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Wirecard stellt Insolvenzantrag – Stimmen zum Bilanzskandal

25. Juni 2020

Männliche Hand hält Stapel von Bargeld über dramatischen Wolken und Himmel mit Sonnenstrahlen.
It’s all about money.
Foto: panthermedia.net/Feverpitch
Der Vorstand des Bezahldienstleisters Wirecard hat zugegeben, dass es Bankguthaben in Höhe von 1,9 Milliarden Euro „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit“ nicht gibt. Jetzt hat Wirecard einen Insolvenzantrag gestellt. Bereits Ende vergangener Woche hatte das DAX-Unternehmen stark im Wert verloren. Zwischenzeitlich wurde Ex-Wirecard-Chef Braun festgenommen. Wir blicken auf den Bilanzskandal und haben Stimmen gesammelt.
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Wirecard stellt Insolvenzantrag

Der Vorstand der Wirecard AG hat heute bekanntgegeben, für die Wirecard AG beim zuständigen Amtsgericht München einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen drohender

Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung zu stellen. Es wird ebenfalls geprüft, ob auch Insolvenzanträge für Tochtergesellschaften der Wirecard-Gruppe gestellt werden müssen.

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Der extreme Kursverfall der Wirecard-Aktie in den letzten Tagen wird wohl vor September nicht zu einem Rauswurf aus dem Dax führen. Daran soll auch der Insolvennzantrag nichts ändern. Einige aktive Fonds haben inzwischen Wirecard-Aktien abgestoßen. Die Zusammensetzung des wichtigsten Index für deutsche Aktien wird erst wieder am 3. September überprüft, sagte ein Sprecher der Deutschen Börse. Wirecard wird im September dann aber den Dax verlassen müssen.

Markus Braun wurde festgenommen

Der von der Münchner Staatsanwaltschaft festgenommene ehemalige Wirecard-Vorstandschef Markus Braun wurde festgenommen und will nach Angaben der Ermittler kooperieren. „Er hat im ersten Gespräch seine Mitarbeit zugesagt“, sagte die Sprecherin der Ermittlungsbehörde, Anne Leiding. Der österreichische Manager habe sich am selbst gestellt und sei aus Wien angereist, nachdem er von dem Haftbefehl erfahren habe. Was wird ihm vorgeworfen?

Nach den bisherigen Ermittlungen legt die Staatsanwaltschaft München I Braun zur Last, mit weiteren Tätern die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen der Wirecard AG durch vorgetäuschte Einnahmen aus Geschäften mit sogenannten Third-Party-Acquirern (TPA) aufgebläht zu haben. So sollte das Unternehmen finanzkräftiger dargestellt werden.

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Ob Brauns Festnahme die letzte Meldung in dem Bilanzskandal um Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro ist, bleibt abzuwarten. INGENIEUR.de hat den Bilanzskandal für Sie zusammengefasst.

Wirecard ohne Treuhandkonten in Asien

Der Bilanzskandal um den Bezahldienstleister Wirecard ufert seit Tagen aus. 1,9 Milliarden Euro sind auf den Philippinen verschwunden, und der Treuhänder ebenfalls. Die philippinischen Banken BDO Unibank und Bank of the Philippine Islands haben mitgeteilt, dass der deutsche Dax-Konzern kein Kunde bei ihnen sei.

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Die Wirecard-Aktie bricht daraufhin am Montag, 22. Juni, völlig ein. Im freien Handel büßte Wirecard um weitere 38 % auf 15,10 Euro ein. Bereits die Tage davor brachen die Aktien um bis zu 82 % ein. Damit schrumpft der Börsenwert von Wirecard auf 1,9 Milliarden Euro. Seit Mittwoch, 17. Juni, haben sich somit elf Milliarden Euro in Luft aufgelöst. Die gebeutelten Papiere des Zahlungsabwicklers stiegen am 23. Juni im XETRA-Handel um zeitweise 26,63 % auf 18,29 Euro. Eine leichte Erholung ist also wieder in Sicht.

Über den Fall Wirecard hat INGENIEUR.de in dieser Finanzkolumne bereits berichtet. Der Vertrauensverlust vieler Privatanleger gegenüber den Bilanzierungspraktiken kann nachhaltig sein. Grund der erneuten Talfahrt, ist die Mitteilung des Vorstands des Bezahldienstleisters. Bankguthaben auf Treuhandkonten sollen in Höhe von insgesamt 1,9 Milliarden Euro „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen“. Wirecard war bisher von der Existenz dieser Konten ausgegangen – und hatte sie aktiv als Aktivposten ausgewiesen. Zudem nahm Wirecard die bisherige Einschätzung des Geschäftsjahres 2019 zurück. In der offiziellen Mitteilung heißt es:

Der Geschäftsbericht kann hier eingesehen werden.

Die „Vision 2025“ von Wirecard zu Transaktionsvolumen und Umsatz liegen auf Eis. Wirecard konnte bislang keinen Nachweis über das Bestehen der 1,9 Milliarden Euro erbringen. Gemeinsam mit der Investmentbank Houlihan Lokey prüft Wirecard Möglichkeiten für eine weitere Finanzierungsstrategie des Unternehmens. Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young (E&Y) hatten der Gesellschaft vergangene Woche das Testat für den Jahresabschluss 2019 verweigert, weil Belege für die Treuhandgelder fehlten. Die Prüfer haben Hinweise auf Bilanztäuschung gefunden. Hinzu kam am, dass zwei philippinische Banken mitteilten, nichts von dem fraglichen Geld zu wissen. Daraufhin ging der schon länger in der Kritik stehende Vorstandschef Markus Braun.

Nach dem Hinweis auf mögliche Luftbuchungen muss sich Wirecard auf Ermittlungen einstellen.

Die Finanzaufsicht Bafin zeigt sich entsetzt über den Bilanzskandal. „Das ist ein komplettes Desaster, das wir da sehen, und es ist eine Schande, dass so etwas passiert ist“, sagte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Felix Hufeld, bei einer Konferenz in Frankfurt.

Die Kritik an Bafin, als Rolle der Aufsichtsbehörde, nehme Hufeld an. „Wir sind nicht effektiv genug gewesen, um zu verhindern, dass so etwas passiert“, räumte er ein. Wichtig sei nun rasche Aufklärung.

Was macht Wirecard?

Wirecard wickelt als Dienstleister bargeldlose Zahlungen für Händler ab. Das gilt für sowohl für den stationären Handel als auch im Online-Segment. Das Unternehmen befindet sich bereits seit einem Jahr in Bedrängnis, seit die Londoner „Financial Times“ dem Management in einer Serie von Artikeln Bilanzmanipulationen vorwarf.

Die Wirecard AG ist ein börsennotiertes deutsches Zahlungsdienstleistungsunternehmen und wurde 1999 gegründet. Der Sitz ist in Aschheim bei München. Wirecard bietet Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr, das Risikomanagement sowie die Herausgabe und Akzeptanz von Kreditkarten an.

In die Reihe der bewertenden Analysten reiht sich auch James Goodman von der britischen Bank Barclays ein. Er setzte die Bewertung der Aktie völlig aus. Als Grund nennt er den fehlenden Revisionsabschluss und Bedenken über die Rechnungslegung.

Kurz & knapp: Was ist passiert?

Die Bank, die einen Großteil der Erträge im Auslandsgeschäft mit Hilfe von Treuhändern erzielt hat, kann zum jetzigen Zeitpunkt die auf den Treuhandkonten geparkten Gelder nicht verifizieren. Das heißt, dass der Vorstand nicht weiß, ob das Geld in Höhe von fast zwei Milliarden Euro tatsächlich da ist. Die beiden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, KPMG und E&Y, die sich dem Fall angenommen haben, konnten ebenfalls keine Dokumente finden, die eine solche Schlussfolgerung zulassen.

Der Konzern will nun mit Hilfe der Gläubigerbanken eine Pleite abwenden. Der neue Wirecard-Chef ist James Freis. Er hat den Restrukturierungs-Spezialisten Houlihan Lokey engagiert, um die Gläubigerbanken zu überzeugen. Sollten die Banken die Kredite fällig stellen, ist Wirecard pleite. Wie es weitergeht, berichten wir hier für Sie. Fakt ist aber auch: Wirecard ist seit Monaten Spielball der Hedgefonds und Short-Seller, die auf einen Kursverfall der Aktie spekuliert haben.

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