Neue EEG-Umlage 26.10.2012, 19:55 Uhr

Stahlindustrie fürchtet Verdoppelung der EEG-Kosten

„Das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) muss reformiert werden“, kommentierte Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, die Mitte Oktober bekanntgegebene neue EEG-Umlage zur Finanzierung der erneuerbaren Energien in Deutschland. Die Energiepreise dürften nicht weiter aus dem Ruder laufen, andernfalls werde der deutschen Stahlindustrie im internationalen Rennen die Luft ausgehen.

Die Stahlindustrie leidet unter hohen Energiekosten.

Die Stahlindustrie leidet unter hohen Energiekosten.

Foto: Outokumpu

Mit der am 15. August von den deutschen Netzbetreibern bekannt gegebenen neuen EEG-Umlage zur Finanzierung der erneuerbaren Energien in Deutschland steigen die EEG-Kosten der heimischen Stahlindustrie nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Düsseldorf, im nächsten Jahr auf rund 260 Mio. €. „Dies ist ein Anstieg um fast 50 % und eine erhebliche Belastung für die internationale Wettbewerbsfähigkeit“, erklärte WV-Stahl-Präsident Hans Jürgen Kerkhoff.

Bereits in diesem Jahr zahle die Branche rund 180 Mio. € an EEG-Umlage. Solange sich die Energiewende nicht selbst trage, müssten die Entlastungen für die energieintensiven Betriebe fortgeführt werden. Anderenfalls drohe eine Deindustrialisierung und der Verlust von Arbeitsplätzen, so Kerkhoff. Denn die deutsche Stahlindustrie stehe in einem intensiven internationalen Wettbewerb mit Ländern wie China, Russland und den USA, die keine vergleichbaren Kosten aus erneuerbaren Energien und auch keinen Emissionshandel hätten.

Stahlindustrie: Symbolischer Hürdenlauf vor dem Bundestag soll Politik aufrütteln

„In der gegenwärtigen öffentlichen Diskussion wird völlig vergessen, dass in Deutschland neben dem EEG eine Vielzahl weiterer energie- und klimapolitischer Regelungen für die Stahlindustrie und die auf Stahl begründete industrielle Wertschöpfungskette zu zusätzlichen finanziellen Belastungen führt“, warnte der WV-Stahl-Präsident.

Unter dem Motto „Dieses Rennen kann die deutsche Stahlindustrie nicht gewinnen“ hatte die Wirtschaftsvereinigung Stahl deshalb bereits am 11. Oktober einen symbolischen Hürdenlauf vor dem Deutschen Bundestag in Berlin organisiert. Auf einer Tartanbahn vor dem Reichstagsgebäude waren jeweils ein Läufer aus den USA, China, Russland und Deutschland zu einem Wettlauf der großen stahlproduzierenden Nationen angetreten. Während dabei die Sprinter der internationalen Wettbewerber freie Bahn hatten, musste der deutsche Vertreter der Stahlbranche mehrere hohe Hürden nehmen. EEG-Umlage, EU-Emissionsrechtehandel, Energiesteuer und die Strompreise bremsten ihn aus. Damit wollte die Wirtschaftsvereinigung verdeutlichen, „dass der deutschen Stahlindustrie im internationalen Rennen die Luft ausgehen wird, wenn dieser Trend weiter anhält“, wie Kerkhoff es ausdrückte.

Dabei zählen die Stahlwerke in Deutschland bereits zu den energieeffizientesten der Welt. Die Emissionen zu verringern sei sicher richtig, aber es gebe international keinen Markt für CO2-armen Stahl, stellte beispielsweise Lutz Bandusch, der Vorstandsvorsitzende von ArcelorMittal Hamburg kürzlich hinsichtlich der Auswirkungen der Energiepolitik auf die deutsche Stahlindustrie fest. Die Kunden auf dem Weltmarkt seien nicht bereit, für die ressourcenschonende Produktion von Stahl einen Aufpreis zu zahlen.

Stahlindustrie befürchtet dreifache Mehrkosten durch Energieauflagen

Um Nachteile gegenüber den Wettbewerbern in Ländern ohne EEG, Energiesteuer und Emissionshandel zu vermeiden, sind daher nach Ansicht der Wirtschaftsvereinigung Stahl Kostenbegrenzungen für energieintensive Industrien unabdingbar. Ohne diese Belastungsbremsen würden sich die Mehrkosten der Stahlindustrie in Deutschland aus den verschiedenen energie- und klimapolitischen Maßnahmen künftig auf jährlich rund 1,8 Mrd. € verdreifachen. „Das entspricht etwa 20 000 € je Arbeitsplatz“, so WV Stahl.

Bandusch fürchtet deshalb um den langfristigen Erhalt des Hamburger Stahlwerks, obwohl es „die energieeffizienteste Anlage im gesamten ArcelorMittal-Konzern ist“, wie Marc Hölling, der für das Energiemanagement der Produktionsstätte im Hamburger Stadtteil Finkenwerder verantwortlich ist, bei einem Werksrundgang hervorhob. Seit 2007 hat das Stahlwerk seine Emissionen um mehr als 60 000 t CO2 gesenkt und damit das mit den Behörden der Hansestadt vereinbarte Ziel von 50 000 t weniger CO2 zwischen 2008 und 2012 übertroffen. Bandusch rechnet künftig aber nur noch mit weiteren jährlich erreichbaren CO2-Einsparungen von etwa 0,5 %, denn der Effekt werde bei zunehmend höherem Investitionsbedarf immer kleiner.

Wegfall der EEG-Umlage würde ArcelorMittal Hamburg in die roten Zahlen führen

Ein Wegfall der geplanten Befreiung von der Erneuerbare-Energien-Umlage beim Strombedarf – neben dem Gasbedarf von umgerechnet rund 2 TWh benötigt das Hamburger Werk noch rund 1 TWh elektrische Energie für seine Erzeugung von jährlich rund 1 Mio. t Stahl – wird den Hamburger Stahlstandort von ArcelorMittal laut Bandusch in die roten Zahlen führen. Denn die EEG-Umlage liege mit 29 Mio. € deutlich über dem im vorigen Jahr erreichten operativen Gewinn (EBITDA) von rund 10 Mio. €. Diese Zusatzkosten könnten nicht mehr erwirtschaftet werden. Als langfristige Folge drohe damit die Einstellung der Stahlproduktion am Hamburger Stahlstandort. Die Politik müsste der Bevölkerung deshalb zeigen, dass die Entlastung nicht etwas ist, um der Industrie Gutes zu tun, sondern dass sie notwendig ist, um die energieintensiven Industrien am Standort Deutschland zu erhalten.

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