Weg zu mehr Innovation 17.07.2025, 11:00 Uhr

IESE – Studie: Warum KMU auf agile Fertigung setzen sollten

Teure Maschinen oder riskantes Outsourcing? Eine Studie zeigt: Agile Fertigung bietet einen dritten Weg – flexibel, digital und risikoarm.

Joan Jané

Joan Jané, Professor of the Practice of Management of Operations, Information & Technology an der IESE Business School.

Foto: IESE Business School

Für kleine Hersteller ist agile Fertigung oft die bessere Lösung. Laut einer Studie der IESE Business School kann sie helfen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Mit dieser Methode können Unternehmen neue Produkte und Prozesse testen, ohne viel Geld in Maschinen oder Anlagen investieren zu müssen.

Agile Fertigung: Die neue Antwort auf Make or Buy

Die klassische Entscheidung, ob man selbst produziert oder zukauft, gerät laut einer Studie der IESE Business School zunehmend unter Druck. Die Hochschule, die auch einen Campus in München hat, sieht in agiler Fertigung eine neue Lösung: Sie macht moderne Produktionstechnologien für mehr Unternehmen zugänglich.

Make or Buy? – Die klassische Frage für Hersteller

Hersteller stehen oft vor der Entscheidung: Soll ich selbst produzieren oder lieber einkaufen?

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Das bedeutet hohe Kosten für Maschinen, Technik und Fachpersonal. Der Vorteil: Mehr Kontrolle, bessere Qualität und Flexibilität bei Veränderungen. Besonders wichtig in risikoreichen Branchen wie Luftfahrt oder Autoindustrie.

Einkaufen?

Hier wird die Produktion an externe Firmen ausgelagert. Das spart Kosten und Aufwand – ideal bei schwankender oder projektbezogener Nachfrage. Nachteil: Weniger Kontrolle und mögliche Abhängigkeit von Zulieferern.

Doch es gibt einen dritten Weg – agile Fertigung

Gründe dafür sind der schnelle Fortschritt bei künstlicher Intelligenz, unsichere Lieferketten und eine ständig wechselnde Industriepolitik. Unternehmen müssen ihre Produktion flexibler gestalten – klassische Modelle sind oft zu starr, und einfach auszulagern reicht nicht mehr.
Die Antwort sei laut Prof. Joan Jané, dem Leiter des IESE-Campus New York und Mitgründer der Agile Manufacturing Society, die agile Fertigung. Die Studie zeigt: Mit ihr können Unternehmen wachsen und innovativ sein – ganz ohne die hohen Investitionen klassischer Produktionsmodelle und bei geringem Risiko. Und:

Agile Fertigung verbindet das Beste aus beiden Welten. Dank moderner, cloud-basierter Technologien kann man Teile herstellen, ohne hohe Investitionen zu tätigen.

Das bringt Vorteile:

  • Geringe Kosten durch nutzungsbasierte Modelle
  • Schnelle Reaktion auf Nachfrageänderungen
  • Geringes Risiko durch flexible Produktion
  • Kürzere Produktionszeiten, auch für kleine Serien
  • Ideal für saisonale oder projektbezogene Aufträge

Laut der Studie führten veränderte Verbraucherwünsche, kürzere Produktlebenszyklen und ein wachsender Wunsch nach Individualisierung dazu, dass sich Unternehmen zunehmend von der klassischen Massenproduktion abwendeten. Stattdessen richte sich der Fokus auf flexiblere und anpassungsfähigere Produktionssysteme.

Chancen durch Technologie – aber Europas Mittelstand zögert

Ermöglicht wird dieser Wandel durch Technologien der Industrie 4.0 – etwa durch cyber-physische Systeme, das Internet der Dinge, Big Data und künstliche Intelligenz. Diese Technologien versetzten Unternehmen in die Lage, auch kleinere Stückzahlen hochwertiger Produkte wirtschaftlich herzustellen, die genau auf individuelle Kundenbedürfnisse zugeschnitten seien. „Zum Beispiel könnte ein Hersteller von Gesundheitsprodukten 3D-Drucker einsetzen, um individuell alles anzufertigen – von Zahnprothesen und Hörgeräten bis hin zu maßgeschneiderten Körperteilen, an denen Ärzte vor einer Operation üben können. Oder ein Automobilunternehmen könnte seine Montagelinien mit einem einzigen Informationssystem verbinden, um die Produktion zu überwachen, Engpässe vorherzusehen und fehlende Teile zurückzuverfolgen“, schreibt Professor Jané.

Dabei weist Prof. Joan Jané auf zwei Initiativen hin: das Digital-Decade-Programm für 2030 und das Horizon-Europe-Programm bis 2027. Beide sollen gezielt Forschung, Entwicklung und Investitionen in moderne Fertigungstechnologien fördern, um die Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum der EU zu stärken. Trotzdem läuft die Umsetzung bisher langsam, da viele Mitgliedstaaten ihre Ziele verfehlen oder bei der Einführung neuer Technologien hinter internationalen Konkurrenten zurückbleiben.

Ein Grund dafür ist die hohe Zahl kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) in Europa. Diese scheuen oft die Kosten und Risiken, profitieren aber gerade von den flexiblen, nutzungsbasierten Modellen der agilen Fertigung, die Investitionen senken und Risiken minimieren.

Flexibel bleiben, Risiken kennen

Denn agile Fertigungstechnologien setzen auf nutzungsbasierte Modelle, die teure Investitionen überflüssig machen. Unternehmen können so moderne Fertigungstechniken nutzen, ohne teure Maschinen kaufen zu müssen. Agile Abläufe verkürzen außerdem die Entwicklungszeit neuer Produkte, sodass Firmen auch bei schnellen Veränderungen am Markt flexibel und wettbewerbsfähig bleiben – und das bei geringem Risiko.
„Auch wenn die Voraussetzungen für agile Fertigung günstig sind, heißt das nicht, dass agile Fertigung risikofrei ist oder „finanzielle Flexibilität“ bedeutet, dass keine Investitionen anfallen. Anfangskosten können durchaus entstehen, und da sich Industrie-4.0-Technologien sehr schnell weiterentwickeln, besteht das reale Risiko, dass sie schnell veralten“, sagt der Professor.

Unternehmen könnten sich dank agiler Fertigung flexibel an die Nachfrage anpassen, ohne Kapital in eigene Maschinen binden zu müssen; für Betriebe mit Sorge um den Wiederverkaufswert ihrer Anlagen sei dies eine risikoärmere Alternative, da Wertverluste entfallen. Auch ermögliche das Pay-per-Use-Prinzip schnelle Reaktionen auf Marktveränderungen, ohne langfristige Investitionen – resümiert der Experte.

Hier geht es zur Studie

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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