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Was die humanoiden Roboter bei BMW in Leipzig besonders macht

04. März 2026

Ein humanoider Roboter mit weißer Brust und weißen Armen bei der Handhabung kleinerer Automobilkomponenten in einer automatisierten Anlage.
Anders als in seinem Werk in Spartanburg erprobt die BMW Group im Werk Leipzig nun humanoide Roboter von einem europäischen Hersteller. Foto: BMW Group
Der Automobilhersteller BMW hat angekündigt, nun auch in Deutschland humanoide Roboter in der Produktion zu erproben. Anders als in den USA soll es sich dabei aber nicht um das Modell von Figure AI handeln.
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Automobilhersteller BMW hat angekündigt, jetzt auch in Deutschland humanoide Roboter in der Produktion zu erproben. Anders als in den USA soll es aber nicht das Modell von Figure AI sein.

Eigentlich klingt die Schlagzeile „BMW Group setzt erstmals humanoide Roboter in der Produktion in Deutschland ein“, die der Automobilhersteller vor wenigen Tagen lieferte, wenig spektakulär. Bei genauerem Hinsehen gibt es jedoch Besonderheiten.

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In seiner Presseinfo verweist BMW selbst darauf, dass die Firma im Werk in Spartenburg/USA bereits positive Erfahrungen mit humanoiden Robotern gesammelt hat. „Die gewonnenen Erkenntnisse aus diesem Projekt bilden die Grundlage für die weitere Entwicklung und Skalierung von Physical-AI-Anwendungen“, heißt es dazu. Schwerpunkt ist dabei also vor allem das Training physischer KI-Modelle. Allerdings sollen in Leipzig nun Roboter von Hexagon und nicht von Figure AI zum Einsatz kommen.

Beim Projekt in Spartanburg standen also noch Modelle des US-Herstellers Figure AI im Fokus. In einem Zeitraum von zehn Monaten unterstützte der Roboter Figure 02 laut BMW dabei die Produktion von mehr als 30.000 BMW X3.

Hexagon liefert humanoide Roboter für BMW in Leipzig

In Leipzig soll dagegen nun das Modell Aeon von Hexagon Robotics mit Sitz in Zürich erprobt werden. Auf Anfrage von ingenieur.de erklärte ein BMW-Sprecher, dass das Unternehmen bewusst auf regionale Lösungen setze. Zudem sei Hexagon als europäischer Partner bereits an allen Produktionsstandorten von BMW vertreten.

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Hintergrund: Die Robotik-Tochter von Hexagon wurde zwar erst vor einem Jahr gegründet. Der Konzern mit Stammsitz in Stockholm hat sich aber in den vergangenen Jahrzehnten einen Namen als Anbieter hochpräziser Messtechnik gemacht. Dazu zählt u.a. die im Automobilbau zur Qualitätssicherung von Bauteilen eingesetzte Koordinatenmesstechnik.

Seit 2005 gehört beispielsweise der Messtechnikanbieter Leica Geosystems zu der Unternehmensgruppe. Ebenso ist beispielsweise Aibotix, Hersteller von auf Kartierung und Inspektion spezialisierten Drohnen, Teil des Konzerns.

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Darüber hinaus hat Hexagon in den vergangenen Jahren viel Know-how in das Zusammenspiel von Messtechnik und Robotik gesteckt. An Industrierobotern angebrachte Messsysteme erfassen beispielsweise Konturen von Karosserieteilen.

Das unterscheidet den Humanoiden namens Aeon von anderen Modellen

In der Eigendarstellung von Hexagon heißt es zum selbst entwickelten humanoiden Roboter: „Aeon kombiniert branchenführende Präzisionsmessung, hochentwickelte Sensoren, räumliche Intelligenz, leistungsstarke Aktuatoren und KI-gesteuerte Antriebssteuerung, um komplexe Anwendungsfälle zu meistern.“

Auffallend ist dabei auch, dass der Humanoide von Hexagon zwar Beine hat, aber keine Füße. Stattdessen bewegt er sich auf zwei Rollen. Roboter mit Beinen gelten unter Experten bereits als Instabile Plattform. Denn im Gegensatz zu fest auf einem Fundament verankerten Industrierobotern, wirken sich die Beine negativ auf die erreichbare Präzision bei der Arbeit der Hände bzw. Greifer aus. Zusätzliche Rollen machen das nicht einfacher.

Rollen und Beine: So stabilisiert sich der humanoide Roboter bei BMW

Auf Anfrage von ingenieur.de antwortete Hexagon Robotics: „Aeon ist von Natur aus auf seinen Rädern stabil, ähnlich wie ein Segway.“ Der Roboter führe mithilfe dynamischer Steuerungsalgorithmen kontinuierlich eine aktive Stabilisierung durch.

Dabei drehen sich die Räder unmerklich, wenn der Humanoide steht. Somit erfolgen ständig Mikroanpassungen, die jede geringfügige Verschiebung seines Schwerpunkts korrigieren. „Gleichzeitig passt der Roboter kontinuierlich seine Oberkörperhaltung an, um das Gleichgewicht zu halten und die Stabilität für Manipulationsaufgaben zu optimieren“, heißt es von Hexagon Robotics.

Aus Sicht der Steuerungssysteme bedeutet das:  Der Aeon löst das klassische Problem des umgekehrten Pendels in Echtzeit. Damit behält das System auch dann eine stabile aufrechte Position bei, wenn es seine Arme für präzise Arbeiten einsetzt. Beim Einsatz seiner Hände bleibe der humanoide Roboter damit sowohl dynamisch stabil als auch hochpräzise, obwohl er wie jedes zweirädrige System ohne eine solche aktive Steuerung von Natur aus instabil wäre, heißt es vom Hersteller.

Roboter und Messsysteme liefern Daten für die KI bei BMW

Auch beim Projekt in Leipzig steht der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Produktion im Mittelpunkt. Dafür sind Daten aus echten Fabrikabläufen essenziell. Denn dafür ist es wichtig, dass die KI-Modelle nicht nur Bilder und Textinformationen interpretieren können, sondern auch ein Verständnis von physischen Zusammenhängen haben. Deshalb spricht man von Physical AI bzw. physischer KI.

„Künstliche Intelligenz ist bereits heute fester Bestandteil des Produktionssystems der BMW Group“, heißt es dazu vom Automobilhersteller. Von der virtuellen Fabrik mit digitalen Zwillingen über KI‑gestützte Qualitätsprüfungen bis hin zur Intralogistik mit autonomen Transportlösungen seien intelligente Systeme in nahezu allen Produktionsschritten im Einsatz.

Für einen wirksamen Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Produktion strebt BMW ein einheitliches IT- und Datenmodell im gesamten Produktionssystem an. Dazu hat die BMW Group eine einheitliche Datenplattform aufgebaut. Damit können digitale KI-Agenten nach Unternehmensangaben immer anspruchsvollere Aufgaben autonom und in komplexen Umgebungen übernehmen, während sie gleichzeitig kontinuierlich lernen und für weitere Einsatzbereiche verfügbar werden. „Die Einführung intelligenter und autonomer Entscheidungsagenten leitet einen Paradigmenwechsel in der Produktion ein. In Verbindung mit Robotern bilden diese digitalen KI-Agenten die Physical AI“, heißt es dazu.

BMW strebt Führungsrolle beim Einsatz physischer KI an

Michael Nikolaides, Leiter BMW Group Produktionsnetzwerk und Logistik, erklärt dazu: „Unser Anspruch ist es, Technologieführer zu sein und neue Technologien frühzeitig in die Produktion zu integrieren. Pilotprojekte helfen uns dabei, den Einsatz von Physical AI – also KI-gestützten, lernfähigen Robotern – unter realen industriellen Bedingungen zu erproben und weiterzuentwickeln.“

Nach eigenen Angaben ergänzt die BMW Group ihr Automatisierungsportfolio gezielt um physische KI und humanoide Robotik. Humanoide Roboter werden dabei als wertschöpfende Ergänzung zur bestehenden Automation verstanden.

Interessant ist, dass BMW dabei auch mit Agile Robots aus dem Raum München zusammenarbeitet. Die DLR-Ausgründung hat 2025 die BMW-Tochter IdealWorks vollständig übernommen. Der Geschäftsbereich ist auf Autonome Mobile Roboter (AMR) spezialisiert, die beispielsweise Komponenten durch die Werke transportieren. Auch Agile Robots hat kürzlich mit dem Agile One einen eigenen humanoiden Roboter vorgestellt. Den Vorzug in Leipzig hat nun jedoch Hexagon erhalten.



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