Digitalisierung 20.09.2021, 14:06 Uhr

Roboter in der Bauindustrie: Zukunftsvision oder reale Helfer?

Roboter auf der Baustelle, übernehmen die von Hand zu erledigenden Aufgaben des Menschen – was sich nach einer Zukunftsvision anhört, ist heute in vielen Bereichen bereits möglich und könnte der Bauindustrie zu neuem Schwung verhelfen.

Auf der Baustelle wird Roboterintelligenz künftig eine immer größere Rolle spielen. Foto: PantherMedia / lucifer.lucifer.metal@gmail.com

Auf der Baustelle wird Roboterintelligenz künftig eine immer größere Rolle spielen.

Foto: PantherMedia / lucifer.lucifer.metal@gmail.com

Der Digitalisierung wird oftmals unterstellt, dass durch sie Arbeitsplätze abgebaut werden und der Mensch ersetzt wird. Arbeitsplatzmangel war aber nie ein Problem in der Bauindustrie – ganz im Gegenteil. Dem Bau fehlen zahlreiche Fachkräfte; insbesondere bleibt der Nachschub an jungen Leuten seit Jahrzehnten aus.

Daraus resultiert ein immenser Stau an Bauprojekten in Deutschland, der dazu führt, dass Wohnraum kaum mehr erschwinglich ist. Robotik ist also keine Bedrohung für das Personal der Bauindustrie, sondern die Chance auf eine positive Zukunft.

Eine bessere Prognose für das Bauwesen

Roboter würden das Bauen nicht nur effizienter und wieder erschwinglicher werden lassen. Experten zufolge würden dadurch auch neue, für den Nachwuchs attraktive Berufsmöglichkeiten entstehen. Der Bauarbeiter der Zukunft würde Programmier- und Steuerungstätigkeiten ausführen und den Roboter die schwere körperliche Arbeit übernehmen lassen.

Eine Baustelle, auf der nur Roboter arbeiten, ist heute allerdings noch eine Zukunftsvision. Noch sind sehr viel Forschung, Entwicklung und neue Ausbildungsgänge nötig, doch gibt es auch heute schon Roboter, die einige Aufgaben im Bauwesen ausführen können.

Robotik im Neubau

Insbesondere für Neubauten existieren zahlreiche Roboter, die den Bau effizienter und für den Menschen sicherer machen. In der Vorfertigung sind Robotik und maschinelles Arbeiten beispielsweise bereits Standard. Die einzelnen Teile werden in Fertigungsstraßen in Fabriken hergestellt und dann am Errichtungsort in wenigen Stunden zusammengefügt.

Dabei handelt es sich oft um Einfamilienhäuser und standardisierte Bauten. Doch das volle Potenzial von Robotik wird auf diese Weise aber noch lange nicht ausgeschöpft. Zukünftig können beispielsweise besonders gefährliche oder extrem belastende Arbeiten für den Menschen, wie Arbeiten in schwindelerregenden Höhen, durch Roboter sicherer und einfacher werden. Beispiele hierfür sind etwa Gerüst-Roboter, die schwere Teile an die vorgesehene Stelle bringen, oder Fassaden-Roboter, die Gebäude mit Fenstern bestücken.

Robotik in der Sanierung

Da der jährliche Umsatz der Bauindustrie durch Neubauten nur bei etwa 3 % liegt, wären optimierte und effizientere Abläufe also insbesondere für Renovier- und Erneuerungsarbeiten wünschenswert und könnten dort dem Fachkräftemangel entgegenwirken. In der Sanierung fällt es jedoch deutlich schwerer, Abläufe zu automatisieren und Roboter geschickt einzusetzen. Baustellen und deren Prozesse sind zunächst für händisches Arbeiten gedacht und müssen zuerst für Roboter angepasst werden, sodass ihre Leistungsfähigkeit steigt.

Dennoch sind Experten sich sicher, dass es zukünftig möglich ist, alle Tätigkeiten einer Baustelle durch Roboter auszuführen, insofern die Basis dafür geschaffen wurde. Der Mensch fällt dabei allerdings nicht weg, sondern agiert in einer steuernden Funktion.

Sanierungsroboter sollten dabei portable Helfer sein. Tatsächlich gibt es heute bereits tausende Exemplare, die Sanierungsarbeiten übernehmen, wie Fassaden und Innenräume streichen, Unterdecken montieren oder Fliesen verlegen. Somit könnte in der Zukunft der gesamte Innenausbau von Robotern durchgeführt werden. Auch Arbeiten im Zuge der Sanierung mit Giftstoffen, wie Asbest, muss sich der Mensch nicht mehr aussetzen, wenn Roboter diese Arbeit übernehmen. Somit wird eines der größten Themen, die Arbeitssicherheit und Gesundheit, auch auf diese Weise adressiert.

Ein anderes Anwendungsfeld für Robotik in der Bauindustrie ist die Automatisierung der Sensortechnologie. In der Umsetzung sind das unter anderem Vermessungsfahrzeuge, die Baustellen abscannen und den aktuellen Stand dokumentieren. Daten werden so viel schneller und umfangreicher aufgenommen und verarbeitet. Das unterstützt den Menschen beispielsweise in der Planung und verhilft anderen Digitalisierungsansätzen wie etwa digitalen Zwillingen dazu, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.

Der Einsatz von Robotik in der Bauindustrie umfasst unterschiedliche Tätigkeiten. Grafik: Tenera

Fazit

Robotik in der Bauindustrie befindet sich derzeit am Beginn der Umsetzung einer Zukunftsvision. Es gibt bereits Roboter, die unsere Baustellen sicherer und effizienter machen. Insbesondere im Neubau oder auch als Vermessungsgeräte sind Roboter heute bereits nützliche Helfer. Natürlich besteht noch ein hoher Bedarf für weitere Forschung, Anpassung von Prozessen, neue Ansätze in der Ausbildung und vor allem muss die Alltagstauglichkeit der Roboter verbessert werden.

Fakt ist jedoch: Die Bauindustrie steht vor Problemen, die durch Roboter verringert oder sogar ganz beseitigt werden können. Ob und wann das volle Potenzial von Robotik im Bauwesen letztendlich ausgeschöpft werden wird, bleibt abzuwarten.

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Von Christopher Gorniak

Christopher Gorniak Business Development Manager, Tenera Foto: Tenera

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