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Bau

Neue A14-Fahrbahn fertig, doch zunächst fahren hier Mopeds und Traktoren

05. September 2026

Die Elbquerung bei Wittenberge während des Baus der neuen A14-Brücke im April 2025
Die Elbquerung bei Wittenberge während des Baus der neuen A14-Brücke im April 2025. Direkt daneben verläuft die bestehende B189-Elbbrücke, die ab September 2026 abgerissen und ersetzt wird. Foto: picture alliance / imageBROKER | Holger Weitzel
Bei Wittenberge wird eine 1,1 km lange Elbbrücke abgerissen. Deshalb dient die neue A14 vorerst als Bundesstraße – sogar für Mopeds und Traktoren.
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Zwischen Seehausen und Wittenberge ist ein 10,8 km langer Abschnitt der künftigen A14 bereits befahrbar. Zur Autobahn wird er vorerst trotzdem nicht. Stattdessen übernimmt die neue Strecke den Verkehr der B189, einschließlich Mopeds und landwirtschaftlicher Fahrzeuge. Der Grund steht direkt daneben: Eine 1,1 km lange Elbbrücke muss abgerissen und neu gebaut werden.

Die Fahrbahn ist neu, die Elbbrücke ebenfalls. Und trotzdem fahren zwischen Seehausen-Nord und Wittenberge derzeit keine Fahrzeuge auf der A14, sondern auf der B189.

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Seit dem 31. August 2026 läuft der Verkehr der Bundesstraße über die bereits fertiggestellte östliche Richtungsfahrbahn der künftigen Autobahn. Auf rund 10,8 km wird sie in beiden Richtungen befahren. Dabei geht es auch über die neue A14-Elbbrücke.

Weil die Strecke vorerst als Bundesstraße betrieben wird, dürfen dort Fahrzeuge fahren, die auf einer Autobahn normalerweise nicht zugelassen sind. Dazu gehören Mopeds und landwirtschaftliche Fahrzeuge. Die ungewöhnliche Lösung ist nötig, weil nur wenige Meter daneben ein anderes Großprojekt beginnt: Die alte Elbbrücke der B189 wird vollständig abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Inhaltsverzeichnis

1,1 km lange Elbbrücke wird gesperrt

Am 8. September 2026 wird die bisherige B189-Elbbrücke zwischen Geestgottberg in Sachsen-Anhalt und Wittenberge in Brandenburg vollständig gesperrt. Danach beginnt der eigentliche Rückbau. Offiziell gestartet ist das Gesamtprojekt bereits am 29. Juni 2026.

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Die vorhandene Brücke stammt aus dem Jahr 1978 und misst rund 1.110 m. Nach Angaben der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt (LSBB) ist sie die längste Straßenbrücke, die in der DDR gebaut wurde.

Der Brückenzug besteht aus einer rund 410 m langen Strombrücke über die Elbe, einer etwa 694 m langen Vorlandbrücke und einem kurzen weiteren Teilbauwerk am Widerlager. Nach fast fünf Jahrzehnten reicht die vorhandene Konstruktion für die künftigen Anforderungen nicht mehr aus.

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AKR und Probleme mit der Tragfähigkeit

Die LSBB nennt mehrere Gründe für den Ersatz. Teile der Brücke gelten als mindertragfähig. Zudem sind seit mehr als zehn Jahren Schäden durch eine Alkali-Kieselsäure-Reaktion, kurz AKR, bekannt.

Dabei reagieren bestimmte Bestandteile der Gesteinskörnung mit Alkalien im Beton. Das entstehende Gel kann Wasser aufnehmen und quellen. Dadurch können Spannungen und Risse im Beton entstehen.

Hinzu kommen weitere Schwachpunkte. Nach Angaben der LSBB lassen sich die Ermüdungssicherheit und die Widerstandsfähigkeit gegen einen Schiffsanprall nach heutigen Vorschriften für die bestehende Konstruktion nicht mehr nachweisen. Auch Fahrbahnbelag, Kappen, Lager und Fahrbahnübergänge wurden über längere Zeit nicht erneuert.

Eine Ertüchtigung für die Anforderungen einer offiziellen Autobahnumleitungsstrecke scheidet laut LSBB aus. Dass ältere Brücken heute durch steigende Belastungen und veränderte technische Anforderungen an ihre Grenzen kommen, zeigt sich derzeit an vielen Stellen. Am Autobahnkreuz Memmingen wird beispielsweise eine mehr als 50 Jahre alte Rampenbrücke unter laufendem Verkehr ersetzt.

92 m Brücke kommen auf einen Ponton

Besonders aufwendig ist der Rückbau der Strombrücke. Zunächst werden Materialproben genommen und Hilfsstützen errichtet. Danach verschwinden Asphalt, Geländer, Fahrzeugrückhaltesysteme und Brückenkappen.

Die Vorlandbrücke wird anschließend Feld für Feld zerlegt. Zunächst wird die Fahrbahnplatte abgebrochen. Danach können Teile der Stahlkonstruktion ausgehoben und für den Abtransport zerlegt werden.

Über der Elbe ist ein anderes Verfahren vorgesehen. Aus der Strombrücke wird ein etwa 92 m langes Segment herausgetrennt. Dieses Brückenstück wird auf einen Ponton abgesenkt, ans Ufer transportiert und dort weiter zerlegt.

Die beiden verbleibenden Teile der Strombrücke werden anschließend aus ihrer bisherigen Position gezogen: das nördliche Randfeld nach Norden, das südliche nach Süden. Rund acht Monate sind allein für den vollständigen Rückbau vorgesehen.

Warum direkt daneben wieder eine zweite Brücke entsteht

Auf den ersten Blick stellt sich eine naheliegende Frage: Warum investiert der Bund rund 120 Mio. € in eine neue 1,1 km lange Straßenbrücke, wenn unmittelbar daneben gerade eine neue A14-Elbbrücke fertiggestellt wurde? Der Grund liegt in den unterschiedlichen Aufgaben beider Verbindungen.

Die A14 soll künftig vor allem den überregionalen Verkehr aufnehmen. Die heutige B189 bleibt dagegen für den örtlichen und landwirtschaftlichen Verkehr wichtig. Auch Fahrzeuge, die eine Autobahn nicht benutzen dürfen, brauchen weiterhin eine Elbquerung.

Hinzu kommt die Lage. Die nächsten Straßenbrücken über die Elbe liegen weit entfernt. Die heutige B189-Trasse soll deshalb auch künftig als Ausweichverbindung dienen, falls die A14 ganz oder teilweise gesperrt werden muss.

Nach Fertigstellung der Autobahn wird die heutige B189 abgestuft. Auf sachsen-anhaltischer Seite wird sie Teil der L38. Auf brandenburgischer Seite läuft die Verbindung als Landesstraße weiter.

Eine ähnliche Herausforderung stellt sich bei vielen großen Ersatzneubauten: Neue Brücken müssen entstehen, während der Verkehr möglichst weiterläuft. Bei den geplanten neuen Hamburger Elbbrücken wird deshalb ebenfalls in mehreren Bauphasen gebaut und der Verkehr zwischen alten und neuen Überbauten verschoben.

Neue Brücke wird exakt 1109 m lang

Die neue Straßenbrücke soll nahezu dieselben Dimensionen wie das heutige Bauwerk erhalten. Nach aktuellen Angaben der Länder wird sie exakt 1109 m lang. Zwischen den Geländern beträgt die Breite 13,80 m. Auf der Ostseite entsteht zusätzlich ein 3 m breiter Geh- und Radweg.

Die neue Brücke verbindet weiterhin Sachsen-Anhalt mit Brandenburg. Für Planung und Bau müssen deshalb beide Länder zusammenarbeiten; die Unterhaltung liegt aufgrund einer Verwaltungsvereinbarung bei Sachsen-Anhalt.

Nach den veröffentlichten Planungsunterlagen der LSBB besteht das Bauwerk wiederum aus einer Strom- und einer Vorlandbrücke. Für die Strombrücke ist eine Stahlverbundkonstruktion mit drei Feldern und Stützweiten von 126 m, 160 m und 126 m vorgesehen.

Der Überbau soll im Taktschiebeverfahren entstehen. Dabei wird die Brückenkonstruktion abschnittsweise hinter einem Widerlager hergestellt und anschließend Stück für Stück über die Pfeiler geschoben. Die fast 694 m lange Vorlandbrücke ist als Spannbetonkonstruktion geplant.

Nur 5,30 m zwischen B189 und A14

Beim Bau steht nur wenig Platz zur Verfügung. Die neue B189-Brücke entsteht unmittelbar östlich der neuen A14-Elbbrücke. Nach den Planungsunterlagen der LSBB beträgt der lichte Abstand zwischen den beiden Bauwerken im Bereich des Stroms lediglich 5,30 m.

Auf der einen Brücke rollt während der Bauzeit der umgeleitete Straßenverkehr. Direkt daneben wird zunächst die alte Brücke zerlegt und anschließend die neue gebaut.

Die Konstruktion der neuen B189-Brücke orientiert sich dabei weitgehend am Bestand. Widerlager- und Stützenstandorte sollen grundsätzlich erhalten bleiben.

Der Bund stellt rund 120 Mio. € bereit

Für den Ersatzneubau stellt der Bund nach Angaben der Länder rund 120 Mio. € bereit. Zum Projekt gehören neben der neuen Brücke auch der Abriss des Bestandsbauwerks und die Anpassung der Straßenanschlüsse auf beiden Seiten der Elbe.

Die Verkehrsfreigabe der neuen Verbindung ist für Herbst 2029 vorgesehen. Damit liegt der Ersatzneubau zeitlich genau zwischen den Arbeiten an der A14 und deren vollständiger Inbetriebnahme.

Erst Bundesstraße, später Autobahn

Die östliche Richtungsfahrbahn der A14 ist bereits fertig und übernimmt nun den Verkehr der B189. Die westliche Richtungsfahrbahn soll nach Angaben der DEGES Ende 2027 folgen. Trotzdem wird der Abschnitt dann noch nicht regulär als Autobahn freigegeben. Zunächst muss die neue Straßenbrücke nebenan fertig werden.

Erst wenn der örtliche, landwirtschaftliche sowie der Fuß- und Radverkehr wieder über die bisherige B189-Trasse geführt werden kann, endet das Provisorium auf der A14. Bis dahin überqueren Fußgänger und Radfahrer die Elbe über die Eisenbahn-Elbbrücke in Wittenberge.

Dass eine fertige Brücke noch lange keine fertige Verkehrsverbindung ergibt, zeigte zuletzt auch ein anderes Projekt in Brandenburg: Bei Wust war eine 65 m lange Brücke bereits 2023 fertig, die Straßenanschlüsse fehlten jedoch fast drei Jahre.

Bei Wittenberge ist die Situation umgekehrt: Die neue Strecke wird bewusst früher genutzt. Für mehrere Jahre übernimmt ein Stück der künftigen Autobahn deshalb die Aufgabe der Bundesstraße.

Quellen



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