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22.10.2013, 06:56 Uhr | 0 |

Deutlich weniger Energieverbrauch Der Jugendstil der Kunsthalle Mannheim hat energetische Sanierung gut überstanden

Das Jugendstilgebäude der Kunsthalle Mannheim ist schöner als je zuvor: Die offenen Decken, die Licht ins Haus lassen, sind wieder freigelegt. Die Jugendstilelemente herausgeputzt, und die Haustechnik so effizient, dass auch empfindliche Kunstwerke wieder ausgestellt werden können. Mannheim ist Vorbild für die energetische Sanierung großer historischer Bauwerke.

Haupteingang der Kunsthalle Mannheim
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Bei der energetischen Sanierung der Kunsthalle Mannheim wurde aufgrund der Jugendstilfassade auf jede Außendämmung verzichtet. Die Energieeinsparungen wurden durch Innendämmung und moderne Technik erreicht.

Foto: Kunsthalle Mannheim

Bei der Sanierung von denkmalgeschützten historischen Museumsgebäuden sind enorme Energieeinsparungen möglich, ohne dass man die Schönheit der Architektur durch Dämmungen und Verpackungen zerstören muss. Das zeigt sich am Beispiel der Kunsthalle Mannheim, die jetzt nach dreijährigen Sanierungsarbeiten wieder eröffnet wurde. Das 1907 erbaute Gebäude ist eines der Hauptwerke des Karlsruher Jugendstil-Architekten Hermann Billing. Das aus rotem Sandstein errichtete Gebäude erstrahlt zwar in voller Schönheit, und doch benötigt die Kunsthalle, umgerechnet auf die größere Fläche, 60 Prozent weniger Energie.

Veraltete Gebäudetechnik, viele bauliche Mängel

Die Kunsthalle Mannheim litt zuletzt stark unter einer veralteten Gebäudetechnik, die eine angemessene Präsentation von Kunstwerken und die Einhaltung von Leihbedingungen nur noch bedingt zuließen. Das Raumklima überschritt die vorgeschriebenen Werte, das Raumklima war zu feucht, das Gebäude hatte sicherheitstechnische und bauliche Mängel. Lediglich das Obergeschoss des Billing-Baus war mit einer veralteten Technik klimatisiert. In den anderen Räumen standen nur Lüftungsanlagen für die  Klimaregulierung zur Verfügung. Jahrelang war aufgrund dieser Vorgehensweise der Ausstellungsbetrieb stark eingeschränkt.

2009 starteten die Sanierungsarbeiten unter Führung des Mannheimer Gebäudemanagements und der Architekten Pitz und Hoh aus Berlin. Obwohl das Gebäude massive statische und bauphysikalische Mängel aufwies, setzten sich die Architekten das Ziel, die Schäden ohne wesentliche Eingriffe in die Architektur zu beseitigen und gleichzeitig den Energieverbrauch deutlich zu senken.

Der Jugendstilbau der Kunsthalle Mannheim sollte dabei möglichst originalgetreu erhalten und zum Teil sogar rekonstruiert werden. Denn immer wieder gab es Umbauten, wurden Wände eingezogen und so der ursprüngliche Bau verändert. Durch eine hervorragende Dokumentation des Zustandes aus dem Jahr 1907 konnten jedoch bauliche Eingriffe in die Substanz des Jugendstils behoben werden.

Ingenieure der TU Braunschweig unterstützten die Architekten

Dabei konnten sich die Berliner Architekten auch auf die Expertise von Ingenieuren des Fraunhofer-Institut für Bauphysik und des Instituts für Gebäude- und Solartechnik der TU Braunschweig verlassen. Im Rahmen des Forschungsverbundes „Nachhaltige Sanierung von Museumsgebäuden“ des Bundeswirtschaftsministeriums entwickelten die Wissenschaftler ein Energiekonzept für die Kunsthalle, das richtungsweisend und vorbildhaft ist.

Das Ziel beim Umbau war, so wenig Eingriffe in die Architektur vorzunehmen und so wenig Technik wie möglich einzusetzen. „Das funktioniert bei einem Museumsbau mit seinen klimatischen Anforderungen natürlich nur zu einem gewissen Grad“, erklärt der Ingenieur Volker Huckemann von der TU Braunschweig. „Deshalb versuchen wir Technik einzusetzen, die möglichst wartungsarm und energieeffizient ist.“ Und vor allem ist die Technik oft unsichtbar.

Innendämmung für den Wärmeschutz

Zunächst wurde der Wärmeschutz des Museums verbessert. Eine Außendämmung war aufgrund der denkmalgeschützten Fassade nicht möglich. Daher wurden in Fußböden und Wänden spezielle Heiz- und Kühlflächen eingebaut. Die Wissenschaftler konzipierten eine spezielle Innendämmung, in dem sie Kapillarrohrmatten in Mineralschaumplatten einließen. Es wurde eine zweite Fensterebene im Inneren eingebaut, so dass die historischen Fenster erhalten bleiben konnten. Es entstanden Kastenfenster mit Wärmschutzverglasung und integriertem Blend-, UV- und Einbruchschutz.

Erheblich verbessert wurde die natürliche Beleuchtung der Museumsräume. Die Tageslichtdecken waren über die Jahrzehnte durch lichtundurchlässige Holzdecken ersetzt worden, um die Aufheizung der Räume und das Ausbleichen der Kunstwerke durch die Sonne zu verhindern. Jetzt wurden die Holzdecken wieder entfernt. Das Tageslicht darf nun wieder ins Gebäude strahlen. Dazu wurden auf einer Fläche von insgesamt 600 Quadratmetern in die Decken Spiegelrasterverglasungen mit einem U-Wert von 1,3 W/m²K eingesetzt. Diese lassen nur noch ein diffuses Licht ins Haus und blenden den Großteil des Wärmeeintrages des Sonnenlichtes aus.

Zudem wurde die gesamte Beleuchtung  von üblichen Leuchtkörpern auf sparsame LED-Technik umgestellt, was nicht nur Strom spart, sondern auch den Wärmeeintrag reduziert.

Temperierung der Räume erfolgt in Fußböden, Wänden und Decken

Die Flächentemperierung über die Wände, Böden und Decken hat nicht nur die Aufwärmung und Kühlung der Räume durch Raumluft ersetzt. Dadurch kann die mechanische Zu- und Abluftanlage deutlich reduziert werden, da sie je nach Besucherzahl nur noch für die Frischluftzufuhr sorgen muss. Zugleich soll das Raumklima durch die Flächentemperierung deutlich angenehmer sein.

Die Kühlung der Räume soll künftig hauptsächlich durch Absorptionskälte erfolgen. Die Energie dafür soll in Zukunft eine Solaranlage mit einer zusätzlichen Kälteanlage liefern, die auf dem Dach eines  Neubaus installiert werden, der neben dem Altbau geplant ist. Der Vorteil einer Solartechnik: Im Sommer, wenn der Bedarf an Kühlung am größten ist, ist auch die Stromerzeugung der Solaranlagen am größten. Trotzdem soll eine zusätzliche konventionelle Kältemaschine zur Verfügung stehen. Bis die Solaranlage steht, wird örtliche Fernwärme eingesetzt.

Betriebs- und Energiekosten sinken

Obwohl die klimatisierte Fläche nach der Generalsanierung etwa doppelt so groß ist, geht die Kunsthalle davon aus, dass die Betriebskosten rund zehn Prozent unter den Kosten des Jahres 2009 liegen, dem Beginn der Sanierung. Das entspräche einer Einsparung von rund 22 000 Euro im Jahr. Bei Strom und Energie rechnen die Betreiber trotz größerer Fläche mit Einsparungen von rund 25 Prozent. Umgerechnet auf die größere Fläche bedeutet diese eine Reduzierung des Energieverbrauchs um 60 Prozent, so die Betreiber der Kunsthalle.

Damit gilt die Sanierung der Kunsthalle Mannheim als „Leuchtturmprojekt“ für Sanierungen großer historischer Gebäude. Die Gesamtkosten der Sanierung belaufen sich auf 22 Millionen Euro.

Mehr Informationen finden Sie auf den Webseiten der Kunsthalle Mannheim.

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Von Petra Funk
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