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13.000 Jahre altes Klimarätsel: Neue Spur führt ins All

24. Oktober 2026

Was löste vor 13.000 Jahren eine lange Kaltzeit aus? Neue Funde aus Schweden bringen eine umstrittene Einschlaghypothese zurück in die Diskussion.
Ein Komet mit hellem Schweif über dem Crater Lake in Oregon (USA). Forschende untersuchen, ob ein kosmisches Ereignis vor rund 13.000 Jahren zum Beginn einer lang anhaltenden Kaltzeit beigetragen haben könnte. Foto: picture alliance / ZUMAPRpicture alliance / ZUMAPRESS.com | Robin Loznak
Was löste vor 13.000 Jahren eine lange Kaltzeit aus? Neue Funde aus Schweden bringen eine umstrittene Einschlaghypothese zurück in die Diskussion.
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Vor rund 13.000 Jahren kehrte die Kälte auf die Nordhalbkugel zurück – und blieb etwa 1200 Jahre. Was den plötzlichen Klimawechsel auslöste, ist bis heute umstritten. Nun haben Forschende in Schweden winzige Schmelzkügelchen und ungewöhnliche Platinanreicherungen entdeckt. Sie vermuten dahinter ein kosmisches Ereignis.

Drei Zentimeter Sediment, winzige Schmelzkügelchen und auffällig viel Platin: In einem schwedischen Moor haben Forschende Spuren entdeckt, die möglicherweise von einem Ereignis außerhalb der Erde stammen. Das Besondere ist ihr Alter. Die Partikel wurden vor rund 12.900 Jahren abgelagert – ungefähr zu der Zeit, als sich das Klima auf der Nordhalbkugel plötzlich stark abkühlte.

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Dieser Kälteeinbruch ist als Jüngere Dryaszeit bekannt. Damals hatte die Erde bereits begonnen, sich von der letzten Eiszeit zu erholen. Doch die Temperaturen sanken erneut, und in Teilen Europas breiteten sich wieder kaltzeitliche Bedingungen aus. Erst rund 1200 Jahre später endete diese Phase.

Was die Abkühlung verursachte, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Ein internationales Forschungsteam um Christopher Moore von der University of South Carolina bringt nun einen möglichen kosmischen Einschlag ins Spiel. Die Ergebnisse wurden am 30. September 2026 im Fachjournal ScienceOpen Research veröffentlicht.

Inhaltsverzeichnis

Winzige Schmelzkügelchen geben Rätsel auf

Die Forschenden untersuchten einen Sedimentkern aus dem Moor Körslättamossen im Süden Schwedens. Dort haben sich über Jahrtausende Ablagerungen angesammelt. Ihre Zusammensetzung gibt Hinweise auf frühere Umweltbedingungen und Ereignisse. Besonders interessant war eine etwa 3 cm dicke Schicht. Das Forschungsteam datierte ihren Beginn mithilfe eines statistischen Altersmodells auf rund 12.860 Jahre vor 1950, mit einer Unsicherheit von etwa 54 Jahren.

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In dieser Schicht entdeckten die Wissenschaftler zahlreiche winzige Kügelchen aus eisen- und siliziumhaltigem Material. Manche besitzen verästelte Kristallstrukturen, wie sie entstehen können, wenn geschmolzenes Material rasch abkühlt. Hinzu kamen Nanopartikel mit ungewöhnlichen Konzentrationen von Platin und verwandten Metallen. Bei mehreren Elementen registrierten die Forschenden Werte, die etwa fünf- bis zehnmal höher lagen als in benachbarten Sedimentschichten.

Die chemische Untersuchung lieferte ein interessantes Ergebnis: Die meisten Schmelzkügelchen bestehen offenbar aus Material irdischen Ursprungs. Einige platinreiche Bestandteile zeigen dagegen Elementverhältnisse, die sich mit denen bestimmter Meteoriten überschneiden. Könnten die Teilchen also bei einem Einschlag oder der Explosion eines Himmelskörpers in der Atmosphäre entstanden sein? Die Forschenden halten das für möglich.

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Warum liegen die Platinpartikel weiter oben?

Eine weitere Auffälligkeit steckt in der Verteilung der Partikel. Die meisten Schmelzkügelchen fanden sich im unteren Teil der untersuchten Schicht. Die größte Masse an Nanopartikeln mit Metallen der Platingruppe registrierte das Team dagegen etwa 1 bis 2 cm darüber.

Die Autoren vermuten, dass sich unterschiedliche Partikelgrößen nach einem gemeinsamen Ereignis zeitlich versetzt abgelagert haben könnten. Größere Teilchen würden demnach früher zu Boden gelangen als besonders kleine.

Das ist eine mögliche Erklärung für die ungewöhnliche Schichtenfolge, aber kein eindeutiger Nachweis. Auch andere Prozesse können beeinflussen, wie Partikel in einem Moor abgelagert oder innerhalb der Sedimente verlagert werden.

Fest steht zunächst, dass die Forschenden in einer eng begrenzten Sedimentschicht ungewöhnliche geochemische Signale nachgewiesen haben. Ob tatsächlich Material aus dem All daran beteiligt war, lässt sich daraus allein nicht sicher ableiten.

Der Laacher-See-Vulkan brach rund 150 Jahre früher aus

Der schwedische Sedimentkern enthält noch eine weitere Spur: Asche des Laacher-See-Vulkans aus der heutigen Eifel. Sie liegt etwa 6 bis 10 cm unter der auffälligen Partikelschicht. Der gewaltige Vulkanausbruch ereignete sich vor ungefähr 13.000 Jahren. Lange wurde diskutiert, ob die freigesetzten Schwefelverbindungen und Aerosole den anschließenden Kälteeinbruch ausgelöst haben könnten.

Die neuen Analysen zeigen jedoch, dass zwischen dem Ausbruch und der Ablagerung der platinreichen Partikel etwa 150 Jahre lagen. Oberhalb der jüngeren Schicht fanden die Wissenschaftler wiederum Hinweise auf kältere und feuchtere Bedingungen.

„This demonstrates that the volcanic eruption and the Younger Dryas Boundary were separate events“, erklärt Studienleiter Christopher Moore in einer Pressemitteilung der University of South Carolina vom Oktober 2026. Übersetzt bedeutet das, dass der Vulkanausbruch und die geochemisch auffällige Grenzschicht zwei getrennte Ereignisse waren.

Neu ist diese zeitliche Trennung allerdings nicht. Bereits frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass der Laacher-See-Ausbruch deutlich vor der Jüngeren Dryas stattfand. Darüber berichtete ingenieur.de im Beitrag Hessener Höhle enthüllt Spuren des Laacher-See-Vulkan-Ausbruchs.

Der schwedische Sedimentkern ergänzt diese Erkenntnisse um einen weiteren Fundort. Er dokumentiert die Vulkanasche, die auffällige Partikelschicht und die nachfolgenden Umweltveränderungen innerhalb desselben Sedimentprofils.

Ein kosmischer Einschlag? Fachleute widersprechen

Die Vermutung eines Einschlags vor rund 12.900 Jahren beschäftigt die Wissenschaft schon länger. Nach der sogenannten Younger Dryas Impact Hypothesis könnte damals ein Asteroid oder Komet mit der Erde kollidiert oder in der Atmosphäre explodiert sein.

Befürworter verweisen auf Schmelzpartikel, ungewöhnliche Platinanreicherungen und weitere mögliche Einschlagspuren, die an verschiedenen Orten der Erde gefunden wurden. Die schwedischen Ergebnisse passen nach Ansicht des Forschungsteams zu diesen Befunden. Allerdings ist die Hypothese stark umstritten.

Eine umfangreiche Übersichtsarbeit im Fachjournal Earth-Science Reviews kam 2023 zu dem Ergebnis, dass die bisherigen Hinweise keinen überzeugenden Nachweis für einen großen Einschlag liefern. Die Autoren kritisierten unter anderem unsichere Datierungen und Partikel, die auch durch irdische Prozesse entstehen können. Zudem ist kein allgemein anerkannter Einschlagkrater bekannt, der dem vermuteten Ereignis zugeordnet werden kann.

Auch die Beteiligung extraterrestrischen Materials würde noch nicht beweisen, dass ein großer Einschlag die Kaltzeit ausgelöst hat. Schließlich gelangt ständig kosmischer Staub auf die Erde.

Neue Studie bringt Vulkanausbrüche wieder ins Spiel

Eine weitere Untersuchung vom April 2026 zeigt, dass es auch für eine andere Erklärung neue Hinweise gibt. Forschende der Texas A&M University analysierten Sedimente aus Florida und verglichen sie mit Funden aus Texas. Dabei untersuchten sie unter anderem das Verhältnis verschiedener Osmium-Isotope. Diese chemischen Signaturen können Hinweise auf die Herkunft des abgelagerten Materials liefern.

Die Ergebnisse passen nach Ansicht des Forschungsteams zu vulkanischen Aerosolen. Zudem fanden die Wissenschaftler zeitliche Übereinstimmungen mit mehreren großen Vulkanausbrüchen, deren Spuren in grönländischen und antarktischen Eisbohrkernen erhalten sind.

Die Autoren halten es für möglich, dass diese Vulkanausbrüche die Abkühlung mit angestoßen haben. Dabei geht es nicht um den wesentlich früheren Ausbruch des Laacher-See-Vulkans, sondern um andere Eruptionen zur Zeit des Klimawechsels.

Daneben spielt weiterhin die Atlantische Umwälzzirkulation eine wichtige Rolle. Große Mengen Schmelzwasser könnten damals die Bildung von Tiefenwasser im Nordatlantik gestört und damit den Wärmetransport nach Norden verringert haben. Wie stark die Meeresströmungen das Klima beeinflussen, zeigen auch andere Untersuchungen.

Der neue Fund aus Schweden liefert vor allem eine genauere Abfolge der damaligen Ereignisse: Zuerst kam die Vulkanasche aus der Eifel, rund 150 Jahre später die ungewöhnliche Partikelschicht, darauf folgten im Sediment Hinweise auf kältere und feuchtere Bedingungen. Ob die Partikel tatsächlich von einem Himmelskörper stammen und mit dem Klimawechsel zusammenhängen, ist damit nicht entschieden.

Quellen



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