Nachhaltig Bauen 15.08.2020, 09:53 Uhr

Holzbau trifft auf Industrie 4.0

Nach der Schließung des Flughafen Tegel ist vor der Eröffnung des Schumacher Quartiers. Das neue Stadtquartier soll Platz für 10.000 Menschen bieten. Moderne Architektur aus Holzbau wird das Viertel prägen. Dazu untersucht das Fraunhofer IPK und die TU Berlin wie dieses mithilfe von Indrustrie-4.0-Technologien möglich ist.

Das Schumacher Quartier soll zeigen, ob sich Holzbau im Städtebau lohnt. Foto: Tegel Projekt/rendertaxi

Das Schumacher Quartier soll zeigen, ob sich Holzbau im Städtebau lohnt.

Foto: Tegel Projekt/rendertaxi

Heute landen und starten am Flughafen Berlin Tegel noch Flugzeuge. Doch im November 2020 wird der Betrieb eingestellt. Die neue Nutzung des Geländes steht schon fest. Entstehen wird dort ein Quartier, das Wohnungen, Bildungseinrichtungen, Dienstleistungene, Geschäfte und Cafés mit einem Industrie- und Forschungspark verbindet: das Schumacher-Quartier. Es soll umweltfreundlich und klimaneutral realisiert werden. Wie das gelingen kann, betrachten die Wissenschaftler der TU Berlin gemeinsam mit dem Fraunhofer IPK in einer Potenzialanalyse. Sie entsteht im Rahmen des Kulturprojekts »Bauhütte 4.0« und wird von der Tegel Projekt GmbH gefördert. „Wir sind überzeugt, dass Treibhausgasemissionen in Ballungsräumen durch Wohnviertel in Holzbauweise nachhaltig reduziert werden können“, sagt Prof. Raoul Bunschoten, Leiter des Fachgebiets CHORA conscious city – Städtebau und nachhaltige Stadtentwicklung an der Technischen Universität Berlin. Im Bauwesen übernimmt Holz eine wichtige Rolle für den Ressourcen- und Klimaschutz. Der nachwachsende Rohstoff kommt aber meist beim Ein- und Zweifamilienhaus zum Einsatz. Wie viel Treibhausgase beim Bauen mit Holz eingespart werden kann, zeigt eine Studie der Ruhr-Universität Bochum. Im Vergleich zu herkömmlichen Materialien sind es zwischen 35 und 56 Prozent. Doch gibt es diesen Effekt auch im städtebaulichen Maßstab? Dieser Frage gehen die Forscher nach. Sie analysieren, wie Industrie 4.0 eingesetzt werden kann, um den Holzbau auf den Städtebau zu skalieren. Mit ihren Ergebnissen möchten sie dann den Bauherren, Planern, Architekten und Bauunternehmen Empfehlungen geben, wie das Quartier nachhaltig umgesetzt werden kann.

Potenziale des Holzbaus ausweiten

„Dazu untersuchen wir, welche digitalen Technologien zu einer vernetzten intelligenten Produktion von Holzhäusern beitragen können“, so Prof. Dr.-Ing. Holger Kohl, stellvertretender Institutsleiter und Leiter des Geschäftsfeldes Unternehmensmanagement am Fraunhofer IPK. Das Team um Kohl, der auch das Fachgebiet Nachhaltige Unternehmensentwicklung an der TU Berlin leitet, recherchiert dafür, wie weit die regionale Holzbauindustrie mit dem Blick auf Industrie 4.0 aufgestellt ist. Sie haben sich auch das Ziel gesetzt, neue Fertigungsmethoden zu identifizieren und entwickeln eine automatisierte Produktionslinie für den Serienholzbau. Für ihren ganzheitlichen Ansatz binden sie alle Akteure aus Waldwirtschaft, Produktion, Logistik, Montage, Wohnungsbau und Stadtplanung ein. „Gemeinsam mit diesen Experten, Stakeholdern aus Fachverbänden und der öffentlichen Hand sowie Banken und Investoren wollen wir perspektivisch eine zirkuläre und ganzheitliche Wertschöpfungskette für den urbanen Holzbau etablieren“, erklärt Kohl. Diese Ergebnisse werden dann die Basis für potenzielle neue Produkte, Technologien und Dienstleistungen in den Bereichen Automatisierung und Kommunikationstechnik bilden. Die neuen Geschäfts- und Wertschöpfungsmodelle stärken die Wettbewerbsfähigkeit der Holzindustrie und Bauwirtschaft. Durch sie soll die Branche Zukunftsfähigkeit im digitalen Wandel sein. Als Modellprojekt soll das Schumacher Quartier belegen, dass ein klimaneutrales Stadtquartier in Holzbauweise möglich ist.

Das der Holzbau immer beliebter wird, zeigt auch der Thünen Report 78. Wo die Potenziale dieser Bauweise liegen, zeigt ein Vergleich zwischen Massiv und Holzbau.

Von Heike van Ooyen

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