Digitale Bauwirtschaft 30.08.2021, 08:00 Uhr

Chancen des IoT für die Baubranche

Oberflächlich betrachtet mag die Bauindustrie eher konservativ wirken. Wenn es aber um den Einsatz neuer Technologien geht, gehört dieser Wirtschaftszweig tatsächlich zu den Pionieren. Denn bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass Bauunternehmen und Baumaschinenverleiher zum Beispiel das aktuell viel diskutierte Internet of Things (IoT) schon seit Jahren erfolgreich einsetzen.

Auf einer Baustelle kommen viele Maschienen zum Einsatz - Telematik-Module geben Auskunft über Einsatzzeit und Einsatzort. Foto: panthermedia.net/MrTwister

Auf einer Baustelle kommen viele Maschienen zum Einsatz - Telematik-Module geben Auskunft über Einsatzzeit und Einsatzort.

Foto: panthermedia.net/MrTwister

Zur Ortung im Fuhrparkmanagement oder zur Diebstahlsicherung sind Telematik-Module vor allem bei großen Bauunternehmen und Baumaschinenverleihern längst Standard. Mit entsprechenden Apps liefern sie Daten zu Betriebsstunden, zurückgelegten Kilometern, Einsatzzeiten oder Wartungsintervallen. So können zum Beispiel Baumaschinenverleiher problemlos feststellen, wann welche Maschine wie lange im Einsatz war. Schummeleien mit Schlechtwetter-Zeiten, in denen angeblich nicht gearbeitet werden kann und deshalb auch keine Mietgebühr zu zahlen ist, wird so ganz einfach ein Riegel vorgeschoben. Auch Dieben machen es solche Telematik-Module schwer. Da nützt es auch nichts, die Seriennummer zu entfernen und Maschinen umzulackieren. Sobald die Maschine in Betrieb genommen oder geladen wird, sendet das Modul ein Signal und ist damit nicht nur einfach zu orten, sondern auch eindeutig identifizierbar. Dennoch waren die Einsatzmöglichkeiten der bisher genutzten IoT-Lösungen begrenzt. Gründe hierfür sind einerseits die Größe der Module, anderseits der Preis. Der Einbau war deshalb bisher nur in relativ großen und auch hochpreisigen Geräten und Maschinen sinnvoll. Denn niemand wird ein Gerät, das selbst nur drei- bis fünfhundert Euro kostet, mit einem Modul in einer ähnlichen Preislage bestücken. Das ist auch der Grund, warum kleine und mittlere Bauunternehmen bisher zurückhaltender beim Einsatz der neuen Technologien waren. Das könnte sich jetzt ändern.

Vom Ortungsmodul zum leistungsfähigen Management-Instrument

Eine neue Generation leistungsstarker Module bietet erheblich kleinere Lösungen. So ergibt auch der wegen der geringen Größe sehr einfache Einbau in kleinere Maschinen einen Sinn. Vor allem eröffnen die neuen Devices aber ganz neue Möglichkeiten. Denn in Kombination mit intelligenten neuen Apps können die Module eine Vielzahl von Aufgaben übernehmen, die zum Beispiel Disposition und Kostenkalkulation nachhaltig verbessern können. Ein Beispiel ist die Erfassung von Betriebs- und Arbeitsstunden inklusive der automatischen Zuordnung zu den entsprechenden Kostenstellen. Dabei werden Betriebsstunden und zurückgelegte Strecken erfasst und automatisch den jeweiligen Bauprojekten zugeordnet. Das spart Arbeit und sorgt für Kostentransparenz und zeitsparende Nachkalkulation der Bauvorhaben. Auch die Arbeitsstunden und erbrachten Leistungen der Mitarbeiter der diversen Gewerke können etwa vom Vorarbeiter in eine entsprechende App eingegeben werden und so pro Baustelle detailliert erfasst und dokumentiert werden. Durch eine Verknüpfung mit den Betriebsstunden von Maschinen kann so auch die Konsistenz von Arbeitsstunden und Betriebszeiten ohne Zeitaufwand abgeglichen werden.

Wettbewerbsfähigkeit durch realistische Kalkulationen sichern

Fundierte Nachkalkulationen sind gerade für mittelständische Unternehmen, die in einem starken Wettbewerb mit sinkenden Margen und entsprechend hohem Kostendruck stehen, extrem hilfreich. Wenn sämtliche Werte kontinuierlich und systematisch erfasst, zugeordnet und dokumentiert werden, liefern sie eine übersichtliche und solide Grundlage für neue Angebote. Das kann allerdings nur funktionieren, wenn Hard- und Softwarelösungen sorgfältig an die Anforderung des einzelnen Unternehmens angepasst werden. Gerade die Bauwirtschaft zeichnet sich durch große Vielfalt, diverse Spezialisierungen, Besonderheiten und unterschiedliche Geschäftsmodelle aus. Aus diesem Grund unterscheiden sich auch die individuellen Anforderungen, sowohl an die zu verbauende Hardware als auch an Funktionsumfang und Funktionsweisen der Monitoring- und Steuerungs-Apps. Denn natürlich müssen Dimensionen und Ausstattungen, zum Beispiel von Telematik-Modulen und Trackern, für den jeweiligen Einsatzzweck geeignet sein. Software-Anwendungen müssen via Schnittstellen an die eigenen Systeme, zum Beispiel das ERP, angebunden werden können und exakt das leisten, was im jeweiligen Einsatzfall benötigt wird, von der einfachen Ortung in vorgegebenen Zeitabständen bis hin zur Erinnerung an Wartungsarbeiten.

Individualisierung der Software

Für Unternehmen ergibt sich daraus ein gewisses Spannungsfeld. Einerseits sollten die Konfigurationen so detailliert wie möglich angepasst werden, andererseits wäre es viel zu teuer jedes Mal „das Rad neu zu erfinden“. Es empfiehlt sich deshalb, einen Implementierungspartner und Betreiber zu wählen, der sowohl im Hardware- als auch im Software-Bereich über umfassende Kompetenzen und große Erfahrung verfügt. Entscheidend ist, dass ein Anbieter sowohl über eine große Bandbreite an Hardware-Lösungen verfügt als auch in der Lage ist, Software-Anwendungen schnell und günstig an die Unternehmensanforderungen anzupassen. Auf diese Weise kann ein sehr hoher Individualisierungsgrad im günstigen Baukastenprinzip realisiert werden.

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Von Jutta Mund, Vertriebsleiterin ginstr GmbH

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