Mysterium: „Chemisch eigenartige“ Sterne sorgen für unerklärliche Geschichte
11. August 2020

Foto: panthermedia.net/titoOnz
Ob Pflanzen, Tiere oder Menschen: Kein Lebewesen kommt ohne Phosphor aus. Das Element ist im All allerdings sehr selten – dachte man bislang. Ein Team von Wissenschaftlern am Instituto de Astrofísica de Canaria (IAC) und der Universität von La Coruña hat nämlich Erstaunliches entdeckt, was bisherige Theorien über die Galaxie in Frage stellt.
Phosphate halten zudem unsere Erbinformationen, die DNA, zusammen. Das Adenosintriphosphat nimmt eine entscheidende Rolle in unserem Leben ein, denn es ist der Treibstoff, der unsere Muskeln mit Energie versorgt. Phosphor ist also eine Grundvoraussetzung für Leben. Das heißt, wenn das Element in der Galaxie in größeren Mengen als erwartet vorkommt, kann es auch Leben außerhalb unseres Planeten geben? Und noch wichtiger: Wenn dieses wichtige Element so selten ist, wie ist es dann entstanden und auf die Erde gekommen?
Diese Frage haben sich die Wissenschaftler auf Teneriffa zum Anlass genommen, um weiter zu forschen. Was sie herausfanden, wirft alle bisher gekannten Theorien durcheinander: Sterne enthalten eine Menge Phosphor.
15 „chemisch eigenartige“ Sterne entdeckt
In der Milchstraße haben die Astronomen 15 „chemisch eigenartige“ Sterne identifiziert. Der „sehr hohe Phosphor-Anteil“ kann nicht durch bestehende Theorien erklärt werden. Die gesamte Studie ist in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ erschienen.
Masseron und seine Kollegen skizzierten mehrere Modelle, um die phosphorreichen (P-reichen) Sterne zu erklären.
Theorie 1:
Theorie 2:

Sterne aus Phosphor: Forscher können sich das Phänomen nicht erklären
Aus diesem Grund plant das Forscherteam, die Sterne in verschiedenen Wellenlängen des Lichts zu untersuchen, um mehr über ihre chemischen Eigenheiten zu erfahren. Sie hoffen auch, weitere Beispiele für diese ganz besonderen Sterne zu finden, um festzustellen, ob sie zu einer breiteren Familie von Sternen mit ebenso unerklärlichen Geschichten gehören.
Physik neu denken
„Neben den zusätzlichen Beobachtungen, die wir machen, wird es einen weiteren wichtigen Aspekt in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Experten geben, die neue Modelle entwickeln und möglicherweise gänzlich neue physikalische Ansätze implementieren müssen, um das zu reproduzieren, was wir beobachtet haben“, so Masseron.
Die Astronomen analysierten die Infrarotsignaturen einer Reihe von Sternen. Dabei fanden sie 15 phosphorreiche Sterne, die eine Klasse von Objekten darstellen, die noch nie zuvor identifiziert wurden.
Über das Instituto de Astrofísica de Canarias
Das Instituto de Astrofísica de Canarias ist ein astrophysikalisches Forschungsinstitut auf den Kanarischen Inseln. Der Hauptbereich des IAC stellt das Astrophysikalische Forschungsinstitut dar. 1992 entdeckte das Institut das erste mögliche Schwarze Loch in unserer Milchstraße. 2016 wurde der englische Wissenschaftler Stephen Hawking zum Honorarprofessor des Instituto de Astrofísica de Canarias ernannt.
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