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5,2 km unter der Elbe: Dieser Tunnel soll das Milliardenproblem der Energiewende lösen

23. Juni 2026

Tunnelröhre mit Gleisen
Blick in den ElbX-Tunnel unter der Elbe: Die Betonringe (Tübbinge) kleiden die Röhre aus, auf den Schienen am Boden fuhren während des Baus Versorgungszüge zur Bohrmaschine. Künftig rollen hier Wartungsfahrzeuge. Foto: picture alliance/dpa | Christian Charisius
Günstiger Grünstrom aus dem Norden soll in den Süden gelangen. Doch dafür fehlt es an Leitungen. Jetzt hat eine 700 t schwere Bohrmaschine für Netzbetreiber Tennet einen 5,2 km langen Tunnel unter der Elbe fertiggestellt. Was der Durchbruch der Energiewende bringt.
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Am Eingang zum Tunnelschacht in Wewelsfleth, einem Dorf an der schleswig-holsteinischen Unterelbe, steht eine kleine Figur: die Heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute. Im Tunnelbau ist das Tradition. Hier, auf einer der größten Baustellen der deutschen Energiewende, wacht sie über einen Schacht, der 25 m senkrecht in die Tiefe führt.

Mitte Mai führte Mathias Seibitz, Projektleiter der Elbquerung beim Netzbetreiber Tennet, Besucher über das Gelände und hinab in den Schacht. Damals stand der Bohrkopf bei km 3,9 von 5,2, gut 75 %. Jetzt hat die 200 m lange Bohrmaschine die andere Seite erreicht.

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Der Tunnel gilt als das schwierigste Teilstück von SuedLink, einer Stromtrasse, an der Milliarden-Investitionen und die Zukunft der Energiewende hängen. Was leistet er darin konkret, und wie verlief die Konstruktion?

Inhaltsverzeichnis

Windstrom ohne Abnehmer

SuedLink ist eine 700 km lange Gleichstromleitung unter der Erde, von Schleswig-Holstein nach Bayern und Baden-Württemberg. Die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW bauen sie seit Sommer 2023, damit die windreichen Küstenländer im Norden an den industriestarken Süden angebunden werden. Der erste Strom soll 2028 fließen.

Warum das so dringend ist, zeigen die Abregelungszahlen der Bundesnetzagentur. Allein 2025 mussten in Deutschland rund 9,4 TWh erneuerbarer Strom wegen Netzengpässen abgeregelt werden — so viel, wie das ganze Land in gut einer Woche verbraucht. Die Kosten für das Netzengpassmanagement insgesamt: 3,1 Mrd. € im Jahr 2025, umgelegt auf die Stromrechnung der Verbraucher. In Schleswig-Holstein stehen nach Angaben von Tennet-Programmdirektor Gunnar Spengel 10 bis 12 GW an erneuerbarer Erzeugungskapazität, vor allem Windkraft. Der Verbrauch vor Ort: 2 bis 2,5 GW. Der Rest muss abtransportiert werden – sonst werden Windräder abgeschaltet, statt Strom zu liefern.

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Durch den Tunnel sollen sechs 525-kV-Gleichstromkabel laufen, vier für den Regelbetrieb und zwei Ersatzkabel für den Notfall. Die Übertragungskapazität: bis zu 4 GW, rechnerisch genug für mehrere Millionen Haushalte. SuedLink ist damit eine von mehreren Stromautobahnen, die den Norden mit dem Süden verbinden sollen. Und sie ist eine der wichtigsten.

Der schwierigste Kilometer: durch Lauenburger Ton

So zentral der Tunnel energiepolitisch ist, so anspruchsvoll war er technisch. 5,2 km hat sich die Maschine unter der Elbe hindurchgefräst, durch wechselnde Schichten aus Sand, Ton, Kies und Torf. Damit ist der fertige Tunnel rund 2 km länger als der Elbtunnel der Autobahn A7.

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Die schwierigste davon war der Lauenburger Ton, ein Boden, der bei Wasserkontakt quillt und instabil wird. Unter der Schifffahrtsrinne musste zudem unter erhöhtem Druck gearbeitet werden, denn über dem Tunnel fährt der Schiffsverkehr Richtung Hamburger Hafen.

Bohren für das Stromnetz

Die Bohrmaschine heißt Elsam, ein Akronym für „ElbX lässt SuedLink-Strom ankommen“. Die deutsche Herrenknecht AG hat die 200 m lange und 700 t schwere Maschine als sogenanntes Mixschild gebaut, speziell für die Geologie unter der Elbe.

24.000 Betonsegmente, sogenannte Tübbinge, kleiden jetzt die fertige Röhre aus. Die Bauausführung lag bei der ARGE Tunnel ElbX, einem Zusammenschluss der Baufirmen Porr und Wayss & Freytag. Das „Bergfest“, die Halbzeit des Vortriebs, hatten Tennet und Porr am 4. Dezember 2025 gefeiert. Genau: am Barbaratag.

Männer vor Rohren und Betonplatten

Ina Kamps, COO von Tennet Germany, sprach anlässlich des Durchbruchs von einem „wichtigen Erfolg“. Das Projekt mache sichtbar, welche Präzision und Zusammenarbeit über viele Gewerke hinweg nötig seien. ElbX ist dabei nicht das einzige Tunnelprojekt der Energiewende in Norddeutschland: In Hamburg gräbt sich derzeit eine deutlich kleinere Maschine unter der Hafenbahn hindurch – für eine Wasserstoffleitung.

Milliardeninvestitionen ins Netz

Hinter SuedLink und dem Netzausbau bei Tennet stehen Summen, die in Deutschland sonst nur von der Autobranche bekannt sind. Im Jahr 2025 investierte Tennet Germany 10 Mrd. € ins Netz, eine Rekordsumme, wie CEO Tim Meyerjürgens auf dem Netzgipfel im Mai in Brunsbüttel berichtete. Bis 2030 sollen es 13 Mrd. € pro Jahr sein. Insgesamt plant Tennet nach Informationen der WirtschaftsWoche bis 2029 Investitionen von 65 Mrd. €. „Wir werden uns innerhalb kürzester Zeit zu einem der größten Emittenten am europäischen Anleihemarkt entwickeln“, hatte Meyerjürgens beim Netzgipfel in Aussicht gestellt.

Finanziert wird das über ein für Deutschland ungewöhnliches Mischmodell. Die niederländische Konzernmutter verfügt über rund 28,9 % an Tennet Germany; darüber hinaus hält die staatliche Förderbank KfW seit Mai 25,1 %. Der Bund hat sich den Anteil für 3,3 Mrd. € gesichert.

Er verfolgt damit mindestens zwei Ziele: Mitsprache bei der kritischen Energieinfrastruktur, und bessere Konditionen am Kapitalmarkt für Tennets Netzausbau. Denn eine staatliche Beteiligung senkt die Finanzierungskosten.

Daneben haben drei Großanleger bis zu 9,5 Mrd. € eingebracht:

  • der niederländische Pensionsfondmanager APG (für den Pensionsfonds ABP),
  • der singapurische Staatsfonds GIC
  • und der norwegische Staatsfonds NBIM.

Was jetzt passiert

Der Tunnel steht, aber die Arbeit ist nicht zu Ende. Zunächst wird die Bohrmaschine aus dem Zielschacht gehoben und zerlegt.

Dann beginnt der Innenausbau, danach der Einzug der sechs Kabel. Auf Schienen im Tunnel sollen später Wartungsfahrzeuge rollen. Die Gleise dafür liegen schon.



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