Anzeige

Die Kläranlage wird zur Düngerfabrik

28. Mai 2019

Strahlende Weltkugel für Naturschutz
Foto: panthermedia.net / Mustafa Almir Mahmoud
Phosphate lassen sich mit einem neuen Schweizer Verfahren zu mehr als 90% zurückgewinnen. Der Rest wird in wertvolles Brenngas umgewandelt, das sich zur Strom- und Wärmeerzeugung eignet.
Anzeige
Anzeige


Einst landete Klärschlamm als Dünger auf den Feldern. Wegen des zunehmenden (heute aber wieder rückläufigen) Schwermetallgehalts lässt sich nur noch ein kleiner Teil auf diese Art verwerten. Schade, denn er enthält große Mengen an Phosphaten, also an wertvollem Dünger. Oft sind es 20 Gramm pro Kilogramm und mehr. Und er enthält sehr viel organisches Material, das sich für die Umwandlung in Gas eignet, welches sich zur Strom- und Wärmerzeugung nutzen lässt. Doch die Ausbeute ist derzeit gering, sagen Forscher der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL). Die Hälfte des Schlamms bleibe übrig, wenn er in den so genannten Faultürmen behandelt wird, und muss entsorgt werden.

Tausende Tonnen Phosphate werden recycelt

Damit will das Unternehmen Treatech, eine Ausgründung aus der EPFL, Schluss machen. Mit der in Lausanne entwickelten Technik lassen sich die Phosphate, die im Klärschlamm sind, weitgehend zurückgewinnen. Das sind allein in der Schweiz Tausende Tonnen pro Jahr, in Deutschland bei einem Klärschlammaufkommen von 1,7 Millionen Tonnen pro Jahr mehr als 20.000 Tonnen. Das Recycling könnte die Umwelt schonen, denn Phosphate werden mit riesigen Maschinen im Tagebau gewonnen, ähnlich wie Braunkohle. Der Weltmarkt für Phosphate liegt bei rund 30 Milliarden Euro pro Jahr.

Anzeige
Anzeige

Phosphate in den Abwässern von Kläranlagen bergen noch eine Gefahr. Sie landen in Bächen, Flüssen und Seen und regen dort das Pflanzenwachstum übermäßig an. Das reduziert den Sauerstoffgehalt und gefährdet die im Wasser lebenden Organismen.

Superkritisches Wasser gibt Phosphate frei

Um Transportkosten zur Verbrennungsanlage zu sparen wird Klärschlamm heute mit hohem Energieaufwand getrocknet. Ganz anders bei der neuen Schweizer Technik. „Mit unserem Verfahren verarbeiten wir den Klärschlamm direkt“, sagt Frédéric Juillard, der Chef von Treatech. „Es ist keinerlei Vorbehandlung nötig.“ Der Schlamm wird, so wie er aus der Kläranlage kommt, in einen Reaktor gefüllt. Das Innere wird unter hohen Druck gesetzt (220 bar) und auf eine Temperatur von 400 Grad Celsius erhitzt. Die hierzu nötige Energie ist geringer als die, die sonst für die Schlammtrocknung benötigt wird. Unter diesen Randbedingungen erreicht das Wasser im Schlamm einen superkritischen Zustand, er wird zum Zwitter zwischen Flüssigkeit und Gas. Die Löslichkeit der Phosphate reduziert sich jetzt dramatisch, so dass sie Kristalle bilden, die sich leicht herausfischen lassen. „Wir trennen mehr als 90% ab“, so Juillard.

Ruthenium-Katalysator sorgt für hohe Ausbeute

Der verbleibende organische Rest wird mit einem Verfahren namens hydrothermale Vergasung behandelt. Das ist weitaus effektiver als die biologische Umwandlung des Schlamms in Gas. Gaël Peng, Chefingenieur von Treatech, entdeckte die Technik nach einer intensiven Suche nur 200 Kilometer von Lausanne entfernt: Im Paul Scherrer Institut in Villigen im Schweizer Kanton Aargau. Dort haben Ingenieure einen Katalysator auf der Basis von Ruthenium entwickelt, der das Kunststück fertigbringt, die Biomasse zu nahezu 100% umzusetzen. Zudem erhöht er den Anteil an Methan, das unter den entstehenden Brenngasen den höchsten Energieinhalt hat. Übrig bleibt nahezu reines Wasser, das wieder in die Kläranlage gepumpt wird, um die restlichen Schadstoffe zu entfernen.

Anzeige
Anzeige

Die Umwandlung des von Phosphaten befreiten Schlamms dauert ganze 20 Minuten, während er in Faultürmen 30 Tage lang verweilen muss.

Hier ist ein Video von YouTube eingebunden. Beim Laden überträgt Ihr Browser Daten an Google. Datenschutzerklärung von Google

Auf YouTube ansehen

Größere Anlage ist schon im Bau

Treatech hat das Verfahren in einer Versuchsanlage getestet. Jetzt baut es eine 100 Mal größere Anlage, die pro Stunde 100 Kilogramm Schlamm verarbeiten kann. Die Schweizer Energiebehörde unterstützt das Vorhaben mit umgerechnet rund 4 Millionen Euro. Sie soll Ende des Jahres fertigwerden. Eine noch größere Klärschlamm-Verwertungsfabrik ist für das Jahr 2022 geplant, die für stündlich 3 Tonnen ausgelegt ist. Sie wird auf dem Gelände einer Kläranlage errichtet.

Anzeige
Anzeige

Weitere Themen:



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

Junior Projektingenieur Papierverarbeitung (m/w/d)
Fripa Papierfabrik Albert Friedrich KG

03.10.2026
Miltenberg
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST AG

03.10.2026
Düsseldorf
Ingenieur:in Explosionsschutz als Fachleiter:in
TÜV NORD CERT GmbH

03.10.2026
Essen
Bauüberwacher (m/w/d) Straßenverkehrsanlagen
Bundesagentur für Arbeit - Vössing Ingenieurgesellschaft mbH

03.10.2026
Stuttgart
Bauingenieur/-in (m/w/d)
Bundesagentur für Arbeit - Landeshauptstadt Stuttgart

03.10.2026
Stuttgart
Technische/r Projektmitarbeiter/in (m/w/d) – Bauwesen / Projektkoordination
Bundesagentur für Arbeit - Dr. Kerner GmbH & Co. KG

03.10.2026
Stuttgart
Junior Bauüberwacher:in Oberbau / Konstruktiver Ingenieurbau (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Köln
Senior Ingenieur:in Leit- und Sicherungstechnik im Großprojekt Rhein-Ruhr-Express (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Duisburg
Junior Bauingenieur:in als Bezirksleiter:in Fahrbahn (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Aachen, Bonn, Köln, Troisdorf
Projektleiter (m/w/d) Industriebau
MEGGLE GmbH & Co. KG

03.10.2026
Wasserburg
Projektingenieur Elektrotechnik (w/m/d)
Infraserv GmbH & Co. Höchst KG

03.10.2026
Frankfurt am Main
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST Ingenieure GmbH & Co. KG

04.10.2026
Bielefeld
Senior Projektingenieur (m/w/d) – EMSR-Technik – Projektmanagement
REUTERS INGENIEUR GmbH

04.10.2026
Hofheim
Technische*r Angestellte*r (Techniker*in oder Ingenieur*in) Werkstofftechnik, Physiktechnik, Maschinenbau
Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP)

04.10.2026
Garching
Ingenieurin (m/w/d) / Techniker (m/w/d) der Mess- und Regelungstechnik für Gebäudeautomation
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH)

04.10.2026
Eutin, Lübeck
Leitung Entwicklung (w/m/d) Mechatronische Systeme / Industrielle Sicherheits- und Automatisierungstechnik
Bernstein AG

04.10.2026
Porta Westfalica
Planungsingenieur (w/m/d) und Projektsteuerung – Verkehrsinfrastruktur und Gleisplanung
Ruhrbahn GmbH

04.10.2026
Essen
Gruppenleiter:in Automatisierungstechnik
TraveNetz GmbH

04.10.2026
Lübeck
Bauleiter (m/w/d) Rohrsanierung / Kanalsanierung
Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG

04.10.2026
München, Neumarkt in der Oberpfalz, Nürnberg, Regensburg
Vertriebsingenieur / Projektingenieur (m/w/d) im Außendienst – Südbayern
DEPRAG SCHULZ GMBH u. CO. KG

04.10.2026
verschiedene Einsatzorte

Weitere Artikel



Events des Monats



Anzeige
Anzeige