
Gehaltsforderung in der Bewerbung angeben?
Aus Unsicherheit tendieren viele Bewerber dazu, die Frage nach der eigenen Gehaltsforderung unbeantwortet zu lassen. Doch keine Angaben zu machen ist nicht ratsam, wenn es ausdrücklich in der Ausschreibung erwähnt wird. „Trotz Aufforderung nichts zum Gehalt zu sagen, ist eine grobe Missachtung eines Wunsches des stärkeren Partners“, warnt Personalberater und VDI-Nachrichten-Recruiterpapst Heiko Mell.
„Bitte geben Sie in Ihrer Bewerbung Ihre Gehaltsvorstellungen an.“ Dieser Aufforderung sollten Bewerber also Folge leisten, wenn sie in einer Stellenanzeige darauf stoßen. Ist die Annonce frei von einem Gehaltsappell, dann können sie darauf verzichten, eine Gehaltsforderung zu formulieren. Über das Gehalt lässt sich dann im ersten oder zweiten Bewerbungsgespräch immer noch verhandeln. Wenn Sie aber einen bestimmten Betrag in Ihrem Anschreiben einfordern, dann sollten Sie wissen, welcher angemessen ist. ingenieur.de hilft Ihnen dabei, das herauszufinden…
Gehalt fordern: Vorteile und Gefahren
Ingenieure sind gefragt auf dem Arbeitsmarkt — nicht nur in der Industrie, auch in der Beratung oder als Lehrkräfte. Gleichzeitig sind viele nicht tariflich angestellt. Sie fallen unter keine Tarifvereinbarung, können das jeweils stimmige Gehalt nicht einfach nachschlagen. Und transparent gehen noch immer die wenigsten Unternehmen mit ihren Gehaltsstrukturen um. Ihre Unwissenheit kann gerade Berufseinsteiger dazu verleiten, überhöhte Gehaltsforderungen aufzurufen.
Und das wiederum könnte sich sehr nachteilig auf ihre Einstellungschancen auswirken.Tatsächlich ist es so: Je höher die Gehaltsforderung, desto unsympathischer wirkt ein Bewerber— egal, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt. Zu diesen Ergebnissen kam eine israelische Studie um Yossi Maaravi, Dekan der Adelson School of Entrepreneurship an der Reichman University im israelischen Herzlia und Entwicklungspsychologin Sandra Segal, welche im Fachmagazin „Journal of Vocational Behavior“ veröffentlicht wurde. Und Sympathie ist keineswegs ein windelweiches, sondern ein hammerhartes Auswahlkriterium. Sympathische Menschen bekommen eine Stelle eher als vermeintliche Kotzbrocken. Was nur logisch ist, immerhin müssen die Interviewer mit ihnen hinterher tagtäglich zusammenarbeiten, womöglich sogar im gleichen Raum sitzen.
„Ja, es gibt immer mal wieder Bewerber, die in ihren Gehaltsvorstellungen weit von der Realität abdriften“, bestätigt Elisa Wicke, Recruitment-Managerin bei Ferchau Engineering. Gerade Hochschulabsolventen oder junge Ingenieure hätten kaum Erfahrungswerte. In ihren Augen sei das jedoch weniger tragisch. „Das ist kein K.-o.-Kriterium. Wenn jemand fachlich interessant ist, kann man über Geld nochmal sprechen“, so Wicke.
Zu niedrig sollten Bewerber ihre Gehaltsforderung ebenfalls nicht ansetzen. Steigen sie nämlich zu tief ein, lässt sich der Rückstand über die Jahre kaum noch aufholen — zumindest beim gleichen Arbeitgeber nicht. Bei einem Arbeitgeberwechsel wiederum sind große Gehaltssprünge von zehn bis 20 Prozent realistisch, bei einer Beförderung sogar noch mehr. Daher ist es so wichtig, seinen Marktwert vorab zu eruieren. ingenieur.de hat 7 Tipps für Sie, wie Sie mit Ihrer Gehaltsforderung voll ins Schwarze treffen…
7 Tipps für die richtige Gehaltsforderung
7 Tipps: So entwickeln Bewerber eine stimmige Gehaltsforderung für ihre Bewerbung:
- Welchen Abschluss habe ich und welche Berufserfahrung kann ich vorweisen?
- Wie setzt sich mein aktuelles Gehalt zusammen?
- Wie groß ist das Unternehmen, in dem ich mich bewerbe und in welcher Branche ist es tätig?
- Welche Entwicklungsmöglichkeiten verspricht die Position, auf die ich mich bewerbe?
- Zahlt das Unternehmen Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld?
- Ist im Jahresgehalt ein variabler Anteil enthalten?
Gehaltsforderung formulieren
Wer sich darüber im Klaren ist, was er verdienen will, der muss es nur noch zu Papier bringen. Eine Gehaltsforderung wird üblicherweise ins Anschreiben der Bewerbung integriert — nämlich in den Schlusssatz. Geheimtipp: Fordern Sie als Gehalt eine krumme Summe. Eine schiefer Betrag sendet das Signal aus, sich eingehend mit dem Thema auseinandergesetzt und peinlich genau kalkuliert zu haben und über Vergleichswerte genauestens Bescheid zu wissen — ob das nun wahr ist oder nicht.
Heiko Mell rät, die Gehaltsforderung möglichst eindeutig und keine Bandbreite zu nennen. „Welcher Arbeitgeber will dann wohl den oberen Bereich abdecken?“, fragt der erfahrene Personalberater. Besser sei es, sich am aktuellen Gehalt oder einem Mittelwert der in Erfahrung gebrachten Werte zu orientieren. Dabei sollte man sich selbst sicher sein, ob man Sonderbezüge wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld sowie sonstige Zusatzleistungen inkludiert oder außen vor lässt. Rechnet man es mit ein, sollte man während des Bewerbungsprozesses bei seiner erstmals geäußerten Vorstellung bleiben (außer der Arbeitgeber bietet viel mehr). Formuliert man dagegen nur die Erwartungen an das Jahresgehalt, kann man im Gespräch den Wunsch nach Sonderzahlungen äußern. Am Ende ist das Jahresgehalt schließlich auch Verhandlungssache.
































