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Digitale Technologien stoßen viel mehr CO₂ aus wie bisher gedacht

24. Februar 2026

Leiterplattenfertigung in China
Aktuelle Analysen zeigen, dass die ökologischen Kosten unserer vernetzten Welt massiv unterschätzt werden. Und da ist der KI-Boom noch nicht mal eingerechnet. Im Bild fertigt ein chinesischer Arbeiter integrierte Leiterplatten im Werk eines lokalen Elektronikunternehmens. Foto: picture alliance / Yu Fangping / Costfoto
Aktuelle Analysen in „Nature“ und Daten des Umweltbundesamtes zeigen, dass die ökologischen Kosten unserer vernetzten Welt massiv unterschätzt werden. Und da ist der KI-Boom noch nicht mal eingerechnet.
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Digitale Technologien gelten als Treiber von Effizienz, Wachstum und Innovation. Ihr Beitrag zum Klimawandel ist jedoch deutlich größer als bisher angenommen. Eine neue Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Communications Sustainability, zeigt, dass digitale Industrien im Jahr 2021 für rund 4,1 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich waren. Bisher liegen Studien im Korridor zwischen 2 % und 4 %. Der größte Teil dieser Emissionen bleibt in der öffentlichen Berichterstattung und in offiziellen Klimabilanzen bislang verborgen. Der entscheidende Punkt dieser Studie: Die Folgen des KI-Booms sind noch nicht mit eingepreist.

Auch akutelle Daten des Umweltbundesamtes (UBA) zeigen, dass die ökologischen Kosten unserer vernetzten Welt massiv unterschätzt werden. Die Emissionen verschwinden nicht – sie verschieben sich in komplexe Lieferketten und fachfremde Industrien. Wo verbergen sich diese CO2-Lasten wirklich, und welchen Preis zahlt die Weltwirtschaft tatsächlich für unseren digitalen Hunger?

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Bilanzierungsvorgaben sind unzureichend

Ein internationales Forschungsteam hat systematisch berechnet, welche Emissionen entlang der globalen Lieferketten digitaler Technologien entstehen. Berücksichtigt wurden Hardware, IT-Dienstleistungen sowie Kommunikationsinfrastruktur. Die Analyse basiert auf Daten für den Zeitraum von 2010 bis 2021 und erfasst neben direkten Emissionen auch vor- und nachgelagerte Produktionsstufen. Zwischen 77 % und 87 % der Emissionen entstünden vor der eigentlichen Nutzung oder Bereitstellung einer digitalen Technologie, so die Studie – hauptsächlich in der Herstellung digitaler Technologien entlang globaler Lieferketten. Diese vorgelagerten Emissionen, der sogenannte Scope 3, sind häufig nicht Teil der Berichterstattung in Unternehmen.

Das liege an einer Regulierungslücke in der Bilanzierung, erläutert Ko-Autorin Stefanie Kunkel des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit Helmholtz-Zentrum Potsdam (RIFS): „Das Greenhouse Gas Protocol, ein internationaler Standard, unterscheidet drei Bereiche: Scope 1 umfasst direkte Emissionen des Unternehmens, etwa durch den Einsatz von Chemikalien oder eigene Energieerzeugung. Scope 2 erfasst indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie wie Strom. Scope 3 schließlich umfasst alle weiteren indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, etwa aus Rohstoffförderung, Transport oder der späteren Nutzung der Produkte. Das Problem: die Erfassung von Scope-3-Emissionen ist freiwillig und werde daher von vielen Unternehmen „nur unzureichend vorgenommen“ Auch in den nationalen Klimastatistiken würden Emissionen meist produktionsbasiert erfasst – also dort, wo sie entstehen, nicht dort, wo die entsprechenden Güter und Dienstleistungen konsumiert werden.

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Emissionen digitaler Technologien sind oft in den Fußabdrücken anderer Sektoren verborgen

Automobil- und Maschinenbau aber auch Finanzdienstleistungen dienen zudem sozusagen auch als Tarnmantel für die CO2-Emissionen digitaler Technologien: laut Studie würden 42 % der digitalen Emissionen nicht den Digitalindustrien selbst, sondern eben diesen anderen Wirtschaftssektoren zugerechnet. „Es ist eine Frage der Zuordnung der Emissionen in der Klimastatistik, ob diese Emissionen, die bei der Herstellung digitaler Technologien entstehen, als ‚digitale Emissionen‘ ausgewiesen werden oder den Klimabilanzen anderer Branchen zugerechnet werden “, erläutert Kunkel.

De facto rechnen sich aber so die Branchen digitaler Technologien ihr Image grün. Diese sogenannten „vermittelten Emissionen“ entstehen, weil ohne digitale Technologie längst in anderen Branchen nichts mehr läuft. Ein modernes Elektroauto ist längst ein Rechenzentrum auf Rädern; die CO2-Emissionen der verbauten Chips landen aber beim Automobilhersteller, nicht in der Halbleiterindustrie. „Die branchenübergreifende Nutzung digitaler Technologien – wie beispielsweise in Fahrzeugen und industriellen Automatisierungssystemen eingebettete Elektronik – ist ein Hinweis auf die zunehmende strukturelle Abhängigkeit der Wirtschaft von digitalen Technologien.“ (Nature, 2026)

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Mehr Transparenz in globalen Lieferketten nötig

Während die Emissionen klassischer Hardwareproduktion zuletzt leicht zurückgingen, weisen die Forschenden auf einen deutlichen Anstieg der Emissionen bei IT-Dienstleistungen hin. Die Nachfrage nach Cloud- Anwendungen, Rechenleistung und datenintensiven Services habe die Emissionen dieses Sektors seit 2010 bis 2021 um mehr als 60 % steigen lassen. Dieser Trend dürfte durch den rasanten Ausbau von Anwendungen künstlicher Intelligenz weiter deutlich verstärkt werden. doch der startete erst Ende 2022 mit der Einführug von ChatGPT.

Angesichts der wachsenden Bedeutung von künstlicher Intelligenz plädieren die Forscher für strengere globale Standards zur Erfassung von Scope-3-Emissionen, Es gelte, eine zirkuläre Hardware-Wirtschaft zu ördern. Die Studie fordert, dass IT-Dienste (wie Websites, Anwendungen und KI-Tools) nach „Green IT“-Prinzipien entwickelt werden müssen. Es gelte ressourceneffizientere Software zu schaffen und so gleichzeitig die Nachfrage nach Hardware, Netzwerken und Rechenzentrumsdienstleistungen aktiv zu senken.

Klimaschutz ist Risikovorsorge

Dass die genau Quantifizierung der Treibhausgasemissionen kein Öko-Projekt, sondern ökonomische Notwendigkeit zur Risikominimierung, stellte das Umweltbundesamt (UBA) heute heraus. Das „Handbuch Umweltkosten – Methodenkonvention 4.0“ beziffert die globalen Wohlfahrtsverluste durch die deutschen Treibhausgasemissionen des Jahres 2024 auf satte 647 Mrd. €.; reale Schäden an Infrastruktur, Ernteausfälle und gesundneitliche Folgen, die deutsche Emissionen weltweit verursachen. Laut UBA-Präsident Dirk Messner investiert der direkt in die Stabilität des künftigen globalen Kapitals, der in Klimaschutz investiere.

Die Studie in „Nature“ zeigte regional starke Ungleichgewichte auf. China sei der größte Produzent von Emissionen durch digitale Technologien und zugleich ein zentraler Exporteur. Europa und die USA hingegen importieren einen erheblichen Teil ihres digitalen CO₂-Fußabdrucks über globale Lieferketten.



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