Hochhausbau 05.02.2021, 09:45 Uhr

29 Geschosse aus Holz

Der Realisierungswettbewerb um das Wohnhaus WoHO in Berlin-Kreuzberg ist entschieden. Das neue Gebäude wird nach dem Entwurf des Architekturbüros Mad arkitekter aus Oslo gestaltet. Es wird Deutschlands höchstes Holzhybridhaus.

Ein 98 Meter hoher Holzbau ist das Zentrum des Gebäudeensembles WoHo in Berlin-Kreuzberg. Foto: Mad arkitekter

Ein 98 Meter hoher Holzbau ist das Zentrum des Gebäudeensembles WoHo in Berlin-Kreuzberg.

Foto: Mad arkitekter

Das norwegische Architekturbüro Mad arkitekter konnte im zweistufigen Wettbewerb für das Wohnhaus WoHo in Berlin-Kreuzberg die Jury mit ihrem Entwurf überzeugen. Durch die Entscheidung der Jury, die sich aus Vertreterinnen und Vertretern des Landes Berlin, des Bezirks, renommierten Fachleuten und der Bauherrenschaft UTB zusammensetzt, wurde sich auf die Kubatur und Positionierung des Hochhauses festgelegt. Ebenfalls greift der Entwurf des Architekturbüros die geplante Philosophie des Projektes als vertikales, urbanes Quartier mit vielfältigen Nutzungen auf. Für den Wettbewerb um die Gestaltung des höchsten Holzhybridbaus Deutschlands wurden 14 Arbeiten eingereicht. Sechs davon schafften es in die zweite Wettbewerbsphase. „Die engagierte, ja leidenschaftliche Diskussion der einzelnen Entwürfe hat mich sehr beeindruckt. Sie mussten vielen Aspekten, darunter vor allem die Programmierung ‚gemischte Stadt‘ und ‚Kreuzberger Mischung‘, die Einbettung in den städtebaulichen Kontext, Holzbauweise, Abstandsflächen und Machbarkeit standhalten. Wir haben nun ein starkes Ergebnis vorliegen, das unsere Haltung an sozialer Durchmischung, Gemeinwohlorientierung und Nachhaltigkeit widerspiegelt“, sagt Bauherr Thomas Bestgen, geschäftsführender Gesellschafter UTB Projektmanagement GmbH und Jurymitglied.

Baukörper passt sich in den Kontext ein

Die Jury traf ihre Entscheidung für die norwegischen Architekten, da sich ihr Entwurf „in seiner Baukörperausformulierung und Ausrichtung angemessen in den städtebaulichen Kontext einfügt und gleichzeitig den Anspruch an das besondere Programm des WoHo erfüllt. Die differenzierte Gebäudefigur aus vier einzelnen Baukörpern wird aus der typischen Kreuzberger Stadtstruktur abgeleitet und konsequent in der inneren Raumstruktur weiterentwickelt“, so die Jury. „Berlin ist schon immer eine wichtige Inspirationsquelle für Mad gewesen und auch die Idee der Gründung des Büros ist in Berlin geboren. Wir freuen uns deshalb besonders, das WoHo in Zusammenarbeit mit Land und Bezirk, mit UTB und den Anwohnerinnen und Anwohnern weiterzuentwickeln“, freut sich das Team von Mad. Im Zentrum des Ensembles ist der 98 Meter hohe Turm mit 29 Geschossen positionier. Durch ihn wird das WoHo Deutschlands höchstes Holzhaus. Für den Hybridbau werden lediglich die Kerne und das Untergeschoss aus Stahlbeton errichtet. Die Verantwortlichen streben den KfW-40 Standard an. Der Turm wird durch die Sockelkomposition, Auskragungen und Vorsprünge geprägt. Sie geben dem Gebäude Bewegung. Die begrünte und klar gegliederte Raster-Holstruktur der Fassade bringt Lebendigkeit für das Holzhochhaus und ergänzt die Bewegung. Regula Lüscher, Senatsbaudirektorin: „Ich bin glücklich, dass wir nach langen und sehr intensiven Diskussionen zu einem so guten Ergebnis gekommen sind. Ich bedanke mich bei dem Bauherrn für die außerordentlich vielfältige Programmierung – Berliner Mischung in einem Hochhaus, das ist neu. Das WoHo hat Vorbildcharakter für weitere Hochhausprojekte und entspricht voll umgänglich den Vorgaben des Hochhausleitbilds des Berliner Senats. Der Siegerentwurf von Mad arkitekter setzt die Nutzungsmischung aus Wohnen, Gewerbe und sozialer Infrastruktur sehr gut um und schafft im Sockelbereich eine lebendige Erdgeschosszone. Gleichzeitig integriert sich das Hochhaus in konstruktiver Holzbauweise in besonders gelungener Weise in die öffentlichen Räume der Nachbarschaft.“

Pilotprojekt für den Städtebau

Florian Schmidt, Bezirksstadt Friedrichshain-Kreuzberg: „Das Projekt WoHo bietet die Chance, neue Wege beim dringend notwendigen Umbau der Stadt zu gehen. Im Zentrum des Projekts stehen das innovative Bauen mit Holz und eine gemischte soziale Struktur. Das WoHo hat durch seinen Nutzungsmix das Potenzial, sozialen Zusammenhalt und urbane Produktivität zu befördern. Beide sind wesentlich für eine Stadt, die allen Menschen bezahlbaren und sinnstiftenden Wohn- und Wirkungsraum bietet und zugleich auf Klimakrise, Mobilitätswende und Ökologie mit innovativen Lösungen reagiert. Für die Nachbarschaft um den Hafenplatz bietet der Entwicklungsprozess die Chance, eigene Bedarfe einzubringen und gemeinschaftlich mit den neuen Nutzern und Projektträgern Ideen zu entwickeln. Das WoHo kann in der aktuellen Situation die Funktion eines Pilotprojektes mit Leuchtturmcharakter haben, das weit über Berlin hinaus ein Zeichen setzt, dass der Umbau der Stadt hin zu einem sozialen und ökologischen Paradigmenwechsel möglich ist.“ Das Bauprojekt umfasst eine Nutzfläche von 18.000 Quadratmetern. Dabei sind 15 Prozent für die soziale Infrastruktur geplant, 25 Prozent für gewerbliche Einrichtungen und 60 Prozent für das Wohnen.

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