Verbundbau 28.01.2021, 15:42 Uhr

Vorteile von Holz beim Hausbau nutzen

Holz ist als Baustoff bewährt und wird derzeit von der Baubranche wiederentdeckt. Wie Gebäude in Kombination mit anderen Baumaterialien eingesetzt wird, zeigt das viergeschossige Mehrfamilienhaus NEST4 in München Schwabing.

Beim Mehrfamilienhaus Nest4 überzeugen die Materialeigenschaften des Baustoffes Holz. Foto: Gabriel Büchelmeier

Beim Mehrfamilienhaus Nest4 überzeugen die Materialeigenschaften des Baustoffes Holz.

Foto: Gabriel Büchelmeier

Energieeffizienz, Natürlichkeit und Behaglichkeit sind die Schlagwörter, für die ein Holzgebäude durch die Nutzung natürlicher Ressourcen steht. Dies sind auch die Schlagworte, die für das Projekt Nest 4 in München steht. Der Münchener Bauträger NEST Solar Passivhaus GmbH & Co. KG hat gemeinsam mit dem angegliederten Planungsbüro NEST Architekten GbR den kompakten Baukörper im Passivhaus-Standard errichtet. Die ZimmerMeisterHaus-Manufaktur Bergmüller aus Bayerbach war für den Holzbau verantwortlich. Auf 1870 Quadratmeter Gesamtwohnfläche konnten 16 Wohneinheiten mit Wohnflächen von 91 bis 148 Quadratmeter geschaffen werden. Die zukünftigen Bewohner und Wohnungseigentümer hatten von Beginn an die Möglichkeit, gemeinsam mit den Verantwortlichen individuelle Wohnungsgrundrisse zu gestalten und das Wohnumfeld zu planen.

Individuelle Gestaltung hinter strukturierter Fassade

Die 16 Wohnungen sind auf die Gemeinschaft ausgerichtet. Die prägnanten, umlaufenden Balkone bieten den Anwohnern eine Kommunikationsplattform. Alle Bewohner haben einen freien Blick zur Straße, zur umliegenden Bebauung und zu den eigenen Gartenbereichen. Zu den Erdgeschoss-Wohnungen sind private Gärten zugeordnet. Diese werden durch Gemeinschaftsanteile ergänzt, auf denen die Bewohner zukommen kommen können. Nach außen wirkt das Mehrfamilienhaus strukturiert. Dies wird durch ein klares Fassadenraster durch die umlaufenden Balkone und große Fenster. Hinter den großzügigen Balkonen und den großen Fenstern sind die Wohnungen individuell und hell. Die Grundrissgestaltung wurde durch ein flexibles Holzbau-System ermöglicht. Das System ermöglicht einen schnellen und unkomplizierten Umbau, sollte eine Nutzungsänderung anstehen.

Das tragende Holzbau-System ist brandsicher

Das offene und flexibele Holzbau-System war nur möglich durch die Leistungsfähigkeit des Baustoffes und der Verarbeitungsgenauigkeit im Holzbaubetrieb. In der Zimmerei wurden die Holzbau-Elemente vorproduziert. Dadurch war es möglich, den Holzrohbau innerhalb von vier Wochen zu errichten. Bis auf die Tiefgarage, Treppenhäuser und Aufzugtürme, die aus Stahlbeton errichtet wurden, besteht der Rohbau aus Holz. Alle tragenden Wände, Pfeiler, Stützen und Decken mussten feuerbeständig sein, um die Bauvorgaben für den Brandschutz einer Gebäudeklasse 4 zu erreichen. Damit den Holzbau-Elementen einen geforderten Feuerwiderstand von 90 Minuten nachgewiesen werden kann, mussten diese mit einer K2 60 Kapselung für die tragenden Teile gefertigt werden. Die bewährte Holzrahmenbaukonstruktion nutzen die Bauausführenden, um die Wände zu errichten. Von außen nach innen beginnt der Wandaufbau mit einer hinterlüfteten Fassadenverkleidung daran anschließend wurde eine Holzwerkstoffplatte aufgebracht, die mit einem 280 Millimeter starken Riegelwerk ergänzt wurde. Hierzwischen wurde eine Mineralfaserdämmung (Flammpunkt 1000° Grad C) verlegt. Die Wand wird auf der Innenseite mit einer Holzwerkstoffplatte abgeschlossen. Für den Aufbau nach innen kam auf die Holzwerkstoffplatte noch die Installationsebene mit Lattung und als sichtbare Verkleidung nach innen folgt eine Gipskartonplatte. Die Bauvorschriften forderten für die Decken eine Gesamtstärke von 468 Millimeter. Die K2 60 Kapselung mit 2 x 18 Millimeter Gipsfaserplatten wurden mit Federschienen abgehängt. Der Zwischenraum der Deckenbalken wurde mit einer Mineralfaserdämmung gefüllt. Als weiterer Aufbau für die Decke folgte eine Holzwerkstoffplatte über die Balken. Hierauf wurden dann eine Schüttung, eine Trittschalldämmung und der Nassestrich eingebracht. Ein Bodenbelag aus Parkettholz schließt den Aufbau der Decke ab. Die Dachkonstruktion wurde als Pultdach errichtet.

Bereits in der Planung wurde jedes Detail berücksichtigt.

Foto: Gabriel Büchelmeier

Holzkonstruktion fordert Kapselung

Vor der Ausführung wurde für den Brand- und den Schallschutz jeweils ein Gutachten erstellt. Diese berücksichtigten alle relevanten Anforderungen und während der Bauphase begleiteten die Gutachter die Arbeiten. Abschließende Messungen bestätigten den Schallschutz. Bei der Herstellung der hochfeuerhemmenden Decken, Wänden und Dächern und bei der Ausführung vor Ort wurden die Holzbauer von der TU München gemäß den gesetzlichen Anforderungen überwacht und und die Arbeiten kontrolliert. Die Kapselung tragender Bauteile spielt bei der von den Planern gewählten Konstruktion nach der Holzbaummusterrichtlinie eine große Rolle. Bei der statischen Lastabtragung wurde deshalb eine Lösung gewählt, bei der Bauteile wie Wohnungstrennwände, die ohnehin zu kapseln waren, für die Ableitung der Kräfte herangezogen wurden. Über alle Querwände, Giebelwände Ost und West, Wohnungstrennwände und mit Stützen und Unterzügen werden die Vertikallasten abgeleitet. Über die Deckenscheiben werden die Horizontallasten in die beiden massiven Versorgungstürme eingeleitet. Über diese werden die Lasten in die Fundamente abgeleitet. Im Hinblick auf den Brandschutz mussten die Stützen und Unterzüge gekapselt werden. Schallschutztechnisch wurden die Übergänge der Stützen in den einzelnen Stockwerken mit geschlitzten Stahlteilen entkoppelt und die Lasten über diese Stahlteile von einem Stockwerk in das andere übergeleitet.

In 3D erfolgte vorab die Planung. Hier wurden CAD-Programme als Hilfsmittel eingesetzt. Sie mussten in der Lage sein, aus den Zeichnungen die Bauteile an die Abbundmaschinen zu übergeben. Nach einem theodolitischen Aufmaß wurde mit der Werkplanung begonnen. Bereist in der Planung wurde das komplette Gebäude und jedes Einzelteil des Bauwerks konstruiert. Jedes Detail wurde berücksichtigt. Die Zeichnungen enthalten vom Holzstab über eventuell enthaltene Flächenelemente, Plattenwerkstoffe, Dämmstoffe, Fassadenbauteile und Verbindungsmittel bis hin zur letzten Schraube alle Informationen.

Effektives Arbeiten in der Vorfertigung

Die Wand- und Decken- oder Dachkonstruktion mit Riegelwerk und einseitiger Beplankung ist das Basismodul beim Holzfertigbau. Die Bauelemente in einer Werkstatt so weit wie möglich vorzufertigen, ist bei vielen Bauvorhaben sinnvoll. Durch eine Vorfertigung im Werk ist das Arbeiten wetterunabhängiger und kontrollierter, als es vor Ort möglich wäre. Zur Vorfertigung gehört neben dem Erstellen des Basismoduls die beidseitige Beplankung des Riegelwerkes mit Dämmung, den fertigen Einbau der Bauelemente und bei Putzfassaden den Grundputz auf der Außenseite sowie die fertige Holz- oder Plattenfassade. Beim Projekt Nest4 wurden bei der Vorfertigung die Basismodule beidseitig beplankt und gedämmt. Ein millimetergenaues Aufmaß der Tragkonstruktion durch den Holzbaubetrieb ist vor Beginn der Werkplanung und Fertigung wichtig. Bei der Ausführung der Treppenhäuser in Stahlbeton und der restlichen Konstruktion des Gebäudes in Holzbauweise war darauf zu achten, dass beide Konstruktionen unterschiedlichen Verformungen im Bestand unterliegen. Ein weiterer Vorteil der Vorfertigung ist die Verkürzung der Bauzeit auf der Baustelle. Die Gebäudehülle von Nest4 konnte innerhalb von vier Wochen geschlossen werden.

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