Steigende Abhängigkeit 21.05.2025, 11:30 Uhr

Sinkende Preise bei Lithium und Co. – ein trügerischer Trend

Trotz sinkender Preise bei Lithium & Co. warnt die IEA: Die globale Batterie-Lieferkette bleibt anfällig und hoch konzentriert.

E-Auto Batterie

Metalle für E-Autos gelten als Flaschenhals der Branche, doch nun fallen die Preise. Klingt nach einer guten Nachricht für Autokäufer - doch es gibt einen Haken.

Foto: PantherMedia / Fahroni (YAYMicro)

Die Preise für zentrale Batterierohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel sind stark gefallen. Der Grund ist ein gestiegenes Angebot, vor allem aus China, Indonesien und der Demokratischen Republik Kongo. Doch die Internationalen Energieagentur warnt: Die Märkte bleiben anfällig. Die Konzentration auf wenige Anbieter nimmt zu. Lieferausfälle, politische Krisen oder Exportbeschränkungen könnten die Batterieproduktion in Europa gefährden. Langfristige Versorgungssicherheit erfordert mehr Diversifikation – doch Fortschritte sind bisher gering.

Die Preise sinken – das Risiko steigt

Lithium, Nickel, Kobalt und Graphit sind zentrale Bausteine moderner Batterietechnologie. Besonders in der Elektromobilität und stationären Energiespeicherung spielt ihre Verfügbarkeit eine Schlüsselrolle. In den vergangenen Jahren stiegen ihre Preise teils drastisch – doch seit 2023 ist ein deutlicher Rückgang zu beobachten. Lithium, einst der Preistreiber der E-Auto-Branche, verlor laut Internationaler Energieagentur (IEA) über 80 % seines Spitzenwerts aus 2022.

Auch die Preise für Nickel, Graphit und Kobalt sind rückläufig. Der Grund: Länder wie China, Indonesien und die Demokratische Republik Kongo haben ihre Fördermengen massiv erhöht. Vor allem China hat seine Position als dominierender Player bei Graphit, seltenen Erden und auch beim Batterie-Recycling weiter ausgebaut. Die IEA berichtet, dass seit 2020 rund zwei Drittel des globalen Wachstums im Bereich Batterie-Recycling in China stattfand.

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Marktmacht konzentriert sich auf wenige Länder

Diese sinkenden Preise täuschen jedoch über eine zunehmende strukturelle Abhängigkeit hinweg. Laut IEA ist der Marktanteil der drei führenden Förderländer bei den wichtigsten Batteriemetallen von 73 % im Jahr 2020 auf 77 % im Jahr 2024 gestiegen. Noch drastischer zeigt sich die Konzentration bei der Weiterverarbeitung. Dort kontrollieren die drei größten Produzenten inzwischen im Schnitt 86 % des Marktes – insbesondere China, das bei 19 der 20 analysierten strategischen Mineralien als führender Veredler auftritt.

Diese Entwicklung birgt Risiken. Schon heute unterliegen 55 % aller analysierten strategischen Mineralien einer Form von Exportkontrolle. Handelsbarrieren, politische Spannungen oder Naturkatastrophen könnten jederzeit empfindliche Lieferengpässe auslösen.

Versorgungsschocks bleiben reale Gefahr

Die IEA warnt ausdrücklich vor den möglichen Folgen eines solchen Versorgungsbruchs. In einem simulierten Szenario für das Jahr 2035 käme es bei einem Ausfall eines zentralen Lieferanten dazu, dass im Schnitt die Hälfte der weltweiten Nachfrage nach einem bestimmten Metall nicht mehr gedeckt werden könnte. Dies hätte drastische Konsequenzen für die Industrie, insbesondere für die Batterieproduktion in Europa.

„Selbst in einem gut versorgten Markt können Lieferketten für kritische Mineralien sehr anfällig für Versorgungsschocks sein“, betont IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol. „Die Auswirkungen eines Versorgungsschocks können weitreichend sein und zu höheren Preisen für die Verbraucher sowie zu einer Verringerung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie führen.“

Wachsender Bedarf trifft auf stagnierende Investitionen

Die Nachfrage nach Batteriemetallen wächst weiterhin rasant. So stieg der Bedarf an Lithium im Jahr 2024 um fast 30 % – im Vergleich zu einem durchschnittlichen Jahreswachstum von 10 % im vorangegangenen Jahrzehnt. Gleichzeitig wächst das Angebot: Zwischen 2020 und 2024 verdoppelte sich die globale Produktion kritischer Batteriemetalle.

Dennoch zeichnet sich laut IEA ein Investitionsstau ab. Die Ausgaben in diesem Sektor stiegen 2024 nur noch um 5 %, nach 14 % im Vorjahr. Auch die Exploration neuer Vorkommen zeigt kaum Dynamik. In Verbindung mit einer schleppenden Diversifikation der Lieferketten ergibt sich ein langfristiges Versorgungsrisiko.

Kupfer als besonders kritischer Faktor

Besonders angespannt zeigt sich laut IEA die Lage bei Kupfer – einem Material, das nicht nur in Batterien, sondern vor allem im Ausbau von Stromnetzen, Ladeinfrastruktur und Windkraftanlagen unverzichtbar ist. Aufgrund der schleppenden Entwicklung neuer Bergbauprojekte droht bis 2035 ein Defizit von bis zu 30 %. Auch hier könnten Lieferausfälle oder Exportbeschränkungen empfindliche Folgen haben.

Neue Batterietechnologien – alte Abhängigkeiten

Die Hoffnung auf eine technologische Entschärfung durch Alternativen wie LFP- oder Natrium-Ionen-Batterien wird im Bericht ebenfalls relativiert. Zwar benötigen diese Technologien keine Nickel- oder Kobaltverbindungen, sind jedoch weiterhin abhängig von Rohstoffen wie Phosphorsäure oder Mangansulfat – beides unter chinesischer Kontrolle.

Eine Entkopplung von bestehenden Lieferstrukturen ist laut IEA daher bislang nicht in Sicht. „Diese neue Analyse untersucht, was auf dem Spiel steht und was getan werden muss, um die Widerstandsfähigkeit und Vielfalt der Lieferketten für kritische Mineralien zu verbessern“, sagt Birol. Ziel sei es, die Energieversorgung auch unter schwierigen Bedingungen bezahlbar und verlässlich zu gestalten. (mit dpa)

Hier geht es zur Studie

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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