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Bau

Recycelter Beton für die Zukunft

13. Februar 2026

Für den Neubau eines Labors wurde Beton aus einem Bestandsgebäude selektiv recycelt und als RC-Beton direkt wiederverwendet. So lassen sich Ressourcen schonen, CO₂-Emissionen reduzieren und Urban Mining als Standard im nachhaltigen Bau etablieren.
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Für den Neubau eines Labors wurde Beton aus einem Bestandsgebäude selektiv recycelt und als RC-Beton direkt wiederverwendet. Die Expertin und der Experte zeigen, wie der Ansatz Ressourcen und CO₂ spart, welche technischen Voraussetzungen für die Verarbeitung notwendig sind und warum Urban Mining künftig als Standard im nachhaltigen Bau etabliert werden sollte.

Frau Sinning und Herr Bielak, was versteht man im Bauwesen konkret unter „Urban Mining“ – und warum ist dieser Ansatz besonders im Umgang mit Beton so relevant?

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Sinning und Bielak: Urban Mining im Bauwesen meint die Nutzung vorhandener Gebäude und Infrastruktur als Rohstoff- und Baustoffquelle für den Neubau oder die Sanierung. Betontragwerke sind hier besonders im Fokus, weil ein Großteil der Masse unserer Gebauten Umwelt aus (bewehrtem) Beton besteht. Beton-Recycling-Strategien lassen sich daher gut skalieren und wirtschaftlich umsetzen.

RC-Beton: Betonrecycling direkt vor Ort

In Ihrem Projekt wurde Beton aus einem abgebrochenen Gebäude direkt wieder für einen Neubau genutzt. Welche technischen und logistischen Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein solcher nahräumiger Wiedereinsatz von Beton in der Praxis funktioniert?

Sinning und Bielak: Um Bestandsbauwerke in RC-Gesteinskörnung umzuwandeln, müssen qualifizierte Recycling-Betriebe in naher Umgebung verfügbar sein. Die RC-Gesteinskörnung muss für den Einsatz in Beton zertifiziert sein, das kann also nicht jeder Betrieb. Darüber hinaus müssen lokale Betonwerke Mischungsentwürfe für RC-Beton im Portfolio haben und Silokapazität für RC-Gesteinskörnung vorhalten. Eine Aufbereitung „auf der Baustelle“ ist nur bei großen Vorhaben mit einer Feldfabrik denkbar und sinnvoll und dürfte die Ausnahme bleiben. Um den Output an RC-Gesteinskörnung zu maximieren, sollte der Abbruch selektiv erfolgen, also möglichst sortenrein getrennt werden.

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Verarbeitung und Qualität von RC-Beton auf der Baustelle

Viele Bauherren und Ausführende befürchten Einschränkungen bei Qualität und Verarbeitung.Welche Erfahrungen haben Sie mit RC-Beton auf der Baustelle gemacht – unterscheidet er sich spürbar von konventionellem Beton?

Sinning und Bielak: Die Verarbeitung auf der Baustelle unterschied sich nicht von konventionellem Beton. Auch am ausgeschalten Endprodukt konnte man keinen Qualitätsunterschied feststellen. Sicherlich müsste man bei Sichtbetonen oder speziellen Oberflächenbehandlungen oder dem Einsatz von Strukturmatrizen aufpassen, aber der Einsatz hier im Fundamentbereich war vollkommen unkritisch. Der Beton ließ sich sogar problemlos mit der Betonpumpe einbringen und hatte eine ausreichende Fließfähigkeit. Wenn der Anteil an RC-Gesteinskörnung im Beton erhöht wird, kann sich dies allerdings auf die Eigenschaften des Betons und dessen Verarbeitbarkeit auswirken.

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Ökologische Vorteile von RC-Beton: CO₂ sparen und Ressourcen schonen

Der Einsatz von RC-Beton soll sowohl Ressourcen als auch CO₂ einsparen. Wo entstehen die größten ökologischen Vorteile – beim Material selbst oder vor allem durch kurze Transportwege und lokale Aufbereitung?

Sinning und Bielak: Der größte Vorteil ist aus meiner Sicht die Einsparung natürlicher Ressourcen – Kies und Sand. Wenn das ganze sehr nahräumig passiert, kann auch jetzt schon CO2 eingespart werden. Diese CO2-Einsparungen könnten zukünftig noch vergrößert werden, wenn entsprechende Anlagen verfügbar sind, in denen RC-Gesteinskörnung zusätzlich mit CO2 beaufschlagt werden.

Urban Mining als Standard: Normung, Planung und Vergabepraxis

Ihr Fazit lautet, Urban Mining künftig als Standard im Bauwesen zu etablieren. Was müsste sich aus Ihrer Sicht in Planung, Normung oder Vergabepraxis ändern, damit RC-Beton nicht die Ausnahme, sondern die Regel wird?

Sinning und Bielak: Zunächst müssen Bauherrinnen und Planer wissen, dass es RC-Beton gibt, welche Eigenschaften er hat und welche Anwendungsgebiete in Frage kommen. Die Normung ist inzwischen vorhanden. Bei der Vergabe sollte grundsätzlich nicht nur der Preis allein entscheiden, sondern Umweltauswirkungen berücksichtigt werden – dazu müssen sie quantifiziert werden. Über eine CO2-Bepreisung oder eine Lebenszyklus-Analyse der Umweltauswirkungen gelingt dies, letztere ist aber mit erheblichem Aufwand verbunden. Ganz pragmatisch und mit geringer Hürde könnten öffentliche Auftraggeber mit Quoten für den Einsatz von RC-Beton arbeiten.

Frau Sinning und Herr Bielak, wir danken für das Gespräch.



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