Finanzen 05.03.2025, 10:29 Uhr

Wirtschaft schwach, Börse stark: Wie lange geht das gut?

Obwohl das BIP schrumpft, erklimmt der Dax immer neue Rekorde. Experten verraten, wie Anleger sich auf eine Trendumkehr vorbereiten können.

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Die Börsenkurse erklimmen immer neue Höchststände, während das BIP schrumpft. Wann korrigiert der Markt? Und wie bereitet man sich darauf vor?

Foto: panthermedia.net/vlerijse

2023 und 2024 ist die deutsche Wirtschaft jeweils leicht geschrumpft, für dieses Jahr wird nur ein minimales Wachstum erwartet. Während sich die Krise bei den Arbeitslosenzahlen bemerkbar macht, bleibt der deutsche Leitindex Dax unberührt. Im Gegenteil: Seit Neujahr 2023 hat er rund 62 % an Wert gewonnen, steht aktuell bei rund 22.550 Punkten und schreibt seit Monaten einen Rekord nach dem anderen. Dabei schlägt er sogar andere große Aktienindizes wie den US-amerikanischen S&P 500 (+53 % seit Anfang 2023), den Eurostoxx 50 (+44 %) und den weltweiten MSCI World (+44 %).

Dax-Unternehmen erwirtschaften ihre Umsätze überwiegend im Ausland

Diese Diskrepanz zwischen Realwirtschaft und Dax ist für Experten keine Überraschung. „Die 40 Unternehmen im Dax repräsentieren kaum mehr die deutsche Wirtschaft“, sagt Manfred Rath von der KSK Vermögensverwaltung in Nürnberg. „Rund 80 % aller Umsätze der Dax-Konzerne werden außerhalb Deutschland generiert.“ Entsprechend spielt die Weltwirtschaft eine größere Rolle als das Wachstum daheim. Entsprechend erwarten die Profis auch nicht, dass sich der Dax kurzfristig auf die Tendenz der deutschen Wirtschaft einpendeln wird. „Diese ungleiche Entwicklung zwischen Dax und Wirtschaft kann sich durchaus noch weiter fortsetzen“, sagt Sven Langenhan von der HRK Lunis in München.

Bundestagswahl spielt für die deutschen Aktienmärkte kaum eine Rolle

Wie sehr sich der Dax von Deutschland entkoppelt hat, zeigen auch zwei andere Dinge. Erstens hatte die Bundestagswahl auf den Börsenindex keinerlei Auswirkungen. Das ist zum Beispiel in den USA anders, wo nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten eine Reihe von Aktien nach oben schossen – an erster Stelle die von Tesla, der Autofirma von Trump-Unterstützer Elon Musk. Deren Wert verdoppelte sich binnen eines Monats. Zweitens steigen die kleineren Aktienindizes MDax und SDax bei Weitem nicht so stark wie der Dax. Ersterer hat seit Anfang 2023 nur ein Plus von 14 %, Letzterer eines von 26 % vorzuweisen. Grund: Bei den kleineren Unternehmen ist der Exportanteil meist geringer, die Abhängigkeit vom Heimatmarkt größer.

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Das Ende des Booms könnte aus den USA kommen

Trotzdem kann die gegensätzliche Richtung von Wirtschaft und Börse nicht ewig weitergehen. „Sollte sich wirtschaftlich nichts bessern, werden Anleger ihre Gewinne realisieren wollen“, sagt Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter aus Mannheim. Wenn dann massenhaft Anleger ihre Aktien zu Geld machen, würde eine Korrektur starten. Das könnte schleichend passieren oder durch ein Schockereignis ausgelöst werden. Ersteres würde wohl eintreten, sollte die US-Wirtschaft unter Trump schwächeln. „Eine Korrektur der amerikanischen Börsenmärkte schwebt immer wie ein Damoklesschwert über dem Dax“, sagt Rath. „So etwas schwappt erfahrungsgemäß immer auf die lokalen Börsen über.“

Letzteres lässt sich schwer vorhersehen. Zwar haben die Experten verschiedene Szenarien im Hinterkopf, die den Dax abstürzen lassen könnten, aber allgemein gilt: „Ein richtiger Absturz ist nur durch einen ‚Schwarzen Schwan‘ zu erwarten, also durch ein Ereignis, das völlig überraschend eintritt und worauf Politik und Märkte nicht vorbereitet sind.“ Und das ist eben per per definitionem nicht vorhersehbar. Die Coronapandemie mit den notwendigen Lockdowns ist das jüngste Beispiel für ein solches Ereignis. Damals stürzte der Dax innerhalb von nur vier Wochen um 39 % ab. Das zeigt aber auch, welche Dimension ein Schock haben müsste. Kleinere Korrekturen von weniger als 10 % Verlust hingegen sind keine Seltenheit.

Korrekturen sollten Anleger nicht beunruhigen

Entsprechend raten die Börsenprofis auch Kleinanlegern dazu, besonnen zu bleiben. „Jeder Anleger sollte sich sowieso auf fallende Kurse vorbereiten, indem er sein Vermögen entsprechend diversifiziert“, sagt Ehlhardt. Dazu gehört eben, nicht nur Anteile am Dax oder an einzelnen deutschen Unternehmen zu besitzen, sondern auch aus möglichst vielen weiteren Ländern und Branchen. Auch andere Anlageklassen wie Staatsanleihen können beigemischt werden. Sie sorgen für Stabilität im Depot, sollte es mit Aktien nach unten gehen. „Zumindest, solange es dafür noch vernünftige Zinsen gibt“, sagt Rath. Je weiter die Zentralbanken weltweit die Zinsen senken, umso weiter fallen sie auch für Anleihen.

Und überhaupt sind Probleme doch nur dornige Chancen, auch an der Börse: „Wenn Sie qualitativ hochwertige Unternehmen im Depot haben, können Sie die Korrekturen mit gutem Gewissen durchstehen“, sagt Langenhan, „und dann die niedrigeren Kurse nutzen, um günstig zuzukaufen.“ Wem das zu viel mentaler Stress ist, der kann derzeit auch eine andere Taktik wählen: „Jetzt Aktien zu verkaufen, ein paar Gewinne mitzunehmen und auf neue Chancen zu warten, kann durchaus auch in Betracht gezogen werden“, sagt Rath. Oder Sie nutzen einfach mal einen Teil Ihrer Aktiengewinne und gönnen sich etwas Schönes.

Ein Beitrag von:

  • Christoph Sackmann

    Christoph Sackmann, geboren 1983 in Dortmund, studierte Geschichte und Soziologie und absolvierte von 2010 bis 2012 ein Volontariat bei Hubert Burda Media an der Journalistenschule in München.

    Davor, währenddessen und danach schrieb er unter anderem für die „WAZ“, die „Neue Westfälische“, „Chip“, den „FOCUS“ und „FOCUS Online“. Zudem entwickelte er das Lifestyle-Magazin „treat“ und leitete ein Jahr lang das Portal „Finanzen100.de“.

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