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Ifat 2026 in München: Umwelttechnologien treiben Kreislaufwirtschaft voran

08. Mai 2026

Die Ifat 2026 in München präsentiert Innovationen für Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und resiliente Wasserinfrastruktur mit 3 400 Ausstellern.
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„Die Ifat wirft ein Spotlight auf die Umweltindustrie“, sagte Stefan Rummel zur Eröffnung der weltweit größten Umweltmesse. Der Co-Geschäftsführer der Messe betonte, nicht nur Apps seien wichtig: „Unsere Zukunft wird auch durch sauberes Wasser, ausreichend Rohmaterial und eine funktionierende Kreislaufwirtschaft bestimmt.“ Hier sieht Rummel viele Herausforderungen und verwies auf ein lokales Vorbild: die Isar. In diesem durch München fließenden Fluss könne gesundheitlich unbedenklich gebadet werden. „Das ist längst nicht überall eine Selbstverständlichkeit.“

Inhaltsverzeichnis

Rund 3 400 Aussteller – überwiegend aus dem Ausland – präsentierten auf etwa 300 000 m2 Lösungen für eine entsprechende Zukunft. Sie waren in der Regel gut gestimmt. Sie hofften auf gute Geschäfte und darauf, dass sich die Rahmenbedingungen für ihre Geschäfte in Deutschland, der EU und weltweit verbessern. In diesem Sinne haben Aussteller sowie Besucherinnen und Besucher die Messe vielfach genutzt. „Unternehmen, Politik, Kommunen und Verbände können sich hier vernetzen und koordinieren“, weiß auch Carsten Schneider, Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

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Nicht nur Schneider zeigte sich auf seinem Rundgang von den vielen sinnvollen Ideen der engagierten Unternehmen begeistert − sondern auch Jessica Roswall. Die EU-Kommissarin für Umwelt, Wasserresilienz und eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft erklärte auch, was die EU-Kommission mit ihrer kommenden Wasserstrategie erreichen will: Wasser soll effizienter genutzt und verstärkt wiederverwendet werden. Aktuell geht in der EU rund ein Viertel des Wassers durch Lecks verloren und nur 2,5 % des Abwassers werden wieder genutzt. Auch Geschäftsmodelle für die Kreislaufwirtschaft will die Kommission fördern.

Bundesumweltminister Schneider ergänzte, Umwelttechnologien seien Kernvoraussetzungen für Souveränität, Sicherheit und Wohlstand. Er betonte auch, die Bundesregierung sei sich bei dem Aktionsprogramm ihrer nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie fast einig. Strittig sei etwa noch, inwieweit die öffentliche Hand bei Aufträgen vorrangig Recyclingprodukte einfordern muss.

Ein kleiner Rundgang

Das Unternehmen Aerzen aus Niedersachsen präsentierte neue Turbogebläse für eine ressourcenschonendere Aufarbeitung von Abwässern. Hochwertige Rohstoffe will die Eggersmann Recycling Technology aus Nordrhein-Westfalen aus Schlacken der Müllverbrennung zurückgewinnen. Primobius, Anlagenbauer aus Nordrhrein-Westfalen, will Schwarzmasse aus dem Batterierecycling veredeln. Korn Recycling aus Baden-Württemberg zeigte, wie sich Batterien und Akkus − gestützt durch Künstliche Intelligenz (KI) − aus gemischten Stoffströmen aussortieren lassen. Mall, ebenfalls aus Baden-Württemberg, bietet optimierte Sickerelemente für Regenwasser an.

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Das junge Unternehmen Arcus Greencycling Technologies aus Hessen bringt das chemische Recycling voran. Co-reactive aus Nordrhein-Westfalen wandelt CO2 in hochleistungsfähige zementäre Zusatzstoffe um. Hanit aus Rheinland-Pfalz stellte langlebige Produkte wie Kabelschutzplatten aus gemischtem Recyclingkunststoff vor. Mehrere Firmen, beispielsweise Jacobi aus Schweden oder grünbeck aus Bayern, haben Verfahren im Angebot, per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (Pfas) aus Wasser zu entfernen. Der Anlagenbauer Doosan Lentjes aus Nordrhein-Westfalen zeigte, wie sich Müll und Klärschlamm effizienter verbrennen lassen.

Ein Start-up EveryCarbon aus Baden-Württemberg gewinnt mit bakterieller Hilfe einen Alkohol etwa aus Abfällen der Landwirtschaft und von Klärwerken. Die bayerische Huber SE stellte einen Abwasserwärmeaustauscher vor und bietet Filter für die vierte Reinigungsstufe an. Lutz-Jesco aus Niedersachsen hat Komponenten zur sicheren Dosierung von Chlorgas im Angebot. Sie stellte auch eine Elektrolysanlage zur Desinfektion dezentraler Wasserversorgungsanlagen vor.

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Das Unternehmen Reverion aus Bayern bot neue Brennstoff- und Elektrolysezellen für Biogasanlagen an. Die Roither Maschinenbau aus Österreich mit ihrer Marke Austropressen perfektionierte das Pressen etwa von Müll, Dosen oder Schaumstoff. Tsurumi, japanischer Pumpenhersteller, präsentierte robuste Pumpen für Abwasser mit hohem Feststoff- und Faseranteil. Im Freigelände zeigten mehrere Unternehmen, leichte und schwerere Fahrzeuge, die sich dank Elektrizität oder Wasserstoff fortbewegen.

Vieles Neues wurde auf der IFAT 2026 präsentiert. Hier haben Mitarbeitende der Aerzener Maschinenfabrik aus Aerzen, Niedersachsen, mit Konfettiregen neue Turbolüfter für Kläranlagen enthüllt.

Prioritär: resiliente Wasserinfrastruktur

Die Resilienz von Leitungen und Wassersystemen gehört zu den großen Herausforderungen der Zeit. Zum einen braucht es Schutz vor gezielten Eingriffen in die Infrastruktur, etwa durch physische Sabotage oder Cyberangriffe. Zum anberen werden Lösungen mit Blick auf Starkregen, Überschwemmungen, extreme Hitze und Wassermangel gesucht.

„Die Ifat hat hier erneut gezeigt, wie wertvoll sie als Weltleitmesse für den Austausch und die Weiterentwicklung zentraler Zukunftsthemen ist“, sagt Rainer Köhler, Vorstand Technologie Huber SE. Die Wasser- und Abwasserwirtschaft sowie die Abfall- und Recyclingbranche spielten eine Schlüsselrolle bei der Stärkung der Kreislaufwirtschaft und Klimaresilienz. „Wasser, Energie, Umwelt und Klima gehören zu den drängendsten Aufgaben unserer Zeit – und genau hier setzt die Ifat wichtige Impulse.“

Kreislaufwirtschaft mit ökonomischem Potenzial

Dass sich Kreislaufwirtschaft ökonomisch lohnt, belegt die Studie „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz: Chancen der Circular Economy für die deutsche Industrie“. Die Boston Consulting Group hat sie für den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erstellt. Sie wurde auf der Messe vorgestellt. Demnach könnten Recycling und Wiederverwendung bis 2045 zwischen 20 und 40 % der strategischen Rohstoffimporte ersetzen. Dabei würde sich die zirkuläre Bruttowertschöpfung in Deutschland innerhalb bestehender Industrie- und Wertschöpfungsstrukturen von heute 60 Mrd. € auf bis zu 125 Mrd. € mehr als verdoppeln. Und die zusätzliche Wertschöpfung kann sich kumuliert bis 2045 auf bis zu 880 Mrd. € summieren.

Warten auf Aktionsprogramm für Kreisläufe

Es gab auch Kritik: Das Aktionsprogramm der Bundesregierung zur Kreislaufwirtschaft sei überfällig, so die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK). „Seit mehr als zwei Jahren wartet die Wirtschaft auf dieses Aktionsprogramm“, so DIHK-Bereichsleiter Sebastian Bolay. Die Unternehmen wünschen sich Planungssicherheit und klare Signale aus der Politik, um der Transformation zur Kreislaufwirtschaft den nötigen Schwung zu geben. Das Warten führt hingegen zur Unsicherheit und Investitionen werden zurückgehalten.

Zentral ist für die DIHK die sichere Ausgestaltung der Stoffkreisläufe. Dazu gehört auch die Reduzierung von Brand- und Sicherheitsrisiken im Umgang mit Lithium‑Ionen‑Batterien bei Sammlung, Transport und Recycling. Hier braucht es klare rechtliche Vorgaben, praktikable Standards und eine bessere Verzahnung von Produktverantwortung, Abfallrecht und Arbeitsschutz.

Blick zurück: Sechs Jahrzehnte Innovation, Austausch und Wachstum

Die erste Ifat fand vor 60 Jahren in München statt. Und sie war von Beginn an international ausgerichtet. Auch in diesem Jahr lag der internationale Anteil bei Ausstellern sowie Besucherinnen und Besuchern bei über 50 % – und das trotz aktueller Energiekrise und geopolitischen Konflikten. Zu den Top-3-Ausstellernationen gehörten dieses Jahr nach Deutschland Italien, China und die Niederlande.

„Im 60. Jubiläumsjahr zeigt sich damit eindrucksvoll, wie stark die Ifat Munich international verankert ist“, sagt Ausstellungsdirektor Philipp Eisenmann. „Umwelttechnologien sind, entgegen dem Trend in vielen anderen Branchen, ein relevanter Wachstumsmarkt – und die Ifat Munich ist seit sechs Jahrzehnten die zentrale Plattform dafür.“

Die nächste Weltleitmesse Ifat findet in München vom 29. Mai bis 1. Juni 2028 statt.



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