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Wasserstoff für Tesafilm: Wie Tesa sein größtes Werk umbaut

31. März 2026

Außenansicht des tesa-Werks in Hamburg-Hausbruch mit dem Schriftzug „we do" und Industrierohren über dem Werksgelände
Das tesa-Werk in Hamburg-Hausbruch ist der größte Produktionsstandort des Klebeband-Herstellers. Ab 2027 soll hier grüner Wasserstoff die Produktion antreiben. Foto: Tesa SE
Tesa stellt sein Hamburger Werk auf Wasserstoff, Wärmespeicher und KI-Steuerung um. Schon 2027 soll der neue Energieträger zum Einsatz kommen. Die Details.
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Kaum jemand weiß, wie verbreitet Klebebänder wirklich sind: Mehr als 130 stecken in einem einzigen E-Auto, über 70 in jedem Smartphone. Noch unbekannter ist die Herstellung. Denn die ist extrem energieintensiv.

Jetzt stellt Tesa, die wohl bekannteste Klebeband-Marke Deutschlands, sein größtes Werk in Hamburg auf grünen Wasserstoff um. Das Unternehmen wird damit einer der ersten industriellen Großkunden des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes.

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Jetzt hat Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank eine Förderzusage über 950.000 € überreicht. Damit kann der Bau des H2-Anschlusses beginnen.

Inhaltsverzeichnis

Warum Klebeband so energiehungrig ist

Wer an Tesa denkt, denkt an die Tesafilm-Rolle auf dem Schreibtisch. Tatsächlich ist tesa ein Industriekonzern mit 1,7 Mrd. € Umsatz und rund 5.400 Beschäftigten weltweit. Das Werk in Hamburg-Hausbruch ist der größte Produktionsstandort der Beiersdorf-Tochter. Dort werden Klebstoffe auf Trägermaterialien aufgetragen, getrocknet und zu fertigen Bändern konfektioniert. Solche Prozesse benötigen große Mengen Prozessdampf und Wärme. Bisher liefert Erdgas die dafür nötige Energie.

Doch bis 2030 wollen die Norddeutschen klimaneutral produzieren, zumindest bei den direkten Emissionen und den energiebezogenen indirekten Emissionen (Scope 1 und 2). Dafür investiert der Konzern nach eigenen Angaben insgesamt rund 300 Mio. € an allen Standorten weltweit.

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Werksrundgang im tesa-Werk Hamburg mit Besuchergruppe zwischen Industrieanlagen und Rohrleitungen

Wie sich Wasserstoff in die Transformation einreiht

Am Hamburger Werk setzt Tesa auf ein Transformationskonzept, das auf vier Säulen basiert. Die Umstellung auf Wasserstoff bildet also nur einen Teilaspekt des größeren Umbaus.

  • Grüner Wasserstoff ersetzt Erdgas dort, wo hohe Temperaturen benötigt werden. Ab 2027 soll das Werk über das Hamburger Wasserstoff-Industrie-Netz HH-WIN versorgt werden. Die Hamburger Energienetze bauen dafür eine eigene Gasdruckregel- und Messanlage mit einer Anschlussleistung von 25 MW . Die Stadt Hamburg fördert die Umrüstung und den Anschluss mit 950.000 €.
  • Elektrifizierung mit Wärmespeichern ergänzt den Wasserstoff. Nicht jeder Wärmebedarf erfordert eine Flamme: Wo niedrigere Temperaturen ausreichen, will Tesa den Prozessdampf elektrisch erzeugen und in Wärmespeichern puffern. Das mache den Betrieb flexibler, und zugleich verringere sich die Abhängigkeit von einem externen Energieträger.
  • KI-gestützte Steuerung soll den Energieverbrauch optimieren. Algorithmen analysieren dafür die Produktionsprozesse und regeln den Einsatz von Wasserstoff, Strom und gespeicherter Wärme in Echtzeit. Ausschlaggebend für die KI-Entscheidung sind dabei Lastprofile, Energiepreise und Verfügbarkeit.
  • Effizienzsteigerung bildet die vierte Säule. Tesa will zunehmend auf lösemittelfreie Produktionsverfahren umschwenken, die weniger Trocknungsenergie benötigen.

„Wir brauchen Energiesicherheit. Das bedeutet weniger Abhängigkeit von Gasimporten und mehr Schutz vor künftig steigenden CO₂-Preisen“, erklärte Tesa-CTO Ingrid Sebald.

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Das Wasserstoff-Netz, das die Umstellung möglich macht

Der Umbau ist nur möglich, weil Hamburg als eine der ersten Städte Deutschlands eine funktionierende Wasserstoff-Infrastruktur aufbaut. Das Wasserstoff-Industrie-Netz HH-WIN, das der örtliche Verteilnetzbetreiber Hamburger Energienetze GmbH errichtet, soll 2027 mit einer initialen Leitungslänge von 40 km im Hafengebiet in Betrieb gehen. Aktuell sind 18 km Leitung fertiggestellt, wobei zum Teil aufwendige Tunnelbauten unter der Hafenbahn zum Einsatz kommen. Bis 2031 soll das Netz auf 60 km wachsen.

Das Hamburger Wasserstoffnetz ist als Teil des nationalen Wasserstoff-Kernnetzes konzipiert. Das heißt, dass es über das Gas-Fernleitungssystem mit Energiezentren in ganz Deutschland verbunden wird. Hamburger Unternehmen sollen so Wasserstoff von verschiedenen Anbietern beziehen können, zusätzlich zu Importen via Seeterminal oder aus lokaler Produktion.

Ein wichtiges Projekt für die lokale Versorgung ist der Großelektrolyseur am ehemaligen Kraftwerksstandort Moorburg, dessen Bau im Dezember 2025 begonnen hat.

Was Tesa zum Testfall macht

Tesa ist nicht das erste Unternehmen, das auf Wasserstoff setzt, und Hamburg ist nicht der einzige Standort mit Wasserstoff-Ambitionen. Spannend ist die Konstellation: Ein mittelgroßer Industriebetrieb stellt seine gesamte Energieversorgung um, und zwar nicht auf einen einzelnen Ersatzbrennstoff, sondern auf ein integriertes System aus vier Technologien. Das dürfte für viele produzierende Unternehmen in Deutschland „näher“ sein als die großen Leuchtturmprojekte der Schwerindustrie, zum Beispiel aus der Stahl- oder Raffineriebranche.

Dass tesa diesen Schritt jetzt geht, ist nicht selbstverständlich: Andernorts werden Wasserstoffprojekte zurückgestellt oder ganz gestoppt. tesa-CEO Kourosh Bahrami sieht die Transformation dennoch als notwendig: „Wer innovative Klebelösungen in gleichbleibend hoher Qualität liefern will, braucht eine sichere, planbare und zunehmend klimaneutrale Energieversorgung.“

Ob das Konzept aufgeht, werden Interessierte ab 2027 beobachten können. Dann soll der erste grüne Wasserstoff durch die HH-WIN-Leitungen zu Tesa fließen. Der Klebeband-Hersteller reiht sich damit ein in eine wachsende Liste Hamburger Klimaprojekte: von der 100-MW-Elektrolyse in Moorburg über industrielle Abwärmenutzung bei Aurubis bis hin zu den Brennstoffzellen-Fahrzeugen der HHLA im Hafen. Seit dem Volksentscheid vom Oktober 2025 will die Stadt bis 2040 klimaneutral sein; fünf Jahre früher als ursprünglich geplant. In diesem Tempo könnte es klappen.



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