22.09.2014, 10:24 Uhr | 0 |

Künstliche Argus-Augen Blinde lernen mit Prothese wieder sehen

Eine Kamera, ein Sender und implantierte Elektroden im Auge geben Menschen das Augenlicht zurück. Nachdem bisher nur Patienten behandelt wurden, die an einer relativ seltenen Krankheit litten, soll mit Argus® II jetzt auch denen geholfen werden, die von der häufig vorkommenden Makula-Degeneration betroffen sind.

Argus® II
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Bionische Argus-Augen: Das Zusammenspiel von Kamera, Sender und implantierten Elektroden lässt Blinde wieder sehen. 

Foto: Screenshot ingenieur.de/Second Sight

Fast 100 Patienten in Amerika und Europa tragen eine Brille, die an die eines Blinden erinnert. Dieser Eindruck ist völlig falsch. Wer Argus II trägt, so der Name der Brille, kann sehen, genauer gesagt: wieder sehen. Er litt an Retinitis pigmentosa, einer relativ seltenen Augenkrankheit, die zum vollständigen Erblinden führt.

Künftig erhalten auch Patienten, die durch die viel häufigere altersbedingte trockene Makula-Degeneration (AMD) erblinden, die Prothese, die ihnen das Augenlicht zurückgibt. Bei einer Makula-Degeneration wird nach und nach die Netzhaut des Auges geschädigt oder zerstört. Im günstigsten Fall kann der Betroffene nicht mehr scharf sehen, im schlimmsten erblindet er.

Bildsignale fließen kabellos in die Netzhaut

Das in Los Angeles ansässige Unternehmen Second Sight Medical Products hat die Augenprothese entwickelt. Eine Kamera, die in der Mitte der Brille sitzt, erzeugt die Bilder, die der Argus-Träger sehen soll. Sie werden in Signale umgewandelt, die denen ähneln, die eine gesunde Netzhaut ans Gehirn schickt.

Diese Signale übermittelt ein Sender, der samt Antenne seitlich an der Brille befestigt ist, an Elektroden, die bei einer Operation in die Netzhaut eingepflanzt werden. Von dort gelangen sie ins Gehirn, das daraus ein Bild berechnet, das der Patient mit einiger Übung „sehen“ kann. Die Stromversorgung befindet sich in einer kleinen Umhängetasche. Argus II ist sowohl in den USA als auch in der Europäischen Union als medizinisches Gerät zugelassen.

Erste Patienten werden in Manchester behandelt

Die Ausdehnung auf AMD-Patienten beginnt im November, zunächst im Rahmen einer Studie, die Paulo Stanga, Spezialist für vitreoretinale Chirurgie am Royal Eye Hospital Manchester, also für operative Eingriffe im Auge, sowie Professor für Augenheilkunde und Netzhautregeneration an der Universität Manchester. „Diese revolutionäre Technologie verändert das Leben der Betroffenen, indem sie ihnen einen Teil des Augenlichts zurückgibt und hilft, das Leben unabhängiger zu gestalten“, schwärmt der Mediziner.

Weltweit leiden 20 bis 25 Millionen Menschen an AMD, allein in Deutschland sind es zwei Millionen. Bis zu zehn Prozent davon erblinden mit fortschreitender Erkrankung. Weil die Lebenserwartung steigt nimmt die Zahl der Betroffenen kontinuierlich zu. Vor sieben Jahren haben die ersten Patienten ein bionisches Auge bekommen. So gut wie Namensgeber Argus (griechisch Argos) können sie natürlich nicht sehen. Was nicht verwundert, denn das sagenhafte Ungeheuer aus der griechischen Mythologie hatte 100 Augen, die über den ganzen Körper verteilt waren, damit ihm nichts entging.

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Von Wolfgang Kempkens
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