Rohstoffe 22.02.2013, 16:59 Uhr

„Wir wollen bis zu 20 % vom Markt“

Seit gut 30 Jahren dominieren die Chinesen den Markt für Seltene Erden, jetzt bekommen sie Konkurrenz. Der australische Rohstoffförderer Lynas ist auf dem Weg, einer der Big Player in dem Geschäft zu werden. Eric Noyrez, Präsident von Lynas, spricht über seine Strategie und welche Herausforderungen sich Lynas stellen muss.

Kostbar und begehrt: Seltene Erden.

Kostbar und begehrt: Seltene Erden.

Foto: dpa

VDI NACHRICHTEN: Vor 13 Jahren hat Lynas-Gründer Nick Curtis in einem Interview von seinem Traum gesprochen, einen Anbieter Seltener Erden außerhalb Chinas aufzubauen. Warum hat es so lange gedauert?

Noyrez: Von der Entdeckung eines Rohstofflagers bis zur Förderung und Aufbereitung Seltener Erden brauchen Sie mindestens zehn Jahre. Das ist der Zeitrahmen, um ein solches Projekt betriebsbereit zu bekommen. Gerade haben wir in Malaysia mit der Aufbereitung Seltener Erden begonnen.

Warum haben sie die Förderung in Westaustralien im Mai 2012 gestoppt?

Die Fördermenge der Mine Mount Weld war größer als erwartet, nämlich 5000 t, das entspricht einer halben Jahresproduktion. Da wir mit der Verarbeitung in Malaysia erst später als geplant beginnen konnten, gab es keinen Grund, mit dem Rohstoffabbau in Mount Weld fortzufahren.

Warum verarbeiten Sie Seltene Erden denn in Malaysia? Bekommen Sie keine Genehmigung in Australien?

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Lynas hat eine Genehmigung zur Errichtung eines Werks in Australien. Doch Bau-, Betriebs- und Transportkosten einer solchen Anlage wären hier schlicht zu hoch gewesen. Ein weiteres Projekt in China haben wir nach Senkung der chinesischen Exportquote für Seltene Erden verworfen. Schließlich haben wir Malaysia als bevorzugten Standort ausgemacht. Dort gibt es Häfen und weitere Infrastruktur für Gewerbebetriebe in gutem Zustand, einen umfangreichen Chemikalienhandel, eine verlässliche Energieversorgung, strikte und klare rechtliche Rahmenbedingungen, ein gutes Bildungssystem sowie eine Regierung, die den Wertzuwachs, den eine neue Industrie mit sich bringt, zu schätzen weiß.

In Malaysia war Lynas kürzlich aber auch Protestaktionen und Gerichts-verfahren ausgesetzt.

Die malaysische Regierung hat die Anlage zu jedem Zeitpunkt unterstützt. Im laufenden Wahljahr 2013 wärmt die malaysische Opposition das Thema Betriebserlaubnis allerdings wieder auf. Indes, die gesetzlichen Vorschriften für die Anlage sind eindeutig – die malaysischen stimmen mit europäischen Standards überein. Ich sehe da wirklich keine großen Unterschiede.

Bestehen Gefahren bei der Aufbereitung Seltener Erden für die Umwelt und die Gesundheit der Anwohner?

Lynas musste sich vielen Diskussionen mit malaysischen Bevölkerung stellen, um die Abläufe im Werk zu erklären. Wir konnten den Leuten aber versichern, dass kein betriebliches Risiko besteht.

Gibt es denn eine technisch einwandfrei saubere Art, Seltene Erden zu verarbeiten?

Erdölprodukte werden durch Destillation raffiniert, Seltene Erden werden auf die gleiche Art verarbeitet. Die Mineralöl- und die Seltenerdenindustrie tun also grundsätzlich dasselbe. Wir versuchen jeglichen Schaden, den Menschen erleiden könnten, abzuwenden, indem wir etwa entstehende Gase wie auch Abwässer in den Verarbeitungsprozess zurückführen.

Wie wird sich die Nachfrage nach Seltenen Erden in den nächsten Monaten entwickeln?

Es wird eine hohe Nachfrage sowohl für leichte als auch für schwere Seltene Erden geben. Volkswirtschaften weltweit können auf sie bei der Herstellung wichtiger technischer Produkte – elektronische Komponenten für Fahrzeuge, Fernsehbildschirme, Telefone oder Windenenergieanlagen – nicht verzichten.

Wie sieht es mit dem Angebot aus?

Es ist offenkundig, dass die von China in den letzten 20 Jahren erreichten Produktionsmengen nicht aufrecht zu erhalten sind. Es gab ja in China fast 1000 Kleinstanbieter Seltener Erden. Nun wollen die Chinesen diesen Wirtschaftszweig restrukturieren. Offenbar verfolgt die Staatsführung das Ziel, künftig mit drei bis sechs großen Anbietern Seltener Erden auf dem Weltmarkt agieren.

Wie schätzen Sie die Marktposition Chinas und ihrer Wettbewerber wie Australien oder den USA ein?

Anbieter außerhalb Chinas müssen auf dem Weltmarkt zunächst auf sich aufmerksam machen. Um das zu erreichen, müssen sie in der Lage sein, große Mengen Seltener Erden aufzubereiten. Aber China braucht zugleich selbst einen dauerhaften Nachschub Seltener Erden. Allein deshalb wird es mit Sicherheit ein Global Player bleiben. Die Chinesen brauchen den Nachschub Seltener Erden, um ihr eigenes Wirtschaftswachstum nicht zu gefährden – zur Herstellung jedes einzelnen Fahrzeugs, jedes einzelnen Fernsehbildschirms, jedes einzelnen Handys. China versucht gerade, die Zukunftsfähigkeit seiner Seltenerdenindustrie sicherzustellen. Es ist auf der Suche nach mehr Kosteneffizienz, nach einem besseren Return on Investment und nach einem umweltverträglichen Bergbau.

Welchen Marktanteil strebt Ihr Unternehmen an?

Wir wollen 2014 zwischen 10 % und 20 % vom Markt.

Ist Lynas vorbereitet auf einen Preiskampf mit chinesischen Anbietern?

Lynas Corp strebt langfristige Geschäftsbeziehungen an. Wir wollen kein kurzfristiges, sondern ein nachhaltiges Angebot Seltener Erden sicherstellen. Das ist der Grund, weshalb Lynas meiner Meinung nach in keinen Preiskampf mit den Chinesen eintreten muss.

Haben Sie schon Kunden?

Seit 2005 haben wir im Rahmen unseres Geschäftsmodells weltweit strategische Allianzen geschlossen. Lynas Corp setzt auf langfristige Vertragsabschlüsse, einige davon beinhalten technologische Kooperationen. So haben wir zum Beispiel einen Abnahmevertrag mit der deutschen BASF, dem nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltgrößten Chemiekonzern, geschlossen.

Gibt es schon neue Projekte zum Abbau Seltener Erden in Australien oder anderswo?

Lynas verfügt über eine weitere Lizenz zum Abbau Seltener Erden im ostafrikanischen Malawi. Wir haben dort Probebohrungen durchgeführt. Malawi ist allerdings ein langfristiges Projekt. JÖRG SCHMILEWSKI

 

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