Fachkräftemangel 16.08.2021, 11:57 Uhr

Roboter automatisieren die Bauindustrie

Der Fachkräftemangel auf Baustellen wird in Zukunft zunehmen. Hier können Roboter die Arbeitskraft auffangen und bieten dabei einen Sicherheitsaspekt im Bauprojekt.

In den kommenden zehn Jahren werden mehr Roboter auf Baustellen zu finden sein Foto: Gramazio Kohler Research, ETH Zürich

In den kommenden zehn Jahren werden mehr Roboter auf Baustellen zu finden sein

Foto: Gramazio Kohler Research, ETH Zürich

Eine robotergestützte Automatisierungslösung kann die Bauindustrie dabei unterstützen, die aktuellen Herausforderungen zu meistern. Mit ihr ist es möglich, den derzeitigen Bedarf an erschwinglichem und gleichzeitig umweltfreundlichem Wohnraum zu schaffen, die Umweltbelastung auf der Baustelle zu reduzieren und dem Arbeits- und Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Damit reizt die Automatisierung die Potenziale zur Steigerung der Produktivität, Effizienz und Flexibilität aus. So entstehen modulare Häuser und Bauelemente durch automatisierte Fertigung abseits der Baustelle, Schweißen und Materialhandhabung wird robotergestützt vor Ort übernommen und im 3D-Druck entstehen Häuser und maßgeschneiderte Bauelemente. Der Einsatz der Roboter erhöht nicht nur die Sicherheit und Kosteneffizienz, durch sie wird auch die Nachhaltigkeit auf der Baustelle verbessert, da sie die Reduzierung von Bauabfällen unterstützen.

Neue Lösungen auf der Baustelle durch die Automatisation

„Aktuell nutzen nur wenige Bauunternehmen Automatisierungslösungen. Vor diesem Hintergrund bietet sich uns ein enormes Potenzial, die Branche durch den Einsatz von Robotik grundlegend zu verändern. Anders als im Automobilbau oder in der Elektronikmontage haben sich im Bauwesen viele Verfahren seit Generationen nicht verändert. Deshalb entwickeln wir neue Lösungen, die den Unternehmen helfen, ihre größten Herausforderungen zu bewältigen“, sagte Sami Atiya, Leiter des ABB-Geschäftsbereichs Robotik & Fertigungsautomation. Um ihre Lösungen dem Markt anzupassen, hatte das Unternehmen ABB eine Umfrage in Europa, USA und China in Auftrag gegeben. Dabei wurden 1.900 Bauunternehmen befragt. 91 Prozent der Befragten rechnen mit einem Fachkräftemangel in den kommenden zehn Jahren. Des Weiteren bestätigten 44 Prozent der Unternehmen, die Schwierigkeit neue Mitarbeiter für den Bauberuf zu finden. Hohe Priorität haben für 42 Prozent Unternehmen das Thema Gesundheitsschutz und Sicherheit auf der Baustelle und sehen hier ein Verbesserungspotenzial. Zudem ist für 42 Prozent der Umweltschutz ein Haupttreiber in der Branche, der zu Veränderungen führen wird. Automatisierungslösungen nutzten nur wenige der befragten Unternehmen, doch 81 Prozent können sich vorstellen, in den nächsten zehn Jahren in diesem Bereich zu investieren. Nur 55 Prozent setzten bereits heute Roboter auf der Baustelle ein.

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An der ETH Zürich unterstützt ABB die Forschung im Bereich der robotergestützten Fertigung in der Architektur und im Bauwesen.

Foto: Gramazio Kohler Research, ETH Zürich

Neue Herangehensweisen durch Roboter auf der Baustelle

Um die Sicherheit auf der Baustelle zu erhöhen, kommen Roboter zum Einsatz. Sie bewegen große und schwere Lasten. Sie arbeiten in gefährlichen Bereichen und ermöglichen so neue und sicherere Bauverfahren. Die Roboter können sich wiederholende und gefährliche Aufgaben übernehmen, die der Mensch zunehmend nicht mehr ausführen möchte. Somit trät der Roboter auf der Baustelle dazu bei, dass die Berufe auf der Baustelle für junge Menschen wieder attraktiver wird. „Das neue Bewusstsein für Gesundheit, Sicherheit und Nachhaltigkeit beschleunigt die Investitionen in die Robotik massiv. Gleichzeitig sorgt das sinkende Angebot an Fachkräften dafür, dass die Bauindustrie zunehmend Roboter benötigt, um mit den Herausforderungen der Urbanisierung und des Klimawandels Schritt zu halten“, ergänzte Atiya.

Roboter im Einsatz auf der Baustelle

Der Bereich ABB Robotics hat bereits eine Reihe von Pilotprojekten umgesetzt. Bei Autovol in Kanada konnte die Fertigung von Dachstützen aus Holz automatisiert umgesetzt werden und bei Intelligent City in Kanada werden vorgefertigte Modulhäuser mithilfe von Robotern hergestellt. In Schweden kommen bei dem Bauunternehmen Skanska roboterbasierte Schweißanwendungen zum Einsatz. Durch sie werden Stahl-Bewehrungskörbe vor Ort hergestellt. Das Unternehmen stellt durch den Einsatz der Automatisierung fest, dass sowohl die Qualität als auch die Sicherheit und Produktivität der Mitarbeiter verbessert wurde. Zudem wurde die Umweltbelastung reduziert, da die Bewehrungskörbe nicht zur Baustelle transportiert werden müssen. „Es wird immer schwieriger, Personal für schwere, zeitintensive Tätigkeiten zu finden, sodass wir in einem immer größeren Umkreis nach Arbeitskräften suchen müssen“, sagte Ulf Håkansson, Technischer Direktor bei Skanska Construction. „Dadurch, dass wir diese Aufgaben nun an Roboter übertragen, können wir unser Personal effektiver einsetzen. Außerdem entspricht Automatisierung auch den Erfahrungen und den Vorstellungen der nächsten Generation von Ingenieuren. Denn sie sind mit dieser Technologie aufgewachsen und damit von unschätzbarem Wert für uns, um neue Einsatzmöglichkeiten für Roboter in unserem Unternehmen auszuloten.“

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