31.05.2013, 16:12 Uhr | 0 |

Foxconn ausgebootet Billig-Smartphone von Apple wird bei Pegatron produziert

Die wertvollste Firma der Welt lässt ihr neues Billig-Smartphone bei Pegatron fertigen, einem kleinen taiwanischen Konkurrenten des bisherigen Stammzulieferers Foxconn. Der neue Apple-Zulieferer kann offenbar noch billiger als Foxconn.

Mitarbeiterinnnen bei Foxconn
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Apple lässt seine Hightech-Produkte nicht mehr nur beim umstrittenen Hersteller Foxconn produzieren, sondern auch beim offenbar noch billigeren Konkurrenten Pegatron.

Foto: Apple

Apple lässt sein neues Smartphone, ein Billig-Smartphone, nicht bei Foxconn, sondern beim wesentlich kleineren taiwanischen Konkurrenten Pegatron zusammen schrauben. Pegatron, benannt nach dem fliegenden Pferd Pegasus, hat rund 100.000 Beschäftigte in Taiwan und China, will die Zahl seiner Mitarbeiter in der zweiten Jahreshälfte aber auf 140.000 steigern. Es darf bezweifelt werden, ob das für die 40.000 Menschen, die dann bei Pegatron eine Arbeit finden, wirklich eine gute Nachricht ist:  Pegatron arbeitet offenbar noch billiger als Foxconn. So kam es 2011 in einer der Zulieferfabriken in Shanghai zu einer Explosion, bei der 68 Arbeiter verletzt wurden. Es sollen die schlechten Sicherheitsstandards gewesen sein, die zu der Katastrophe geführt haben.

Auch jetzt melden sich Stimmen mit schweren Vorwürfen gegen den Auftragsfertiger. So behauptet die Arbeitsschutz-Organisation „Students & Scholars Against Corporate Misbehaviour“ (SACOM), dass die bei Pegatron geleisteten Überstunden mit bis zu 200 Stunden im Monat das gesetzlich in China zulässige Maß von 36 Überstunden um das Fünffache übersteigen und zudem teilweise noch nicht einmal vergütet würden. Auch zugesicherte Pausen würden nicht eingehalten. SACOM hat mit in den Fabriken arbeitenden Schülern gesprochen und erfahren, dass Lehrer die Jugendlichen zur Arbeit zwingen und andernfalls die Zeugnisse verweigern.

Selbstmorde bei Foxconn lösten weltweite Debatten aus

Marktführer Foxconn ist schon länger in der ethischen Diskussion um bessere Arbeitsbedingungen. 2010 haben sich 14 Foxconn-Mitarbeiter von den Dächern ihrer Wohnheime in den Tod gestürzt. Foxconn reagierte umgehend und ließ Netze um die Wohnheime herum aufspannen, die weitere Selbstmörder stoppen sollte. An den Foxconn-Arbeitsbedingungen konnten die Selbstmorde nicht liegen, denn „Arbeit an sich ist gleichzusetzen mit Freude“, meint Terry Gou, der Gründer der taiwanischen Werkbank. So groß kann die Freude allerdings auch heute bei Foxconn nicht sein. Am 24. April verübte ein 24-jähriger Foxconn-Angestellter Selbstmord, drei Tage später folgte ihm eine 23-jährige Frau, kurz darauf sprang ein 30-jähriger in den Tod. Die drei Selbstmorde ereigneten sich laut der zur Jahrtausendwende gegründeten Arbeitsschutzorganisation China Labor Watch mit Sitz in New York in einer Foxconn-Fabrik in der chinesischen Stadt Zhengzhou.

Foxconn begann 1974 mit 10 Mitarbeitern

Foxconn ist ein wahrer Gigant und beschäftigt mehr als 1,2 Millionen Menschen, vornehmlich in China. Die Foxconn Electronic Inc. ist eine Tochtergesellschaft des taiwanischen Unternehmens Hon Hai Precision Industry Col. Ltd. und hat seinen Firmensitz in Taipeh in Taiwan. Unternehmensgründer Terry Gou startete 1974 mit 10 Angestellten, die Plastikverkleidungen für Fernsehgeräte herstellten. Heute ist Foxconn einer der größten Fertigungsbetriebe für elektronische Produkte auf der Erde.

Und fast alle lassen bei Foxconn ihre teuren Lifestyle-Produkte fertigen: So produzierte Foxconn 2011 die Playstation für Sony, die XSbox 360 für Microsoft, die Wii für Nintendo. Foxconn baut Computer für Hewlett-Packard und Dell, Smartphones für Nokia, Motorola, Acer, Blackberry, LG, Sony, Levono und Orange. Und bis jetzt auch für Apple. Jahrelang hat Apple all seine iPhones und iPads von Foxconn produzieren lassen. Es scheint aber nicht etwa der moralische Druck aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen zu sein, der Apple jetzt den Schwenk weg von Foxconn hin zum fliegenden Pferd vollziehen lässt.

Probleme mit Kratzern auf den Gehäusen

Vielmehr geht es darum, Risiken in der Zulieferkette zu minimieren. So hatte Foxconn anfangs Probleme mit Kratzern auf dem edlen Gehäuse des Kulttelefons iPhone5. Zudem sind Meldungen über Massenschlägereien wie im September des vergangen Jahres, als in einem Wohnheim nahe einer chinesischen Foxconn-Fabrik in Taiyuan 2000 Arbeiter aneinander gerieten, nicht wirklich dem coolen Apple-Image zuträglich. Die Krawalle zogen sich über zehn Stunden, 40 Menschen wurden verletzt, am Ende musste die Polizei die Randale  mit einem Einsatz von 5000 Beamten beenden.

So sind es letztlich strategische Gründe, die Apple-Chef Tim Cook zu diesem Schritt brachten. Pegatron ist für Cook ja auch keine unbekannte Provinzklitsche in China. Seit 1999 haben die beiden Firmen eine Liaison. Denn damals baute Pegatron die ersten iBooks für Apple zusammen, aktuell produziert das Unternehmen einen Großteil aller iPad Minis sowie eine kleine Charge der begehrten iPhone 5. Pegatron konnte bislang nicht so viele Geräte liefern wie geplant, da der Aufbau der für die Apple-Geräte notwendigen Präzisions-Fertigungsstraßen für den Neuen im iPhone-5-Geschäft schwieriger war als gedacht. „Es braucht eine Menge echter Detailarbeit, um ein Smartphone richtig hinzubekommen“, sagt Apple-Chef Tim Cook.

Zusammenbau eines iPhone 5 kosten nur 6 Euro

Foxconn hat das Nachsehen im Wettlauf um Aufträge und ist nun das Opfer der weltweiten medialen Aufmerksamkeit rund um die Selbsttötungen seiner Mitarbeiter. Foxconn hatte in mehreren Runden die Löhne seiner Angestellten erhöht. Das schmälert zum einen die Rendite des Konzerns. Zum anderen erschwert es ihm nun, die gnadenlos günstigen Fertigungskosten zu halten, für die Apple seine iPhones bauen lässt. Die Materialkosten für ein iPhone 5 belaufen sich auf rund 150 Euro, verkauft wird es mit 16 Gigabyte Speicher für 600 Euro. Die Kosten für den Zusammenbau eines aktuellen iPhones 5 beziffern die Analysten vom US-Fertigungsberater iSuppli auf etwas mehr als 6 Euro pro Smartphone. Die Verdienstspanne ist für die – noch – wertvollste Firma der Welt enorm.

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Von Detlef Stoller
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