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Für 60 Jahre geplant, nach 6 Jahren gesperrt: Was ist bei dieser Holzbrücke schiefgelaufen?

04. September 2026

Wildbrücke bei Thyrow
Die Grünbrücke bei Thyrow überspannt die vierspurige B101 und eine parallel verlaufende Straße. Das rund 50 m breite Holztragwerk wurde 2019 fertiggestellt; seit Ende Juli 2026 ist der Bereich wegen Rissen im Tragwerk gesperrt. Foto: picture alliance/dpa | Georg-Friedrich Moritz
Die Wildbrücke bei Thyrow ist erst sechs Jahre alt. Trotzdem ist die B101 wegen Rissen gesperrt. Die Ursache bleibt bislang ungeklärt.
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Die Grünbrücke bei Thyrow war als langlebiges Ingenieurbauwerk gedacht. In der damaligen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung wurde für die Holzkonstruktion mit einer Nutzungsdauer von rund 60 Jahren gerechnet. Nach nur etwa sechs Jahren Nutzung steht nun eine aufwendige Reparatur an.

Seit dem 31. Juli 2026 ist die B101 im Bereich der Brücke vollständig gesperrt. Bei einer Bauwerksprüfung waren Risse im Holztragwerk aufgefallen. Eine anschließende Schadensanalyse ergab, dass Stand- und Tragsicherheit nicht ausreichend gewährleistet waren. Daraufhin wurden auch die parallel verlaufende Gemeindestraße und die Grünbrücke selbst gesperrt.

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Die Ursache ist bis heute nicht geklärt. Das Brandenburger Infrastrukturministerium bestätigt ausdrücklich, dass die Untersuchungen weiterlaufen. Immerhin ist seit dem 2. September klar, wie die Brücke gerettet werden soll, damit die Straße wieder genutzt werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Eine Grünbrücke aus Holz über vier Fahrstreifen

Das Bauwerk entstand zusammen mit der Ortsumgehung Thyrow. Die neue B101 wurde im Dezember 2018 freigegeben, Restarbeiten an der Grünbrücke liefen bis Sommer 2019. Die DEGES bezeichnete das Bauwerk bereits damals als „aufwendige Holzkonstruktion“.

Die Brücke besteht aus zwei parallel angeordneten, überschütteten Holztragwerken. Sie führt Tiere über die neue B101 und die danebenliegende alte Bundesstraße. Getragen wird die Konstruktion von insgesamt 80 Bogenbindern aus Brettschichtholz. Auf ihnen liegen Brettsperrholzplatten. Darüber folgen Abdichtungs- und Schutzschichten sowie die Erdauflage mit Vegetation.

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Die Brücke ist rund 50 m breit und trägt eine Grünfläche von etwa 2350 m². Bei ihrer Fertigstellung galt sie als größte Holz-Grünbrücke Europas. Die Baukosten werden in aktuellen Berichten mit rund 8,2 Mio. € angegeben.

Feuchtigkeit spielt bei Holzbrücken eine zentrale Rolle

Holzbrücken sind heute keine einfachen Zimmermannskonstruktionen mehr. Moderne Bauwerke arbeiten mit definierten Abdichtungen, Drainagen, geschützten Anschlüssen und teilweise mit Feuchtemonitoring.

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Wie wichtig dieser Punkt ist, haben wir bereits im Beitrag „Holzbrücken galten als Auslaufmodell, jetzt erleben sie ein Comeback“ beschrieben. Dort zeigt sich: Nicht der Baustoff Holz allein ist kritisch, sondern vor allem der Umgang mit Feuchtigkeit, Anschlüssen und Dauerhaftigkeit.

Auch bei Thyrow wurde das Tragwerk gegen Feuchtigkeit geschützt. Über den Holzbauteilen liegen mehrere Abdichtungs- und Drainageschichten. In den damaligen Fachunterlagen war zudem ein Feuchtemonitoring vorgesehen. Ob Feuchtigkeit bei den aktuellen Schäden eine Rolle spielt, ist allerdings nicht bekannt.

Was über die Risse bekannt ist

Öffentlich bestätigt ist bislang nur, dass Risse im Holztragwerk festgestellt wurden und ihre Ursache noch nicht geklärt ist.

Nicht veröffentlicht sind dagegen wichtige technische Details:

  • wie viele Bauteile betroffen sind,
  • wo genau die Risse liegen,
  • welche Breiten und Tiefen gemessen wurden,
  • wie sich die Schäden seit früheren Prüfungen entwickelt haben,
  • welche Ergebnisse die weitergehenden Untersuchungen bislang erbracht haben.

Für eine fachliche Einordnung wären solche Angaben wichtig. Bei Holztragwerken hängt die Bedeutung eines Risses unter anderem von Lage, Tiefe, Orientierung und Beanspruchung des betroffenen Bauteils ab.

Warum die B101 komplett gesperrt wurde

Die Vollsperrung ist eine direkte Folge der statischen Unsicherheit. Solange Stand- und Tragsicherheit des Bauwerks nicht ausreichend nachgewiesen sind, bleibt der Verkehr unter der Brücke aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen.

Das hat erhebliche Folgen für die Region. Die B101 ist eine wichtige Verbindung zwischen Berlin und dem südlichen Brandenburg. Der Umleitungsverkehr belastet umliegende Orte und Nebenstraßen.

Mittlerweile prüfte das Land deshalb auch andere Lösungen, darunter eine provisorische Umfahrung und eine Entlastung des Tragwerks durch das teilweise Entfernen der Erdauflage.

Risse sollen jetzt verpresst werden

Seit dem 2. September steht das Sicherungskonzept fest. Die Risse im Holztragwerk sollen mit einem speziellen Verfahren verpresst und geschlossen werden. Falls erforderlich, wird die Konstruktion zusätzlich verstärkt. Nach Angaben des Infrastrukturministeriums bewertet die DEGES diese Lösung als schnellste, kostengünstigste und technisch geeignetste Variante.

Die Arbeiten erfolgen in zwei Schritten. Zunächst wird ein Teil der Grünbrücke gesichert. Dadurch soll die weiträumige Umleitung bereits Anfang Oktober verkürzt werden können.

Wenn anschließend auch der zweite Teil des Tragwerks gesichert ist und die Arbeiten planmäßig verlaufen, soll die B101 bis Mitte November 2026 wieder vollständig freigegeben werden. Die Sicherung löst damit zunächst das Verkehrsproblem. Die Frage nach der Schadensursache wird noch ermittelt.

Welche Alternativen geprüft wurden

Vor der Entscheidung für das Verpressen hatte die DEGES mehrere Varianten untersucht. Dazu gehörten eine zusätzliche Unterstützung des Tragwerks, das teilweise Entfernen der Erd- und Auflasten sowie eine bauwerksnahe Umfahrung.

Gerade die mögliche Ablastung zeigt, welche Rolle die Erdüberschüttung bei einer Grünbrücke spielt. Die Vegetations- und Bodenschichten gehören zum Konzept des Bauwerks, wirken aber gleichzeitig dauerhaft als Last auf das Tragwerk. Das Land entschied sich schließlich dafür, die vorhandene Konstruktion zu sichern und zu erhalten.

Gab es ein laufendes Feuchtemonitoring?

Für die weitere Ursachenanalyse könnte ein anderer Punkt interessant werden. In Fachunterlagen aus der Planungszeit war ein Feuchtemonitoring für die Brücke vorgesehen. Öffentlich bekannt ist bislang jedoch nicht, ob dieses System während der gesamten Betriebszeit kontinuierlich genutzt wurde und welche Daten vorliegen.

Sollten entsprechende Messwerte verfügbar sein, könnten sie zeigen, ob sich die Holzfeuchte im Laufe der Jahre auffällig verändert hat. Auch der Fachbeitrag „Der perfekte konstruktive Schutz“ zeigt, welche Rolle Abdichtungen, Wasserableitung und Feuchtemonitoring für moderne Holzbrücken spielen.

Kein generelles Urteil über Holzbrücken

Der Fall Thyrow ist ungewöhnlich, lässt aber noch keinen Schluss auf Holzbrücken insgesamt zu. Moderne Holzbrücken können langlebig sein, wenn konstruktiver Holzschutz, Abdichtung, Entwässerung und Wartung funktionieren. Das zeigen zahlreiche aktuelle Projekte.

Ob in Thyrow ein Materialproblem, eine konstruktive Besonderheit, Feuchtigkeit, eine Verbindung oder ein anderer Einfluss für die Risse verantwortlich ist, steht bislang nicht fest.

Fest steht nur: Ein vergleichsweise junges Bauwerk musste wegen statischer Unsicherheiten vollständig gesperrt werden. Die Reparatur beginnt jetzt. Die eigentliche technische Erklärung steht noch aus.

Quellen



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