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Start-up skaliert Mineralisierungstechnologie

29. Januar 2026

Start-up skaliert Mineralisierungstechnologie
Das Team von Co-reactive entwickelt CO₂-Mineralisierungstechnologien für CO₂-negative Zementersatzstoffe. Foto: Co-reactive
Die Dekarbonisierung der Bauindustrie zählt zu den größten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte. Rund acht Prozent der globalen CO2-Emissionen entstehen allein durch die Zementproduktion. Gleichzeitig geraten etablierte Zementersatzstoffe wie Flugasche oder Hüttensand durch den Kohleausstieg und die Transformation der Stahlindustrie zunehmend unter Druck. Vor diesem Hintergrund gewinnen neue, skalierbare Technologien zur…
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Die Dekarbonisierung der Bauindustrie zählt zu den größten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte. Rund acht Prozent der globalen CO2-Emissionen entstehen allein durch die Zementproduktion. Gleichzeitig geraten etablierte Zementersatzstoffe wie Flugasche oder Hüttensand durch den Kohleausstieg und die Transformation der Stahlindustrie zunehmend unter Druck. Vor diesem Hintergrund gewinnen neue, skalierbare Technologien zur Herstellung klimafreundlicher Baustoffe massiv an Bedeutung.

Ein vielversprechender Ansatz kommt aus Nordrhein-Westfalen: Das 2024 gegründete Climate-Tech-Start-up Co-reactive hat eine Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von insgesamt 6,5 Millionen Euro abgeschlossen. Mit dem frischen Kapital wird eine kontinuierliche CO2-Mineralisierungstechnologie vom Prototypen in den industriellen Maßstab überführt.

Finanzierung für den Übergang vom Labor in die Industrie

Angeführt wird die Finanzierungsrunde vom High-Tech Gründerfonds (HTGF). Weitere Investoren sind die NRW.Bank, HBG Ventures, AFI Ventures (der Frühphasen Impact Arm von Ventech), Evercurious VC sowie ein Netzwerk erfahrener Climate Tech Business Angels. Zusätzlich erhält das Unternehmen Fördermittel aus der Bundesförderung Industrie und Klima (BIK) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) im siebenstelligen Bereich.

Ziel der Finanzierung ist es, die technologische Skalierung konsequent voranzutreiben: von bisherigen Labor- und Pilotversuchen hin zu einer kontinuierlich betriebenen Demonstrationsanlage mit einer Kapazität von rund 1.000 Tonnen pro Jahr, geplant für das zweite Quartal 2026. Parallel bereitet Co-reactive gemeinsam mit Industriepartnern sogenannte First-of-a-Kind-Anlagen im Zehntausend-Tonnen-Maßstab vor, die ab 2027 direkt in der Zement- und Stahlindustrie eingesetzt werden sollen.

Drop-in-Technologie für CO2-negative Zementersatzstoffe

Technologisch setzt Co-reactive auf einen kontinuierlichen Prozess, bei dem abgeschiedenes CO2 gemeinsam mit natürlichen Mineralien wie Olivin oder metallurgischen Schlacken aus der Stahlproduktion (EAF & BOF) mineralisiert wird. Das Ergebnis sind neuartige, hochreaktive Supplementary Cementitious Materials (SCMs), die einen negativen CO2-Fußabdruck aufweisen.

Diese CO2-negativen SCMs ermöglichen eine signifikante Reduktion des Klinkeranteils in Zement und Beton – ohne Einbußen bei Druckfestigkeit oder Dauerhaftigkeit. Ein zentraler Vorteil für die Baupraxis: Die Lösung ist als Drop-in-Technologie konzipiert und lässt sich in bestehende Produktionsprozesse integrieren, ohne dass grundlegende Anlagenumbauten erforderlich sind.

Damit adressiert die Technologie zwei zentrale Probleme der Branche gleichzeitig: hohe Emissionen und zunehmenden Rohstoffmangel. Steigende CO2-Preise könnten die Herstellungskosten von Zement in den kommenden Jahren deutlich erhöhen. Gleichzeitig sind klassische Sekundärrohstoffe immer schwieriger verfügbar.

Stimmen aus Unternehmen und Investment

Dr.-Ing. Andreas Bremen, Mitgründer und CEO von Co-reactive, sieht in der Skalierung einen entscheidenden Schritt:

„Förderung und Wissenschaft sind die Basis – echte Transformation entsteht erst durch unternehmerisches Handeln. Mit den richtigen Mitgründern und einem interdisziplinären Team bringen wir CO2-Mineralisierung aus dem Labor in den industriellen Dauerbetrieb.“

Weiter betont Bremen:

„Die Unterstützung unserer Finanzierungspartner mit dem HTGF als Lead Investor gibt uns die Schlagkraft, den Funktionsbeweis mit einer 1.000-t-Demonstrationsanlage zu liefern und die Skalierung gemeinsam mit der Industrie vorzubereiten.“

Auch auf Investorenseite wird der Bedarf klar benannt. Anna Stetter, Investment Manager beim HTGF, erklärt:

„Die Bauindustrie steht vor einem Wendepunkt: Klassische Zementersatzstoffe wie Hüttensand und Flugasche werden durch die Dekarbonisierung knapp und teuer – die Preise für Flugasche haben sich in den letzten zwei Jahren teilweise vervierfacht.“

Sie ergänzt:

„Co-reactive bietet eine skalierbare Alternative, die nicht nur CO2-negativ ist, sondern sich als Drop-in-Lösung in bestehende Prozesse integrieren lässt.“

Relevanz für Bauingenieure und Industrie

Für Bauingenieure, Baustoffhersteller und Planer eröffnet die Technologie neue Spielräume: CO2-arme Betone, langfristige Rohstoffsicherheit und die Möglichkeit, regulatorische Anforderungen frühzeitig zu erfüllen. Entscheidend wird sein, wie schnell sich die Technologie in industriellen Maßstäben bewährt und normativ abbilden lässt.

Mit der geplanten Skalierung in den 100- bis 300-Kilotonnen-Bereich positioniert sich Co-reactive als potenzieller Baustein für die industrielle Transformation der Baustoffindustrie – von der Pilotanlage hin zu marktfähigen, CO2-negativen Zementersatzstoffen.

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