Nachruf 11.05.2023, 10:19 Uhr

Berliner Architektenfamilie trauert um Gründerzwilling

Die Zwillingsbrüder Patzschke haben das Aussehen Berlins durch Gebäude in einer klassisch-traditionellen Architektursprache geprägt. Nun ist auch der zweite Gründer des gemeinsamen Architekturbüros tot.

Der Architekt Rüdiger Patzschke (1938-2023) verstarb am 6. Mai 2023 im Alter von 84 Jahren. Foto: Patzschke Architekten

Der Architekt Rüdiger Patzschke (1938-2023) verstarb am 6. Mai 2023 im Alter von 84 Jahren.

Foto: Patzschke Architekten

Der Berliner Architekt Rüdiger Patzschke ist am 6. Mai nach kurzer schwerer Krankheit im Kreis seiner Familie im Alter von 84 Jahren verstorben. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Jürgen, der bereits 2020 gestorben ist, hat er nach Angaben der Familie das Gesicht Berlins durch Gebäude, die eine klassisch-traditionelle Architektursprache sprechen, besonders geprägt.

Eines seiner letzten umgesetzten Projekte war das jetzt offiziell eröffnete Forum an der Museumsinsel. Hier hatten Patzschke Architekten für das Simon-Palais am Spreeufer, die Residenz Monbijou und das mächtige Haupttelegraphenamt an der Oranienburger Straße die Planungsverantwortung. 

Gemeinsames Architekturbüro seit 1969

Rüdiger und Jürgen Patzschke waren Zwillinge, die ihr Leben zusammen verbrachten, ihre Leidenschaft für die Architektur teilten und in Berlin im Jahr 1969 ein gemeinsames Architekturbüro gründeten. Beide hatten ein ausgeprägtes Gespür für klassische Vorbilder und setzten sich für eine Architektur ein, die die Schönheit vergangener Epochen in die Gegenwart übertrug, teilte das Architekturbüro mit.

Mit ihren Entwürfen haben sie einen großen Beitrag zur Gestaltung des Stadtbildes Berlins geleistet. Spätestens mit der Errichtung des Hotels Adlon am Brandenburger Tor (1997) hatten sich Rüdiger und Jürgen Patzschke als Protagonisten der zeitgenössischen traditionellen Architektur einen Namen gemacht, der über die Grenzen Berlins hinaus reichte.

600 Gebäude weltweit, davon über die Hälfte in Berlin

Mit weltweit mehr als 600 Gebäuden, von denen sich gut die Hälfte in Berlin befindet, sind Patzschke Architekten auch international bekannt. Ihre klassisch-traditionelle Architektur drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern fügt sich mit dezenter Selbstverständlichkeit in das Stadtbild ein. Die zahlreichen Bauten werden Rüdiger und Jürgen Patzschke stets ein ehrenvolles Andenken bewahren.

„Wer uns kennt weiß, dass meine Cousinen, Cousins, mein Bruder und ich bei Jürgen und Rüdiger immer von unseren Vätern sprechen“, betont Robert Patzschke, geschäftsführender Gesellschafter von Patzschke Architekten. Was bleibe, sei der Respekt, die Liebe und auch der Stolz darauf, wie sie ihr Leben gestalteten.

„Gemeinsam haben sie Ideen verwirklicht, die den Menschen dienen“, erinnert sich Robert Patzschke. „Für unsere Väter war und ist unsere Architektur nachhaltig, weil mit ihr nicht der ständige Wechsel auf der Suche nach der künftigen Architekturmode stattfinden muss.“

Bis zuletzt als Architekt aktiv

Der nun verstorbene Rüdiger Patzschke hat bis zuletzt als Architekt gearbeitet und seine Bauherren mit Kreativität und Enthusiasmus begeistert. „Er war vital und voller Energie, und seine Arbeit war für ihn nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung“, so Robert Patzschke. „Auch wenn er nun von uns gegangen ist, werden seine Werke weiterleben und das Berliner Stadtbild für immer prägen.“

„Mich interessiert an den Patzschkes vor allem, wie kommt dieses Neue in die Welt“, fragte Prof. Dr. Christoph Stölzl, ehemaliger Kultursenator in Berlin, 2018 anlässlich des 80. Geburtstages der Zwillinge Rüdiger und Jürgen Patzschke – und das klinge paradox. „Denn viele Leute, die nicht genau hinschauen, sagen, das ist doch gar nicht neu, sondern das ist das Uralte, was die Patzschkes da machen.“

Aber das stimme nicht, argumentierte Prof. Stölzl, denn die Patzschkes seien klassische Dissidenten, die von außen eine Diskussion erobert haben – eine Diskussion über die Fragen: Wie sollen Städte aussehen? Wie sollen die Individuen, die Häuser, der Städte aussehen.

Hotel Adlon als Paukenschlag

„Man kann – so glaube ich – die Wirkung dieses Paukenschlages, das Hotel Adlon, gar nicht hoch genug einschätzen“, würdigte Prof. Stölzl anlässlich des runden Geburtstags die Arbeit des Architekten-Duos. „Vieles was uns seitdem ganz selbstverständlich erscheint: Schlossaufbau etc. – all dies war vorher undenkbar und ist nun denkbar geworden. Ich betrachte es auch als Dank. Ich bedanke mich bei den Patzschkes: to make the world a better place. Ich glaube, wir leben besser und schöner in Städten seitdem die Patzschkes ihre Fackel aufgesteckt haben.“

Spätestens mit der Errichtung des Hotels Adlon am Brandenburger Tor in Berlin wurden Patzschke Architekten als Protagonisten einer klassisch-traditionellen Architektur über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. In über 15 Ländern erarbeiten die Architekten Gebäudeentwürfe und städtebauliche Konzepte mit betont plastisch und nuanciert durchgearbeiteten Details.

Generationenwechsel ab 2002

Seit 2002 hat sich ein Generationswechsel vollzogen. Robert, Tatjana und Thaddäus Patzschke leiten das Berliner Atelier gemeinsam mit dem Partner Michael Mohn. Das Tätigkeitsfeld des Büros umfasst Architekturleistungen im In- und Ausland. Einen Schwerpunkt der Arbeit bildet die Planung von Hotel- und Resortprojekten, hochwertigen Wohn- und Geschäftsbauten, sowie denkmalgerechten Sanierungen.

Das Architekturbüro der Berliner Zwillingsbrüder Jürgen und Rüdiger Patzschke hat sich einer klassisch-traditionellen Architektursprache verschrieben und in den letzten Jahrzehnten das Berliner Stadtbild mitgestaltet. Alleine im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf wurden über 30 Gebäude realisiert.

Von Patzschke Architekten