 65 % erneuerbare Energie eingebunden sein muss. Diese 65 % werden nach der Anpassung des „grünen“ Anteils zukünftig auch im Feldversuch erfüllt. In der dritten Heizperiode werden dem herkömmlichen Heizöl 65 % HVO beigemischt. Ziel sei es zu belegen, dass im Rahmen eines technologieoffenen Ansatzes bestehende Heizölanlagen ihren Beitrag zur Erreichung der Klimaziele erbringen können. Aktuell laufen hierzu die Vorbereitungen für die Lieferung dieses „grünen“ Heizöls.

Gemeinsames Interesse am Gelingen einer Energiewende

Im Rahmen des Feldversuches arbeiten zwei Interessensvertretungen zusammen, die maßgeblichen Einfluss auf das Gelingen einer Wärmewende haben: Im Verband en2x sind zahlreiche Unternehmen aus der derzeitigen Mineralölwirtschaft organisiert, die vor dem Hintergrund einer fortschreitenden Dekarbonisierung einen umfassenden Transformationsprozess ihrer Angebote anstreben. Mit einer Vielzahl an erneuerbaren Energien, alternativen Fuels und Rohstoffen, Technologien und Innovationen wolle man einen Schlüsselbeitrag für das Gelingen der Energiewende liefern, heißt es auf der Webseite des Verbandes. Im Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie e.V. sind zahlreiche Hersteller von Heizsystemen organisiert. Die Mitgliedsunternehmen erwirtschafteten im Jahr 2021 weltweit einen Umsatz von rund 19 Milliarden Euro und beschäftigten 81.000 Mitarbeitende.

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Von BDH / Marc Daniel Schmelzer