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Das Ende des Vergessens – DeepSeek lässt KI in Bildern denken

30. Oktober 2025

Das Ende des Vergessens – DeepSeek lässt KI in Bildern denken
DeepSeek entwickelt ein visuelles KI-Gedächtnis: Informationen werden als Bilder gespeichert, um Energie zu sparen und Kontextverlust zu vermeiden.
Foto: picture alliance / imageBROKER | Md Mamun Miah
Künstliche Intelligenz hat ein Kurzzeitgedächtnis – und genau das bremst ihren Fortschritt. Statt Sprache in unzählige Text-Tokens zu zerlegen, verwandelt das chinesische Unternehmen Deepseek seine KI Informationen in Bilder. Über ein neuartiges Optical Character Recognition System (OCR) sollen Maschinen lernen, sich effizienter und länger zu erinnern.
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Während OCR-Technologie bisher vor allem in Scanner-Apps oder Übersetzungssoftware zum Einsatz kam, nutzt DeepSeek sie nun als Testumgebung für ein neuartiges KI-Gedächtnis.

Das Ziel: weniger Energieverbrauch, mehr Effizienz und längere Kontexttreue bei großen Sprachmodellen

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Das Gedächtnisproblem moderner KI

Aktuelle Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT oder Claude funktionieren, indem sie Texte in kleine Einzelteile zerlegen – sogenannte Tokens. Diese Tokenisierung erlaubt es, Sprache mathematisch zu analysieren, führt aber zu einem bekannten Dilemma: Je länger eine Unterhaltung oder ein Dokument, desto mehr Tokens werden benötigt.

Das führt zu einem Phänomen, das Forschende als „Context Rot“ bezeichnen – ältere Informationen geraten in Vergessenheit oder werden durch neue überlagert. In langen Dialogen führt das dazu, dass KI-Modelle inkonsistent antworten oder sich selbst widersprechen. Gleichzeitig steigt der Rechenaufwand exponentiell, ebenso wie der Energieverbrauch.

Visuelle Tokens: Bild statt Text

Statt Text in unzählige Tokens zu zerlegen, wandelt das neue Modell die Informationen in Bilder um – ähnlich wie Seiten eines Buchs, die fotografiert werden.

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Diese visuellen Tokens werden anschließend über ein OCR-System ausgelesen und maschinenlesbar gemacht.

Die Information bleibt dabei als Ganzes erhalten, während der Speicherbedarf drastisch sinkt. DeepSeek kombiniert diese Methode mit einer „tiered compression“, einer mehrstufigen Kompression. Wichtige Informationen bleiben scharf, unwichtige Inhalte werden komprimiert oder leicht „unscharf“ abgespeichert. Sie sind aber weiterhin im Hintergrund vorhanden – ähnlich, wie Menschen sich an wichtige Ereignisse detailliert erinnern, aber den genauen Wortlaut alltäglicher Gespräche vergessen.

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Das Ergebnis ist ein Gedächtnis, das nicht alles gleichwertig behandelt, sondern Prioritäten setzt. Ein entscheidender Unterschied zu bisherigen Modellen. Gespräche mit KI-Systemen könnten dadurch konsistenter und natürlicher werden.

Praxisrelevanz und Anwendung

DeepSeek-OCR eignet sich besonders für die effiziente Verarbeitung großer Dokumentenmengen in Unternehmen, Verlagen und Behörden. Hier profitieren Workflows mit langen Kontexten maximal von der Komprimierung: Statt Tausender Texttoken werden nur noch wenige Hundert Visuelle-Token benötigt. Das erleichtert die Einspeisung langer Dokumente in LLMs.

Mehrsprachige und komplexe Dokumentformate werden vom Modell bereits unterstützt, da die Architektur multimodal trainiert wurde. Die genauen Grenzen und die Sprachabdeckung werden weiter erforscht.​

Mehr Effizienz, weniger CO₂-Fußabdruck

Neben der Einsparung an Speicherplatz und der Leistungssteigerung ist vor allem der Energieaspekt relevant. Da visuelle Tokens weniger Rechenpower brauchen als Text-Tokens, könnte die Methode den Energiebedarf großer Modelle signifikant senken. Der geringere Bedarf an Rechenleistung bedeutet auch: weniger CO₂-Ausstoß, geringere Kosten und eine bessere Skalierbarkeit.

Laut Angaben von DeepSeek kann das System über 200.000 Seiten Trainingsdaten pro Tag auf nur einer GPU erzeugen. Dabei werden Texte zunächst in Bilder umgewandelt und anschließend wieder maschinell ausgelesen. Diese doppelte Wandlung („Text → Bild → Text“) erzeugt leicht veränderte, aber inhaltlich sinnvolle Varianten und verringert zugleich Ähnlichkeiten zu bestehenden Quellen. So lassen sich große Mengen „neuer“ Trainingsdaten generieren. Viele öffentliche Quellen sind bereits ausgeschöpft oder urheberrechtlich eingeschränkt. Wenn ein Modell wie das von DeepSeek täglich Hunderttausende, lesbare Seiten liefern kann, hilft das, den wachsenden Datenhunger großer Sprachmodelle zu stillen.

Kein Allheilmittel

So vielversprechend der Ansatz klingt, so viele Fragen bleiben offen. Noch ist nicht klar, wie gut die Methode mit visuellen Tokens bei wirklich komplexen Aufgaben funktioniert – etwa dann, wenn eine KI über viele Ebenen hinweg logisch denken oder Schlüsse ziehen muss. Bisher gibt es keine Belege dafür, dass diese Form der Speicherung auch beim Verstehen und Argumentieren Vorteile bringt.

Hinzu kommt: DeepSeek-OCR ist bislang nur ein Forschungsprototyp, kein ausgereiftes Produkt. Die Ergebnisse stammen aus Laborbedingungen, nicht aus realen Anwendungsszenarien. Ob das Verfahren in großem Maßstab stabil läuft, bleibt offen. Ebenso die Frage, wie sich das System bei mehrsprachigen, unstrukturierten oder fehlerhaften Datenquellen verhält.



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