Nachhaltigere Produktion 04.04.2022, 16:05 Uhr

Zementwerk Beckum testet CO2-Abscheidung

Thyssenkrupp, Holcim und die TU Berlin starten gemeinsam ein Forschungsprojekt zur CO2-Abscheidung (Carbon Capture) mittels eines neuen Aminwäsche-Verfahrens. Ziel ist Emissionsreduktion bei bestehenden Zementanlagen.

Das Werk Beckum soll nicht nur idyllisch wirken, sondern auch sauberer werden mithilfe der Aminwäsche-Technologie, bei der während der Produktion Kohlendioxid abgeschieden werden kann, das ansonsten die Umwelt belasten würde. Wann die Technologie in welchem Umfang zum Einsatz kommen wird, verraten die Forschungspartner allerdings noch nicht. Foto: Holcim

Das Werk Beckum soll nicht nur idyllisch wirken, sondern auch sauberer werden mithilfe der Aminwäsche-Technologie, bei der während der Produktion Kohlendioxid abgeschieden werden kann, das ansonsten die Umwelt belasten würde. Wann die Technologie in welchem Umfang zum Einsatz kommen wird, verraten die Forschungspartner allerdings noch nicht.

Foto: Holcim

In der Zementindustrie wird auf vielfältige Weise an der Reduktion von CO2-Emissionen gearbeitet. Der Grund: Auch bei vollständigem Einsatz von erneuerbaren Energien wird bei der Zementherstellung rohstoffbedingt Kohlendioxid frei und an die Atmosphäre abgegeben. In einem gemeinsamen Projekt untersuchen die Partner Thyssenkrupp Uhde, Holcim und die Technische Universität Berlin daher den Einsatz von neuester Aminwäsche-Technologie (siehe Kasten) zur CO2-Abtrennung.

Stofftausch-Apparate widerstandsfähiger gegen Verunreinigungen

Ziel ist es, den CO2-Ausstoß von bestehenden Zementanlagen deutlich zu reduzieren und gleichzeitig das abgetrennte Kohlendioxid für weitere Anwendungen nutzbar zu machen. Konkret werden unter anderem neue Stoffaustausch-Apparate entwickelt, die den Wirkungsgrad verbessern sollen und widerstandsfähiger gegen Verunreinigungen sind. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert unter dem Förderkennzeichen 03EE5103A.

Die Leistungsfähigkeit und Effizienz des zu erprobenden Verfahrens zur CO2-Abscheidung werden mit realem Abgas des Zementwerks von Holcim am Standort Beckum untersucht. Damit werden die Grundlagen für einen kommerziellen Einsatz gelegt. Außerdem werden verschiedene Verwendungsmöglichkeiten für das gewonnene Kohlendioxid analysiert. Mit diesem Verfahren wollen die Partner einen Beitrag zur Reduktion von Klimagasen insbesondere bei Bestandsanlagen zur Zementherstellung leisten. Diese können dann ohne weitere Anpassungen am Produktionsprozess mit Einrichtungen zur Abtrennung des Kohlendioxids aus dem Prozessabgas nachgerüstet werden.

Allerdings wollten die Projektbeteiligten auch auf Nachfrage keine weiteren Details zum Zeitplan oder zur Kapazität der Anlage nennen. Kürzlich hatten wir über Projekte zur CO2-Abscheidung bei der Zementproduktion berichtet (CO2-Abscheidung im Industriemaßstab und Erstes deutsches Zementwerk mit CO2-Abscheideanlage), die sich in ganz unterschiedlichen Stadien befinden, bei denen dazu jedoch genauere Angaben gemacht wurden.

Bewährte Technologie

„Die Aminwäsche wird bereits vielfach eingesetzt, um CO2 aus Prozessgasen oder auch Abgasen zu gewinnen. Nun entwickeln wir die Technologie weiter und optimieren sie für die Zementindustrie“, erläutert Dr. Ralph Kleinschmidt, Head of Technology, Innovation and Sustainability bei Thyssenkrupp Uhde. Auch weitere Anwendungen wie zum Beispiel bei Müllverbrennungsanlagen seien möglich, um CO2 direkt an der Quelle auffangen zu können.

Notwendigkeit für die Zementwerke

„Carbon Capture wird in der nahen Zukunft eine Notwendigkeit für Zementwerke sein. Daher suchen wir nach der besten Carbon-Capture-Technologie und testen verschiedene Verfahren“, betont Arne Stecher, Leiter Dekarbonisierung Holcim Deutschland. „Die CO2-Abscheidung durch Aminwäsche ist eine vielversprechende Lösung. Ich freue mich, dass wir den Einsatz des innovativen Verfahrens in der Zementindustrie gemeinsam mit unseren Partnern erproben können.“

Bestehende Trenntechniken weiterentwickeln

„Innovative Abtrennungstechnologie für die Gasbehandlung zu entwickeln und bestehende Trenntechniken immer effizienter, umweltschonender sowie nachhaltiger zu gestalten und diese zur Anwendung zu bringen ist eine drängende sowie entscheidende Aufgabe und direkter Beitrag zum Klimaschutz“, sagt Prof. Dr.-Ing. Jens-Uwe Repke, Leiter des Fachgebiets Dynamik und Betrieb technischer Anlagen an der TU Berlin. „Diese Aufgabe gelingt nur in enger Kooperation zwischen Industrie und Forschungseinrichtungen wie Universitäten.“

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Von Thyssenkrupp, Holcim, TU Berlin / Karlhorst Klotz

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