02.06.2014, 07:00 Uhr | 1 |

Absenkbare Stahlplatten Actibump: Schweden erzieht Autofahrer mit Fallgruben für Raser

Gerade noch gleitet die Limousine trotz hohen Tempos lautos über die Straße. Plötzlich erschreckt ein Poltern die Insassen unsanft: In Schweden öffnen sich vor Schnellfahrern blitzschnell hydraulisch absenkbare Stahlplatten. Eine Maßnahme mit hohem erzieherischen Wert, wie erste Erfahrungen zeigen.

Actibump Traktor
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Nähert sich ein Fahrzeug mit der vorgeschriebenen Geschwindigkeit Actibump, reagiert das System nicht. Die hydraulisch absenkbare Stahlplatte bleibt ebenerdig liegen.

Foto: Screenshot ingenieur.de/Edeva

Es blitzt, der rasende Fahrer bekommt einen Schrecken. Kuriert ist er nicht. Ein paar Kilometer weiter schnappt die Radarfalle erneut zu. Schon wieder sind ein paar 100 Euro fällig. Manche lernen es nie, wie die  belgische Polizei feststellen muss. Sie platziert neuerdings vermehrt mobile Messstationen in geringer Entfernung. Nicht selten erwischen sie einen Raser innerhalb weniger Minuten gleich zweimal.

Auf der Öresund-Brücke zwischen der schwedischen Stadt Malmö und der dänischen Hauptstadt Kopenhagen lohnt sich das Blitzen kaum noch. Raser sind hier selten, weil dort Actibump installiert ist. Das sind stählerne Platten, die sich quer über die Fahrbahn erstrecken. Wenn sich ein Raser nähert senkt sich die Vorderkante, hydraulisch bedient, blitzschnell um vier Zentimeter ab. Die Insassen vernehmen beim Passieren ein hässliches Poltern. Das hat durchschlagende Wirkung auf die Verkehrsmoral. Sobald der Wagen durch ist hebt sich die Platte wieder in Normalposition.

Hersteller Edeva warnt: Nicht in Kurven platzieren

„Gefährlich für Motorradfahrer, nutzlos bei SUVs“, twittert Jeroen de Bakker. Zumindest ersteres lässt das schwedische Unternehmen Edeva nicht gelten, das die Fallgrube entwickelt hat. Sowohl bei Autos als auch bei Motorrädern schluckten Federung und Reifen den größten Teil der sich entwickelnden Kräfte. Außerdem empfiehlt das Unternehmen, Actibump nicht in Kurven zu platzieren.

Behörden, die dennoch Angst um Motorradfahrer haben, können eine Zusatzeinrichtung installieren, mit der sich Motorradfahrer anhand des Signals identifizieren lassen, das die in die Fahrbahn eingelassenen Induktionsschleifen an die Auswerteeinheit schicken. Dann bleibt die Stahlplatte unverändert, wenn sich ein rasender Motorradfahrer nähert. Das empfiehlt das Unternehmen allerdings nicht, weil es die Gefahr für Biker als gering einschätzt.

Anteil der Raser sank in Linköping von 70 auf 20 Prozent

Rüttelstrecken und bewusst installierte Bodenwellen könnten ebenfalls für angepasstes Tempo sorgen. Doch das behindert den Verkehr. Mit Actibump ausgestattete Straßen ermöglichen dagegen einen normalen Verkehrsfluss, weil Raser gezielt herausgepickt werden. Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr sowie Krankentransporter können Actibump per Funksignal kurzzeitig außer Betrieb setzen.

In der schwedischen Stadt Linköping, dem Sitz von Edeva, ist das System seit drei Jahren in verkehrsberuhigten Straßen installiert. Dort sank der Anteil der Schnellfahrer von 70 auf 20 Prozent.

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Von Wolfgang Kempkens
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kommentare
02.06.2014, 13:19 Uhr raro
Das ist grober Unfug!

Spätestens nach dem ersten schweren Unfall mit Toten und oder Verletzten werden auch die Schweden verstehen warum.

Außerdem würde es mich interessieren, wie die zu verhindern suchen, dass beispielsweise Krankenwagen mit lebensgefährlich Verletzten in diese Falle gehen?

Diese brutal hinterhältige Art der Erziehung erinnert mich an die eher finsteren Episoden des Mittelalters.

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